Pauschalbüro vom Schreiner

Bild: KLS Müller AG Von der Lampe mit Bewegungssensor bis hin zum bequemen Bürostuhl stellt die Schreinerei alles Notwendige für den Büroalltag zur Verfügung.

Geschäftsmodell.  Eine Zürcher Schreinerei hat ein Konzept gesucht, wie sie nicht mehr benötigte Lagerflächen besser nutzen und interessante Geschäftsbeziehungen knüpfen kann. Dabei herausgekommen sind ansprechend ausgestattete Büroarbeitsplätze, die pauschal vermietet werden.

Ende der 60er-Jahre errichtete Josef Müller, Gründer der KLS Müller Schreinerei, ein neues Produktions- und Geschäftsgebäude in Wallisellen ZH. Auf vier Stockwerken wurden am neuen Standort an der Hertistrasse Produktion, Planung und Lagerflächen verteilt. Damals produzierte man noch viele Teile, wie zum Beispiel Büromöbelkorpusse, auf Lager.

Neues Standbein

Über 40 Jahre später produziert die Schreinerei mit einem modernen Maschinenpark just in time, wodurch weit weniger Lagerfläche benötigt wird. Ebenso verändert hat sich die Landschaft rund um die Schreinerei: Damals noch auf der grünen Wiese errichtet, befindet sich das Gebäude nun mitten in einer attraktiven Industrie- und Gewerbezone mit guter Verkehrsanbindung.

Mit «Meinbüro» ist die Schreinerei nun dabei, sich ein weiteres Standbein aufzubauen: Bis anhin vermietete sie einen Teil ihrer leer stehenden Lagerflächen in den zwei obersten Geschossen als Gewerberäume. «Irgendwie war das aber nicht so richtig zufriedenstellend», sagt Projektleiter Andreas Stalder. Man habe zwar schon Mieter gefunden. «Aber die vorangehenden Verhandlungen für die grossen Flächen und die Aufwände bei einem Wechsel waren jeweils verhältnismässig hoch.»

Büros sind nach wie vor gefragt

Also entschloss man sich vor zwei Jahren, eine umfassende Analyse durchzuführen. Ziel war es herauszufinden, wie diese Flächen effizienter und innovativer genutzt werden können. Dabei fand der Betrieb heraus, dass es immer mehr Single-Haushalte gibt und Homeoffice durchaus ein Thema ist. «Allerdings weiss man mittlerweile auch, dass viele Personen die meiste Arbeitszeit lieber in einem Büro verbringen. Einerseits, weil sie zu Hause einfach weniger effizient arbeiten, und andererseits, weil in einem Einzelhaushalt die sozialen Kontakte fehlen», erklärt Stalder. Hinzu kommt der Umstand, dass auch kleine Unternehmungen und Start-ups auf komplexe Infrastrukturen – sei es im IT-Bereich oder bei den Präsentationsräumen – angewiesen sind.

Komplettpaket mieten

Diesen Umständen will man mit dem Konzept von «Meinbüro» Rechnung tragen. Anstelle von grossen und nackten Büroflächen bietet die Schreinerei nun fertig eingerichtete Arbeitsplätze zum Fixpreis an. Zur Auswahl stehen vier verschiedene Angebote: Diese beginnen beim «Büro Basic», wo der Mieter für 750 Franken im Monat einen Arbeitsbereich mit Schreibtisch, Bürostuhl, abschliessbarem Stauraum, Web-Anschluss und Telefon erhält. Zudem kann der Mie- ter ein grosses Kopiergerät, einen modern ausgerüsteten Konferenzraum, einen Aufenthaltsraum mit Küche sowie Sanitäranlagen benutzen. Darin enthalten sind ausserdem Kaffee, Wasser und eine wöchentliche Reinigung.

Wer mehr Serviceleistungen beanspruchen möchte, kann für 850 Franken das «Büro Plus» und für 890 Franken das «Büro Pro» haben. Beim «Büro Extra» für 1150 Franken sind sämtliche Leistungen inbegriffen. Nebst den genannten Basisleistungen gehören dann eine Terminkoordination, Telefon-, Empfangs-, Post- und Sekretariatsservice dazu.

Neue Kundenkreise

Das gibt es ja schon lange, wird sich jetzt der eine oder andere denken. Tatsächlich sind ähnliche Angebote in Form von Businessparks oder Gewerbezentren nichts Neues. Was also verspricht sich die Schreinerei von diesem Unterfangen? «Nebst der Vermietung unserer Flächen bietet das Konzept viele Möglichkeiten, um sich zu vernetzen und neue Kundenkreise zu erschliessen», erzählt Stalder. So gebe es kaum ein Gespräch mit Interessenten für ein Büro, bei dem man nicht auf die Schreinerei oder die Themen Küchen, Badezimmer und Möbel zu sprechen komme.

Der Büroinnenausbau dient dabei gleich als Referenz: Die KLS Müller AG hat den gesamten Umbau selber geplant und umgesetzt. Die Räumlichkeiten im dritten Stock sind deshalb weit entfernt von den üblichen, mit Standardkomponenten ausgerüsteten Büros. Als Bodenbelag wählte man ein rustikales Eichenparkett. Schränke, Regale und Tische zeigen sich in angenehmen Grün- und Grautönen. Das Material des Bodenbelages wird auf verschiedenen Möbelflächen wieder aufgegriffen.

Teilen ja, aber

Jeweils vier Arbeitsplätze sind in einem Raum zusammengefasst. Die einzelnen Räume lassen sich durch Schiebetüren mit Glasfüllung vom Aufenthaltsbereich und untereinander abtrennen. Das Konzept sieht in der ersten Ausbauetappe bewusst keine Einzelbüros vor. Damit will man die erwähnten sozialen Kontakte fördern. «Es ist bekannt, dass man in kleinen Gruppen innert kurzer Zeit voneinander profitieren kann. Zum Beispiel, wenn die eine Person sehr gut Telefongespräche führen kann, adaptiert das Gegenüber dies und verbessert sich in dem Bereich», erklärt Andreas Stalder.

Ein gewisses Mass am Teilen ist also durchaus gefragt. Aber offenbar stösst das sogenannte «Sharing» am Arbeitsplatz, wie es einige Grosskonzerne eingeführt haben und die Mitarbeiter keinen eigenen Schreibtisch mehr haben, an seine Grenzen. «Man will ja auch mal etwas auf dem Tisch liegen lassen können, weil man es am nächsten Tag ohnehin wieder benötigt», sagt Stalder dazu.

Neue Stelle für Serviceleistungen

Bleibt noch die Frage, inwiefern das neue Angebot die Abläufe in der Schreinerei tangiert. Gemäss Stalder tut es dies eigentlich kaum. Zu Beginn, wenn noch nicht alle Arbeitsplätze vermietet sind, werden die Serviceleistungen durch den Empfang der Schreinerei sichergestellt. «Das ist ideal, um die ersten Erfahrungen zu sammeln.» Erst später, wenn ein Grossteil der Büros besetzt sind, wird eine zusätzliche Stelle ausschliesslich für diesen Bereich geschaffen. Dann soll auch die zweite Ausbauetappe im zweiten Stock abgeschlossen sein. In diesem sind sechs Einzelbüros mit einer Fläche von 11 bis 16 m2 vorgesehen, die ab 1250 Franken pro Monat zu haben sind.

www.meinbuero.orgwww.klsm.ch

ph

Veröffentlichung: 21. Mai 2015 / Ausgabe 21/2015

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