Wenn Wissen und Erfahrung noch fehlen


Kinder müssen ganz vieles lernen, wie den Umgang miteinander und mit Materialien. Bild: Glutz AG
Kinder müssen ganz vieles lernen, wie den Umgang miteinander und mit Materialien. Bild: Glutz AG
Funktionstüren. Bewegliche Bauelemente wie Türen, die zum Alltäglichen aller gehören, sind für Erwachsene mit ihren Erfahrungen einfach zu handhaben. Bei Kindern ist das noch nicht so, und das sollte schon bei der Planung solcher Durchgänge berücksichtigt werden.
Kinder kommen ohne Wissen und Erfahrung zur Welt und müssen absolut alles lernen, indem sie es gezeigt und später auch erklärt bekommen, um dann im Wechsel mit eigenen Erfahrungen weiter voranzukommen. Was noch nicht richtig gezeigt und verstanden wurde, kann in seinen Zusammenhängen auch nicht erkannt werden. Da alles neu und spannend ist, kann nicht alles unmittelbar richtig erfasst werden, und so manches läuft dann nicht wirklich gut. Dinge können Schaden nehmen, was sich auch noch weit in die Schulzeit hineinzieht.
Der Kindergarten wird auch als Vorschule bezeichnet, was gleich auf dessen Sinn hinweist: Kleine Kinder sollen durch ein gemeinsames Tun mit Gleichaltrigen den sozialen Umgang miteinander erlernen und auf die Grundanforderungen der Schule vorbereitet werden. Das Wissen darum, welche Altersgruppe überhaupt schon welche Fähigkeiten erworben hat, muss bei Bauten, die man speziell für diese Personengruppen schafft, miteinbezogen werden. In Bezug auf die Nutzung von Türen und Beschlagskomponenten mit hoher Frequenz und naheliegender, sorglosen Nutzung ist die SN EN 1906 zu erwähnen. Dahinter versteckt sich ein Klassifizierungssystem, das mithilfe von acht Leistungsparametern (wie Dauerhaftigkeit, Sicherheit, Bedienkräfte, Einbruchsicherheit etc.) definiert, in welchem Einsatzgebiet die jeweiligen Komponenten angewendet werden können.
Bei der Assa Abloy Schweiz AG Richterswil ZH weiss man, dass an einer öffentlichen Schule Beschläge mindestens mit Sicherheitszertifizierungen der Klasse 3 zu empfehlen sind. Diese Benutzerkategorie steht für häufige Verwendung durch Publikum oder andere Personen mit geringer Motivation zur Sorgfalt, bei denen ein hohes Risiko falscher Anwendung besteht. Die Firma Glutz AG in Solothurn empfiehlt bezüglich der Dauerfunktionstüchtigkeit sogar die Klasse 7. Wird, auch verbotenerweise, an einer Tür gespielt, steigt deren Belastung.
«In der Schweiz bestehen für Türen von Kitas, Kindergärten und Schulen, die nicht motorbetrieben sind, keine speziellen Vorschriften», sagt Pierre Scheidegger aus dem Bereich Technik und Betriebswirtschaft des VSSM. Es gelten die gleichen Normen wie sonst auch. Dennoch spielen die Grösse, das Gewicht und die Kraft eines Kindes eine Rolle und sollten schon bei der Planung mitberücksichtigt werden.
Bei Basys, der deutschen Bartels Systembeschläge GmbH, sollen die heute oft recht schweren Türblätter auch von Kinderhand leicht bewegt werden können. Ebenso muss die Ergonomie auch für Eltern, die ein Kind auf dem Arm tragen oder mit einem Kinderwagen kommen, stimmen. Stabile, dreidimensional einstellbare Bänder mit guten Lagern, wie die Objekttürbänder der Linie «Objecta», sind dafür geeignet.
Gekröpfte Türdrücker mit einer weiten Ausladung sind zudem für Kinder einfacher und auch sicherer zu bedienen, weiss man bei Glutz. Langschilder und Türschoner stellen eine dauerhafte Funktion der Tür sicher, wohingegen Rosetten laut Firmenangaben nicht geeignet sind, da ihre Befestigungspunkte der hohen Belastung oft nicht genügen.
