Holzwerkstoffe: Handel im Wandel


Mit der Herstellung und dem Handel von klassischen Spanplatten wachsen heute die Bäume nicht mehr in den Himmel. Bild: Archiv SZ
Mit der Herstellung und dem Handel von klassischen Spanplatten wachsen heute die Bäume nicht mehr in den Himmel. Bild: Archiv SZ
Plattenmaterial. Die Entwicklung der Holzwerkstoffe hat zu immer grösseren Plattensortimenten mit vielfältig veredelten Oberflächen geführt. Das hat auch die Kette vom Hersteller bis zum Schreiner verändert und erfordert immer mehr logistische Unterstützung durch die Händler.
Wenn Holz zerkleinert wird, um es dann plattenförmig wieder zusammenzufügen, dann spricht man bekanntlich von Holzwerkstoffen. Aus Spänen, Holzfasern, Furnieren oder Lamellen werden Holzwerkstoffplatten hergestellt. Sperrholzplatten waren die ersten Holzwerkstoffe, wenig später kamen Tischlerplatten hinzu. Der grosse Aufschwung erfolgte mit der Erfindung der Spanplatten.
Der Schweiz kam bei der Herstellung von Holzwerkstoffen eine zentrale Rolle zu, denn im Jahre 1946 wurde in der Schweiz das weltweit erste Spanplattenwerk in Betrieb genommen. In Klingnau AG wurden die bis heute bekannten Novopan-Platten produziert. Neben der Firma Novopan, welche später nach Kleindöttingen AG umgezogen ist, wurden in St. Maurice VS bei Bois-Homogene, in Ermatingen TG bei Jago-Werke, und bei Thermopal in Leibstadt AG Spanplatten produziert. Alle diese Produktionsstandorte sind sukzessive wieder geschlossen worden, das letzte Werk war Homoplax in Fideris GR, welches 2002 die Produktion aufgegeben hat. Heute werden in der Schweiz nur noch von Kronoswiss in Menznau LU Spanplatten produziert. Mit Pavatex in Cham ZG, welche Holzfaserplatten herstellt, und der Firma Hess in Döttingen AG mit der Produktion von Sperrholzplatten gibt es in der Schweiz derzeit lediglich noch drei Produktionsstandorte, wo Holzwerkstoffe hergestellt werden.
Der Grund für die Schliessungen liegt darin, dass die Herstellung von Holzwerkstoffen in wesentlich grössere Industrien verlegt worden ist, denn nur noch in grossen Mengen lassen sich Holzplatten marktgerecht produzieren. Holzwerkstoff-Industriebetriebe sind sehr platzintensiv, denn neben der eigentlichen Produktionsstrasse benötigt sowohl das Rundholz als Rohmaterial als auch die produzierten Plattenstapel grosse Lagerflächen. In der Schweiz ist Bauland bekanntermassen knapp. Üblicherweise befinden sich die Werke in bewaldeten Regionen, das Rundholz kann dadurch mit minimalen Transportkosten in der näheren Region eingekauft werden.
Kronoswiss produziert seit 1966 in der Schweiz und konnte davon profitieren, dass es in Menznau LU möglich war, die benötigten Landflächen zu entwickeln. Neben Spanplatten werden heute bei Kronoswiss mit über 400 Mitarbeitenden auch Möbelplatten aller Art, mitteldichte Faserplatten und Laminat-Fussböden hergestellt. Die Kronoswiss-Gruppe besitzt insgesamt elf Werke in acht Ländern und beschäftigt über 4500 Mitarbeitende. Weltweit gesehen ist die Kronoswiss-Gruppe gemäss Euwid der fünftgrösste Hersteller von Holzwerkstoffen.
Der weltweit grösste Produzent ist Kronospan Deutschland. Beide Unternehmen, Kronospan und Kronoswiss, gehörten ursprünglich zusammen und wurden 1897 von der Familie Kaindl in Österreich gegründet. Später haben sich diese Unternehmen komplett getrennt und treten heute als Wettbewerber auf dem Markt auf. Kronospan mit Hauptsitz in Deutschland beschäftigt über 14 000 Mitarbeitende in über 40 Werken in 23 Ländern. In der Schweiz ebenfalls bestens bekannt sind Holzplatten der Herstellerunternehmen Pfleiderer aus Deutschland und Egger aus Österreich, welche ebenfalls zu den führenden Anbietern gehören.
