Ein Erlebnis muss nicht teuer sein

Wer hat bei diesem Firmenausflug wen im Griff? Lamatrekking der Schreinerei Schläppi. Bild: Schreinerei Schläppi

Firmenausflüge.  Es gibt unendlich viele Möglichkeiten und doch keine, die richtig passt. Wohin es gehen soll, wenn in der Schreinerei für einen Tag die Maschinen stillstehen und die ganze Belegschaft auf Betriebsreise geht, ist nicht immer einfach zu entscheiden.

Gleich von Beginn an versuchten die Lamas, den Ton anzugeben. Für Michael Schläppi und seine zehn Mitarbeitenden war der Umgang mit den charakterstarken, zum Teil sturen Paarhufern Neuland. «Als wir uns für den Firmenausflug mit Lamas entschieden, wussten wir nicht, worauf wir uns einlassen würden», sagt der Inhaber der Schläppi Innenausbau GmbH in Lenk BE. Die Wanderung mit den Tieren war für alle eine ungewohnte Erfahrung. Für zusätzliche Unterhaltung während des Ausflugs sorgten zwei Wettkämpfe. Mit der Zweimannsäge mussten die Gruppen Rundholz zuschneiden, mit Axt und Keil möglichst viele Holzstücke spalten.

Ein Zeichen der Wertschätzung

Organisiert wurde der Betriebsausflug von Hugo Frieden, der als freier Mitarbeiter bei Michael Schläppi arbeitet und daneben Lamatrekking-Ausflüge im oberen Simmental anbietet. «Mein Team hat diesen Ausflug mit seiner familiären Atmosphäre sehr geschätzt und genossen», sagt Schläppi. Seit drei Jahren steht in seinem Betrieb regelmässig ein Firmenausflug auf dem Programm. Im Zentrum stehen Aktivitäten, die Spass machen und den Teamgeist fördern. «Ich bin überzeugt, dass solche gemeinsamen Ausflüge den Zusammenhalt stärken», sagt Schläppi. Wohin es dieses Jahr gehen soll, ist derzeit noch offen. Gute Ideen seien willkommen, sagt er und lacht.

Lukas Bregenzer von der Agentur Swiss Local Travel GmbH in Sursee LU hat keinen Mangel an guten Ideen für Firmenausflüge. Das Unternehmen hat sich auf die Organisation von Firmenerlebnissen spezialisiert. «Der Firmenausflug ist ein Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung gegenüber den Angestellten», sagt Bregenzer. Er könne etwa mit der Auszahlung eines Bonus verglichen werden. Die grösste Herausforderung, einen Firmenausflug zu organisieren, liegt für Bregenzer nicht unbedingt bei der Wahl des Ausflugsziels. Aufwendiger und zum Teil nervenaufreibender seien das Finden eines passenden Termins, die Information der Mitarbeitenden und das Administrative, von der Ausschreibung bis zur Anmeldung. «Die Teilnehmerzahl hat einen wesentlichen Einfluss auf das Budget. Und dieses wiederum bestimmt den finanziellen Spielraum bei der Wahl des Reiseziels.»

Budgets wurden stark gekürzt

Die Frage, wohin es mit dem Team oder der ganzen Belegschaft gehen soll, kann dennoch für sich allein schon eine Knacknuss sein. Wie überall gilt auch hier: Man kann es nie allen recht machen. Schon gar nicht, wenn die Zusammensetzung des Teams heterogen ist und die Vorstellungen weit auseinander gehen. Bregenzer rät: «Wer sich im Klaren ist, welche Ziele mit dem Firmenanlass verbunden sind, hat bereits wertvolle Vorarbeit geleistet.» Dann gelte es, den Ausflugsort festzulegen, die Gruppengrösse und den finanziellen Spielraum zu bestimmen. «Vor fünf bis zehn Jahren stand in den meisten Betrieben ein Budget von 200 bis 400 Franken pro Mitarbeiterin oder Mitarbeiter zur Verfügung», sagt Bregenzer. Das sei heute anders: «Mittlerweile schauen die Firmen mehr aufs Geld. Meist bewegt sich das Budget um die 100 Franken pro Mitarbeiter.» Entsprechend schwierig sei die Programmgestaltung. Oft stehe das gemeinsame Essen im Zentrum. Darum herum könne ein Rahmenprogramm geplant werden, das für Abwechslung und Unterhaltung sorge. Manchmal wünschten sich die Vorgesetzten aber nicht nur Spass und Unterhaltung, sondern auch einen Mehrwert, wie etwa die Förderung des Teamgeists oder eine Horizonterweiterung für die Angestellten. Für Bregenzer ist grundsätzlich klar: «Der Firmenausflug muss vor allem spannend und unterhaltsam sein.»