Türbeschläge im Eingangsbereich müssen unter Umständen auch noch zusätzliche Belastungen aushalten. Winddruck und Luftdruckunterschiede zwischen Gebäuden können ein Öffnen stark beeinträchtigen. Besonders kleine Kinder haben Mühe, schwergängige Eingangstüren aufzubringen. Die Türschliesser sollten daher entsprechend den Vorschriften für das hindernisfreie Bauen ausgelegt werden. Die dort vorgeschriebenen 50 N maximale Öffnungskraft reicht bei Luftdruckwechseln in Eingangsschleusen oder auch Treppenhäusern aber oft nicht mehr zum Schliessen aus. «Eine mögliche Lösung besteht darin, Freilauftürschliesser, die erst über die Brandmeldeanlage aktiviert werden, zu verwenden», sagt Pierre Scheidegger vom VSSM. So lässt sich die Tür im Alltag widerstandslos bewegen und wird nur im Brandfall automatisch geschlossen.
Sobald Türen einen motorischen Antrieb erhalten, wird zwar die Nutzung auch für schwache Personen stark vereinfacht, diese Türen unterstehen aber dann den Anforderungen der europäischen Maschinenrichtlinie. Entsprechend dieser muss schon bei der Planung eine Risikobewertung durchgeführt werden. Welches die genauen Anforderungen sind, kann im Merkblatt Nr. 15 des Verbandes Schweizerische Türenbranche (VST) nachgelesen werden.
Sicherheit ist überhaupt ein grosses Thema, denn besonders in Kitas und Kindergärten sollten weder unerwünschte Personen auf das Gelände kommen können, noch sollten die Kinder es verlassen. Mit einem elektronischen Zugangssystem lässt sich der Zeitraum, in dem die Kinder gebracht und geholt werden, einstellen. Damit dann in der übrigen Zeit das Gebäude dennoch verlassen werden kann, weist die Firma Assa Abloy in ihren Unterlagen darauf hin, dass ein Bedienschalter zum Öffnen der Tür ausserhalb der Reichweite der Kinder auf 1,8 m Höhe gesetzt werden soll. Für den Ernstfall braucht es aber eine Nottaste für alle, die auf einer Höhe von 0,8 bis 1,1 m über Boden angeordnet sein muss. Das entspricht der Norm SIA 500, «Hindernisfreie Bauten». Damit das alles nützt, müssen die Kinder zudem entsprechend instruiert werden.
Immer wieder diskutiert wird, ob es auf der Bandseite einen Fingerschutz braucht, der die Türspalte in jeder Position verschliesst und somit das Einklemmen von Fingern verunmöglicht, wie das beidseitige Rollo von Planet. Ein einschwenkbarer Türstopper am Türblatt auf der Schlossseite macht, dass die Tür dann nicht mehr ganz schliesst. Nachteil dieses Stoppers ist allerdings, dass die Kinder die Tür nicht mehr mit dem Drücker öffnen, sondern in die so vorhandene Öffnung greifen – etwas, das sie sich eigentlich nicht angewöhnen sollten.
Ganz anders sieht die Fingerschutzlösung der deutschen Küffner Aluzargen GmbH aus. Die runde Kantenausbildung der Zargen und die Gummielemente als Knautschzonen an den Türblattkanten sorgen dafür, dass die falsche Betätigung der Tür ohne schmerzhafte Folgen verläuft. Auch dies ist sehr sicher, aber mit diskutierbarem Lerneffekt.
Wenn Kinder schon vor dem Kindergarten regelmässig in eine Kita gebracht wurden, haben sie mindestens einen Teil ihrer Erziehung, wofür die Eltern sonst zuständig sind, dort erhalten, um ein Mitglied der hiesigen Gesellschaft werden zu können. Das Erkennen und der Umgang mit Gefahren sind dabei essenziell. Auch wenn der Fingerschutz von verschiedenen Seiten in der Schweiz nachdrücklich empfohlen wird, vorgeschrieben ist er bisher nicht.
www.assaabloy.chwww.glutz.comwww.vssm.chwww.basys.bizwww.kueffner.ch
Veröffentlichung: 14. Dezember 2023 / Ausgabe 50/2023
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