Gründer fallen nicht vom Himmel

Als Meilenstein sieht Markus Spicher die Anstellung seines ersten Mitarbeiters. Bild: Schreinerei Spicher AG

FirmenAnfänge.  Auch etablierte Schreinereien haben einst klein angefangen. Drei Gründer, die heute noch am Ruder sind, erzählen, wie alles begann: Idealismus, Mut, grosser Arbeitseinsatz und das viel zitierte Glück gehörten dazu. Rückblickend ergab sich oft eins aus dem andern.

Xaver Kaufmann startet den Tag mit einem Rundgang durch seinen Betrieb. So informiert er sich über aktuelle Arbeiten und tauscht sich mit den Mitarbeitenden aus. «Diese tragen wesentlich zum Erfolg des Unternehmens bei», sagt der Geschäftsführer von Kawa-Design im luzernischen Wauwil. Ein Vierteljahrhundert besteht die Firma mit 29 Mitarbeitenden am Markt. Der Anfang in den 90er-Jahren war aber schwierig, zumal Kaufmann keinen «Götti» hatte, der ihm das Kapital zur Verfügung stellte.

«Man muss der eigenen Philosophie treu bleiben und darf bei Gegenwind nicht gleich umkehren.»

XAVER KAUFMANN, KAWA-DESIGN AG

Doch es fanden sich andere Gründungspfeiler. In Sachen Finanzen spannte Kaufmann mit seinem Bruder, Unternehmensberater und Treuhänder, zusammen. Dieser engagierte sich als Mitaktionär und lieferte das Know-how für einen überzeugenden Businessplan. Eine Regionalbank stellte das erforderliche Fremdkapital zur Verfügung. «Für unsere damaligen Verhältnisse war es erheblich.» Doch der Wunsch nach beruflicher Selbständigkeit des 29-Jährigen war gross. Sein Vater, Schreiner-Vorarbeiter in der Schreinerei Hans Felber in Wauwil, führte ihn zum Beruf hin, war gar sein Lehrmeister. Xaver Kaufmanns «Meisterprüfung» folgte auf dem Fuss. Er startete in gemieteten Räumen einer Schreinerei. Deren Maschinenpark und Materiallager hatte er gekauft. Doch die Kundschaft konnte er nicht, wie erhofft, übernehmen. Womit also Kunden gewinnen?

«Was für ein Produkt nützt dem Kunden und stellt einen Mehrwert dar?» Diese Frage war und ist der Ansporn für das Schaffen Kaufmanns. Seine Antwort: ein Gesamtkonzept für den Innenausbau. Freilich entwickelten sich seine Produkte und Dienstleistungen mit den Jahren nach den Kundenbedürfnissen. Entscheidend ist für den Geschäftsführer aber auch das Festhalten am gefassten Entschluss.

Eine gute betriebliche Basis schufen anfangs die Piatti-Regionalvertretung für Kücheneinrichtungen, der Innenausbau für Privatkunden, Schreinerarbeiten sowie der Status als Zulieferant für Hotellerie und Ladenbau. Nach drei Betriebserweiterungen sagt Kaufmann: «Jede Zeit bietet Chancen und bringt Risiken mit sich.» Gute Mitarbeiter, passende Produktionsräume, Marktanalysen, ein zeitgemässes Marketing und kreative Köpfe hält er für unerlässlich.

«Ich habe mich aufgrund der sehr guten Nachfrage spontan entschlossen, eine Firma zu gründen.»

MARTIN REUT, SCHREINEREI REUT

Sehr verschieden verliefen die Gründerjahre der Schreinerei Reut in Mauren TG. Eher zufällig fand der Schreiner und Geschäftsführer Martin Reut zu seiner eigenen Firma. Nach seiner Lehrzeit in den 70er-Jahren wollte er 1980 eine dreimonatige Arbeitspause einlegen, um einem Bekannten beim Umbau zu helfen. Doch sein damaliger Arbeitgeber verweigerte diese. Er kündigte und erhielt laufend grössere und kleinere Aufträge von Kunden. Diese Entwicklung verdankte er wohl dem Umstand, dass im Dorf ein Bedarf bestand. «Es gab sonst nur einen Wagner, der vom Schreinern nicht so viel verstand.» Aus heutiger Sicht sei der Schritt in die Selbständigkeit mutig gewesen, er würde ihn so niemandem mehr empfehlen, denn heute könne man gar nicht mehr klein anfangen. «Leistungs- und Preisdruck sind viel grösser als damals.»

