Schreinerei Vater & Sohn AG

Nahmen sich drei Monate Zeit, um alle Fragen zu klären: Urs und Fritz Knuchel. Bild: Schreinerei Knuchel AG

Generationen.  Dass Vater und Sohn gemeinsam in einer Schreinerei arbeiten, ist keine Seltenheit. Keine Seltenheit sind dabei oft auch Spannungen und Meinungsverschiedenheiten. Deshalb braucht es klare Abmachungen und eine offene Kommunikationskultur.

Nach seiner Weiterbildung zum Schreinermeister stiess Michael Roth vor sechs Jahren in den väterlichen Betrieb in Trubschachen BE. Zuvor arbeitete er in einer Schreinerei im Nachbarsdorf. Zwei Jahre später wurde die Schreinerei Roth in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Michael Roth spricht von einer «schleichenden Geschäftsübergabe» vom Vater zum Sohn, als er auf die Rollenverteilung angesprochen wird. Eine klare Aufteilung der Aufgaben sei in der siebenköpfigen Schreinerei kaum möglich, weil es zu viele Schnittstellen und Überlagerungen gebe.

«Am Anfang lag die Geschäftsleitung noch klar bei meinem Vater. Nach etwa drei Jahren änderte sich dies langsam», schildert Michael Roth. Auslöser dafür war zum einen die Übernahme der Buchhaltung und der Finanzen des Betriebs, zum anderen die Einführung des CAD-Zeichnens durch den Sohn. Schriftlich festgehalten wurde das genaue Übergabeprozedere allerdings nicht. «Ich riss die Geschäftsleitung nie an mich. Als Nachfolger meines Vaters führe ich unseren Betrieb in die Zukunft. Deshalb lag es auf der Hand, dass ich seine Aufgaben nach und nach übernehmen würde», sagt Michael Roth.

Emotional auf die Reihe bringen

Natürlich habe es immer wieder mal Spannungen und Meinungsverschiedenheiten gegeben. Und die gebe es heute ab und zu noch. Für Michael Roth ist es wichtig, dass solche Diskussionen nicht vor den Mitarbeitenden ausgetragen werden. «Mein Vater und ich verhalten uns bei Meinungsverschiedenheiten zum Glück ziemlich diplomatisch. In einem anderen Unternehmen würde diese Art der Übergabe vom Vater auf den Sohn wohl nicht funktionieren», ist Michael Roth überzeugt. Er ist seinem Vater dankbar, dass er gut in das Unternehmen eingeführt wurde. Weiter schätzt er die Möglichkeit, gewisse fachliche und strategische Themen mit seinem Vater diskutieren zu können.

Wenn Familiengespräche nachwirken

Wie erlebt Rudolf Roth die kontinuierliche Übergabe des Betriebes an seinen Sohn? «Als Seniorchef bin ich sehr dankbar, dass mein Sohn das Geschäft weiterführt. Offenbar sind das auch die Früchte von positiven Gesprächen in der Familie», sagt Rudolf Roth. Die Zeit des Überganges erlebte er als anspruchsvollen, emotionalen Prozess. «Der Seniorchef lernt, loszulassen und dem Sohn die Verantwortung zu übergeben. Im Gegenzug geniesst der Vater die Anerkennung vom Sohn», sagt Rudolf Roth. Mittlerweile liegt die Verantwortung für die Schreinerei beim Sohn, während Rudolf Roth die dazugehörige Ausstellung für Möbel leitet. «Mit der Übergabe der Schreinerei an meinen Sohn entstand für mich Raum für Neues», freut sich Rudolf Roth.

Klare Regeln, offene Kommunikation

Unternehmensberater Hans-Peter Ruepp, Inhaber von Ruepp und Partner AG in Rotkreuz, stellt immer wieder fest, dass in Schreinereien, wo Vater und Sohn zusammenarbeiten, Rollenverteilung und Verantwortlichkeiten zu wenig klar geregelt sind. «Wer welche Aufgaben übernimmt, hängt natürlich immer auch vom Alter des Sohnes sowie von seinen persönlichen Weiterbildungen und beruflichen Erfahrungen ab», sagt der Unternehmensberater. So mache es einen Unterschied, ob der Sohn bereits mit 25 dem Familienunternehmen beitritt oder erst mit 35, nachdem er auf einige Jahre Berufserfahrung und Weiterbildung zurückblicken kann. «Das mittel- bis langfristige Ziel ist ja in der Regel, dass der Sohn dereinst die Geschäftsleitung übernehmen wird. Im empfehle deshalb, bereits beim Firmeneintritt des Sohnes klar zu regeln, wann ihm welche Abteilungen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten übergeben werden», sagt Ruepp.