Nachdem die Produzenten mehrheitlich im Ausland angesiedelt sind, wird der grösste Teil der Produkte importiert, vorwiegend aus dem EU-Raum. Sperrholzplatten kommen beispielsweise aus Finnland, Italien oder Frankreich, Massivholzplatten oftmals aus Österreich und Span- und Tischlerplatten sowie Fertigtüren aus Deutschland, Österreich und Frankreich. Die meisten Produkte sind demnach schon weit gereist, wenn sie beim Schweizer Holzhandel ankommen. Dem Holzhandel kommt die Funktion zu, die umfangreichen Sortimente weltweit einzukaufen, zu bevorraten und auftragsbezogen – meistens in kleinen Mengen – den Schreinereien anzuliefern. Der Transportweg vom Holzhandel zum Verarbeiter fällt insgesamt nicht mehr so stark ins Gewicht wie früher.
Der Begriff Holzwerkstoffe ist in den letzten Jahren viel umfassender geworden. Neben einem stark vergrösserten Plattensortiment in allen Ausführungen und Dimensionen gehören auch Baumaterialien wie Gipsfaserplatten und Isolationen, aber auch ein grosses Angebot an Türen, Wand- und Deckenverkleidungen sowie Produkte aus massivem Holz in das Sortiment. Eine ganz grosse Herausforderung für den Holzwerkstoffhandel ist der Decorbereich im Farbverbund, zusammenpassende beschichtete Spanplatten mit Kunstharzplatten und Kanten.
Noch vor wenigen Jahren wurden über den Holzhandel kaum Bodenbeläge verkauft, heute ist auch dieser Sortimentsbereich nicht mehr wegzudenken. Der Holzwerkstoffhandel musste sich in den letzten Jahren anpassen, um am Markt attraktiv zu sein, die Sortimentsgrösse hat sich vervielfacht. Für die Verarbeiter ist es zunehmend schwieriger geworden, in den grossen Sortimenten den Überblick zu behalten. Viele Holzwerkstoffhändler bieten ihren Kunden neben Sortimentskatalogen nun auch erfreulich stark genutzte Webshops mit einer Fülle an Informationen. Auch umfangreiche Kollektionen und Verkaufsunterlagen werden durch den innovativen Holzhandel den Kunden zur Verfügung gestellt.
Infolge dieser Veränderungen auf dem Holzwerkstoffmarkt haben sich die Handelsunternehmen unterschiedlich entwickelt. Um als Vollsortimenter auf dem Markt erfolgreich zu bleiben, mussten in den letzten Jahren die Lagerkapazitäten um mehrere tausend Positionen ausgebaut und die Logistik entsprechend angepasst werden.
Einige Holzhändler haben sich auf Nischen fokussiert. Kleinere Holzhändler praktizieren vermehrt die Kundennähe vor Ort als Geschäftsmodell und beschaffen Artikel, welche nicht am Lager vorrätig sind, auftragsbezogen. Eine gesunde Basis für jede Kunden- und Lieferantenbeziehung zwischen Schreiner und Holzwerkstoffhändler ist gegenseitiges Vertrauen. Fast jede Region in der Schweiz wird durch mehrere Holzhändler bedient. Oftmals sind persönliche Beziehungen, aber auch Sortimente oder bewährte Hilfsmittel entscheidend für die Lieferantenwahl. Vielfach wird unterschätzt, dass jede Anlieferung auch für den Handwerksbetrieb mit grossem Aufwand verbunden ist. Neben dem Ablad, der Entgegennahme, Kontrolle und Einlagerung der Ware erfolgt im Nachhinein die ganze Papierverarbeitung bis zur Bezahlung der Kreditorenrechnung. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, die Bestellungen bestmöglich zu bündeln und darauf Wert zu legen, dass die Produkte letztendlich auch in einer Anlieferung bei der Schreinerei ankommen. Ausserdem ist der Transport ein grosser Kostentreiber für den Holzwerkstoffhandel und letztendlich ist es auch umweltgerecht, wenn die Lieferanten mit voll beladenen Lastwagen unterwegs sind.
Im Dossier Holzwerkstoffe finden sich Informationen und eine Fachartikel-Sammlung zu den verschiedenen Holzwerkstoffen: Von deren Einsatzmöglichkeiten bis hin zu aktuellen Trends und Verfügbarkeit.
Veröffentlichung: 15. Oktober 2015 / Ausgabe 42/2015
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