Zwar ist Reut froh, dass er damals die Gunst der Stunde nutzte und seinen Ein-Mann-Betrieb gründete. Aber ein Wermutstropfen bleibt. Einmal als Geschäftsführer gestartet, ergab sich für ihn nie mehr ein Zeitfenster zur Meisterausbildung. Sicher habe er sich vieles im Lauf der Jahre berufsbegleitend selbst erarbeiten können, doch manches Wissen fehle. Aber er bereut den Schritt zur Firmengründung keineswegs.

Die Standardmaschinen kaufte er bereits während seiner Lehre und danach als Occasionen. «Die geringen Fixkosten erleichterten den Anfang», sagt Reut. Und er habe davon profitieren können, dass er im Dorf gut verwurzelt war. Auch in Sachen Administration gab es Unterstützung: Zu Beginn half seine Schwester, später seine Frau.

Voller Freude und Energie habe er sich für seinen Betrieb eingesetzt, sagt er. Bald konnte ein Schreiner eingestellt werden. Aufgrund der guten Nachfrage wurde die Scheune rasch zu klein. Die Eltern stellten ihm ein Stück Land zur Bebauung zur Verfügung. Drei Jahre nach der Gründung bezog er den ersten Neubau. Nach Werkstatt- und Lagererweiterung folgte der jüngste Neubau im Jahr 2007. Rund 35 Jahre besteht sein Betrieb mit zehn bis zwölf Mitarbeitenden, davon vier Lernenden. Die Firma soll in dieser Grösse weitergeführt werden. Der mittlere Sohn arbeitet seit vier Jahren als CNC-Maschinist im Betrieb und schickt sich an, mittelfristig in die väterlichen Fussstapfen zu treten.

«Durch den Start auf sehr bescheidenem Niveau gab es keine Durststrecke, sondern viel Freiheit.»

MARKUS SPICHER, SCHREINEREI SPICHER AG

Bei Markus Spicher, Geschäftsführer der gleichnamigen Schreinerei in Brugg AG, wiegt die Freude an der Arbeit und die Selbstbestimmtheit den grossen Einsatz auf. Sein Betrieb besteht seit mehr als 30 Jahren. Begonnen hat alles im Jahr 1981. Der frischgebackene Geselle gründete, damals 20-jährig, seinen Ein-Mann-Betrieb. In einer ehemaligen Velowerkstatt fanden die ersten Kleinmaschinen Platz, teilweise hatte er sie selbst gebaut. Sein Maschinenpark umfasste eine kleine Bandsäge, eine Drechselbank, einen Tellerschleifer und eine Hobelmaschine. «Das wars», sagt der Geschäftsführer des Unternehmens mit mittlerweile 15 Angestellten und drei Lenenden. Das väterliche Startkapital betrug seinerzeit gerade mal 500 Franken. «Strategische Überlegungen machte ich mir keine. Dass unser Betrieb mit den Jahren immer grösser wurde, ergab sich einfach so», sagt Spicher. Dazu trug seine schweizweite Messepräsenz bei, diese erhöhte die überregionale Bekanntheit. Und das Produktsortiment erweiterte sich durch den familiären Bedarf und in Zusammenarbeit mit Kunden. Seinem Vorsatz, keine Schulden zu machen, blieb er treu.

Drei Jahre nach Firmengründung konnte der erste Mitarbeiter eingestellt werden – ein Meilenstein. Später wurde der erste Mitarbeiter zum Kompagnon.

Nach sechs Jahren Selbständigkeit holte Markus Spicher sein Gesellenjahr nach und zog auf Wanderschaft durch die Schweiz. Bevor das akutelle Gebäude bezogen wurde, hatte sich der Betrieb auf drei kleinere Standorte verteilt. Jedes Jahr konnten ein, zwei Mitarbeiter eingestellt werden. «Ich wüsste nicht, was ich anders hätte machen sollen. Ich glaube, es hat so gepasst und auch immer viel Freude gemacht.»

www.kawa-design.chwww.reut-schreinerei.chwww.spicher.ch

MZ

Veröffentlichung: 24. Dezember 2015 / Ausgabe 52-53/2015

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