Es braucht nicht unbedingt ein aufwendiges und besonders kostspieliges Programm, damit der Firmenausflug zum Erfolg wird. Meistens reicht neben dem gemeinsamen Essen ein kleines, unterhaltsames Programm. Beliebt sind Teamkochevents in einem besonderen Ambiente oder gar im Freien. Auch Stadtführungen oder Besichtigungen von Betrieben schonen das Budget. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass bei Firmenführungen der Unterhaltungswert manchmal nicht sehr hoch ist.

Intarsien und Instrumente

Schön ist natürlich, wenn der Ausflug den Geschmack der «Hölzigen» trifft. Im Kloster Engelberg OW beispielsweise könnten das Tugendzimmer mit filigranen Intarsien von Bruder Columban Louis sowie die Klosterschreinerei von Interesse sein. Nahtlos verlängern lässt sich der Besuch der Klosterschreinerei in Fischingen TG, denn gleich daneben befindet sich seit Kurzem eine Brauerei, die Bierspezialitäten nach klösterlichen Rezepten braut. Für Essen in einem besonderen Rahmen ist das 117 Quadratmeter grosse Baumhaus von Urs Amrein in Hildisrieden LU eine Möglichkeit. Das Haus entstand in Zusammenarbeit mit Baumfachleuten der ETH Zürich.

Brienz BE ist das Mekka für Holzkunst und damit für Schreiner ein geeignetes Ausflugsziel. Das Schweizer Holzbildhauerei-Museum etwa bietet Führungen für Gruppen an. Es zeigt bedeutende Brienzer Holzkunstwerke und gibt einen Einblick in die Geschichte dahinter. Gleich in der Nähe befindet sich die Geigenbauschule Brienz. Führungen durch die einzige Schweizer Fachschule für Geigenbau bringen den Besuchern das Handwerk näher.

Musik und Holz stehen auch in der Alphornwerkstatt der Familie Tschiemer im berneroberländischen Bergdorf Habkern im Zentrum. Die Alphornbauer lassen sich gerne über die Schultern schauen und erklären den Prozess, vom Baumstamm bis zum spielfertigen Nationalinstrument.

Gehölze aus der ganzen Welt

Die grösste Gehölzsammlung der Schweiz befindet sich im Nationalen Arboretum in Aubonne VD. Bäume und Sträucher aus der ganzen Welt wachsen im grossräumigen Park, durch den ein Wildbach fliesst. Auf Wunsch werden Führungen durch den Park wie auch durch das Holzmuseum mit mehr als 1500 Gegenständen für die Holzbearbeitung organisiert. Dieses Jahr hat der Konservator eine Ausstellung rund um Authier-Skis von 1919 bis 1990 zusammengestellt.

Mit ihrer Vielzahl an innovativen und weltweit bekannten Unternehmen ist die Berner Region Oberaargau einzigartig im Bereich des Designs. Die letztes Jahr lancierte «Designtour Langenthal» gewährt bei fünf Firmen spannende Einblicke in die Entwicklung und Fertigung der Designprodukte, die seit über 120 Jahren in Langenthal und Bützberg hergestellt werden.

www.lama-und-co.chwww.swisslocaltravel.chwww.kloster-engelberg.chwww.klosterfischingen.chwww.baumhaustraum.chwww.museum-holzbildhauerei.chwww.geigenbauschule.chwww.bernatone.chwww.arboretum.chwww.designtour.ch

fm

Veröffentlichung: 18. Juni 2015 / Ausgabe 25/2015

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