Eine klare Regelung setze allerdings eine offene Kommunikationskultur voraus. Was sind die Erwartungen des Sohnes und des Vaters? Welche Ziele setzt sich der Sohn für die Zukunft des Unternehmens? «Obwohl sich Vater und Sohn so nahe sind, wissen sie oft zu wenig voneinander. Ob eine Zusammenarbeit zwischen beiden funktioniert, hängt zudem auch von den Charakteren der Personen ab.»

Im Vorfeld alles geregelt

Bevor Urs Knuchel aus Chur 1997 ins elterliche Geschäft einstieg, nahmen sich er und sein Vater Fritz drei Monate Zeit, um alle Fragen rund um Finanzen, Recht und Verantwortlichkeiten zu regeln und schriftlich festzuhalten. «Das war für uns der Startschuss für die künftige Zusammenarbeit», erinnert sich Urs Knuchel. Ab 1999 übernahm dieser laufend neue Aufgaben in der Schreinerei. Sein Vater unterstützte ihn dabei und führte Urs Knuchel in sein berufliches Beziehungsnetz ein.

Nicht nur personell, auch räumlich waren Veränderungen angesagt: Im November 2010 erfolgte der Spatenstich für das neue Firmengebäude der Knuchels in Chur. Zehn Monate später wurde der Neubau bezogen. Ein neues Firmenlogo sowie die Namensänderung auf Knuchel AG unterstrichen den frischen Wind, der in der 1894 gegründeten Schreinerei Einzug hielt. Ferner wurden modernere Maschinen und ein CNC-Bearbeitungszentrum angeschafft. Nach einigen «Lehrjahren» im Betrieb ist Urs Knuchel seit 2003 Geschäftsführer der Schreinerei mit insgesamt 25 Mitarbeitenden. Sein Vater steht ihm als Berater zur Seite und übernimmt weiterhin gewisse Aufträge für die Schreinerei. «Uns war es wichtig, stets offen miteinander zu kommunizieren, um Reibungen zu verhindern. Dies erlaubte es mir, meine eigene Linie in den Betrieb zu bringen», sagt Urs Knuchel.

Gemeinsam eine Schreinerei gegründet

Im Fall der Schreinerei Kern + Kern in St. Gallen brachte nicht nur der Sohn, sondern auch der Vater seine Linie in den Betrieb. Denn dieser wurde von beiden vor 15 Jahren gegründet. Roland Kern und sein Vater Kurt waren zuvor zwar als Schreinermeister im Angestelltenverhältnis tätig. Doch: «Wir hatten schon länger den Wunsch, uns beruflich selbstständig zu machen», erzählt Roland Kern. Als sich die Möglichkeit bot, ein in Konkurs geratenes Unternehmen zu übernehmen, nutzten sie die Chance und wagten als Vater und Sohn den Schritt in die Selbstständigkeit.

«Wir waren von Anfang an gleichberechtigte Partner und hatten auch fachlich keine Meinungsdifferenzen», sagt Roland Kern. Sicher habe es hin und wieder Spannungen gegeben, die dank der hohen Kompromissbereitschaft von Vater und Sohn jedoch stets gelöst werden konnten. Die Verantwortlichkeiten wurden klar aufgeteilt: Kurt Kern wirkte als Geschäftsführer und beschäftigte sich vor allem mit der Kundenakquise, Roland Kern leitete die Produktion. Inzwischen ist Kurt Kern zwar pensioniert, arbeitet aber weiterhin Teilzeit im Betrieb mit und unterstützt Sohn Roland zum Beispiel im Büro. Dieser zieht über die Zusammenarbeit mit seinem Vater eine positive Bilanz: «Wir haben von Anfang an klare Regeln aufgestellt und stets am gleichen Strick gezogen.»

www.knuchelag.chwww.schreinerei-roth.chwww.kern-kern.chwww.ruepp.ch

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FM

Veröffentlichung: 21. April 2016 / Ausgabe 16/2016

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