Raubbau im Kongobecken


Bilder: Bernard Rérat Im Kongobecken befindet sich der zweitgrösste tropische Regenwald der Welt. Er ist durch Abholzung stark unter Druck.
Bilder: Bernard Rérat Im Kongobecken befindet sich der zweitgrösste tropische Regenwald der Welt. Er ist durch Abholzung stark unter Druck.
Tropenholz. Im Kongobecken geht die Waldfläche durch den Raubbau für den Holzexport stark zurück. Zwar hat Europa vor drei Jahren die Einfuhr illegal geernteter Hölzer verboten. Doch weil China immer mehr afrikanisches Holz importiert, ist das Problem nicht gelöst.
Wird es im Kongobecken Ende dieses Jahrhunderts noch Urwälder geben? Die Frage wurde auf dem Forum der internationalen Tropenholzorganisation ITTO (International Timber Trade Organization) am vergangenen Oktober in Mailand nicht direkt gestellt. Aber beim Informationsaustausch der rund 200 Teilnehmenden aus 21 Ländern lag das Thema in der Luft.
Nicht ohne Grund, denn gemäss der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO (Food and Agriculture Organization) hat die Erde seit 1990 129 Mio. ha Wald verloren, etwa 100-mal so viel wie die Fläche der Schweiz. Wenngleich die FAO für die letzten Jahre eine Verlangsamung der Entwaldung vermeldet, ist das Problem nicht gelöst. Alleine Afrika hat zwischen 2010 und 2015 2,8 Mio. ha verloren.
Unter dem Druck von Umweltorganisationen hat die Europäische Union im März 2013 die Holzhandelsverordnung EUTR (European Timber Regulation) in Kraft gesetzt, welche die Einfuhr illegal eingeschlagener Hölzer in die EU verbietet. Diese hat zwar den Handel beeinflusst, die Entwaldung in Afrika konnte sie aber nicht hemmen.
So stellten die Teilnehmer des ITTO-Forums im Herbst (Forstunternehmer, Industrielle, Händler, Investoren, Regierungsvertreter) fest: Die Anteile afrikanischer Hölzer am gesamten Rohholzhandel schrumpfen auf den europäischen Märkten, während die auf dem Weltmarkt gehandelten Volumen tropischer Rohhölzer stabil bleiben.
Die Anlieferungen in den europäischen Häfen ist in den letzten zehn Jahren von 1,3 Mio. m3 auf weniger als 200 000 m3 gesunken. Gesunken sind auch die Schnittholzimporte in die EU, auch wenn der Rückgang mit 42 % (zwischen 2004 und 2013) etwas weniger stark ausfiel als beim Rohholz. 2004 stammten noch 70 % der europäischen Holzimporte aus Afrika. Zehn Jahre später sind sie auf 22 % geschrumpft.
Die Chinesen füllen inzwischen die Nachfragelücke, welche die Europäer für den afrikanischen Holzabsatz hinterlassen haben. «China ist heute der weltweit wichtigste Importeur von Tropenholz, alle Herkünfte zusammengenommen», erklärt Rupert Oliver, profunder Kenner des internationalen Holzmarktes. Die Zahlen, die er auf dem ITTO-Forum präsentierte, sprechen für sich: 30 % der heute in China verbrauchten Hölzer stammen aus den Tropen.
Mehr als die Hälfte der afrikanischen Hölzer (55 %) werden heute ins Reich der Mitte geliefert; 2004 waren es noch 15 %. Nach Umsätzen haben sich die chinesischen Holzimporte aus Tropenländern während des letzten Jahrzehnts verdreifacht. Damit bestimmt China beim Tropenholz heute rund ein Drittel des gesamten nach Wert bemessenen Handelsvolumens.
Die EU, die mit der Einführung der EUTR die Entwaldung unter anderem in Afrika stoppen wollte, hat damit ihr Ziel verfehlt. Zudem akzeptieren die Europäer Holzimporte aus China mit zweifelhaften Herkunfts- und Legalitätsnachweisen. In der Tat ist es schwierig, die Holzherkünfte einer Sperrholzplatte nachzuweisen, die teils aus dem Holz eines afrikanischen Okume-Stamms gefertigt ist, welcher in China geschält und dann zusammen mit Holz aus Vietnam und anderen Teilen Asiens gepresst wurde. «Wir stellen uns ernsthafte Fragen bezüglich der Legalität solcher Tropenhölzer», sagt André de Boer vom Europäischen Holzhandelsverband FEBO.
Die Wälder im Kongobecken unter Schutz zu stellen, ist wegen der hohen Kosten, der Durchführbarkeit von Kontrollen und der politischen Instabilität in den betreffenden Ländern kaum denkbar. Vor allem weil meist die staatliche Autorität fehlt, kann der Waldbestand nur dort gesichert werden, wo Unternehmen die Konzessionen freiwillig nachhaltig bewirtschaften. Etwa 4,5 Mio. ha Wald sind heute FSC-zertifiziert, was allerdings nur 2 % der Waldfläche im Kongobecken entspricht.
Die Schweizer Firma Precious Woods ist eines der FSC-zertifizierten Forstunternehmen, das von sich behauptet, im Kongobecken nachhaltige Waldwirtschaft zu betreiben. Auf seiner Konzessionsfläche in Bambidie (Gabun) von 674 000 ha erntet es jährlich etwa 200 000 Festmeter (m3 ohne Zwischenräume) und verarbeitet diese in einer Schälfurnierfabrik in Libreville.
Die Holznutzung ist in den nach sozialverträglichen und nachhaltigen Kriterien bewirtschafteten Konzessionen jedoch teuer. Heute sind die «sauber» wirtschaftenden Firmen – vorwiegend aus Europa – gegenüber der gewissenlosen Konkurrenz aus Asien kaum noch wettbewerbsfähig. Den Umweltorganisationen stösst dies sauer auf. «Verantwortungsvolle Waldwirtschaft kann ein Mittel gegen Entwaldung sein. Leider bedroht aber die sinkende Nachfrage nach Tropenholz in Europa die nachhaltige Bewirtschaftung der Tropenwälder», sagt Mathieu Auger-Schwartzenberg, FSC-Koordinator für das Kongobecken.
Das Kongobecken ist ein Tieflandbecken im Zentrum Afrikas, welches das Einzugsgebiet des Kongo-Stromes umfasst. Im Gebiet am Äquator befindet sich laut Wikipedia ein Viertel des tropischen Regenwaldes. Es ist weltweit der zweitgrösste tropische Urwald.
Veröffentlichung: 02. Juni 2016 / Ausgabe 22/2016
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