Das Produkt anfassen können

Björn Ischi auf der Sway Bench, einer Zusammenarbeit mit Nicola Pfeiffer von der Schreinerei Blunic. Bilder: Fotoboutique Gerber

Marketing.  An Messen und im Direktkontakt fällt gelegentlich auf, dass Schreiner ihr Licht unter den Scheffel stellen und ihre fraglos hochwertigen Produkte zu wenig gut vermarkten. Der Designer Björn Ischi erklärt im Interview, wie Schreinerbetriebe noch näher am Kunden sein können.

SchreinerZeitung: Was ist der Kern Ihrer Arbeit? Wie sieht die Zusammenarbeit mit Ihren Kunden aus?

Björn Ischi: Ich entwerfe Produkte und Verpackungen im Auftrag von Unternehmen. Dabei ist mir aufgefallen, dass gerade KMU oft hervorragende Produkte herstellen, aber selbst nicht erkennen, wie man diese mit wenig Aufwand verbessern oder mit demselben Maschinenpark ganz neue, attraktive Produkte erschaffen könnte. Vor lauter Arbeit und dem Ziel, eine Produktion rentabel zu betreiben, geht manchmal der Blick nach links und rechts vergessen. Werde ich beigezogen, setze ich an diesem Punkt an. Und selbstverständlich entwerfe ich nicht einfach Designs um der Schönheit Willen. Sie müssen zum Auftraggeber passen, sich in Massen herstellen lassen, dem Kunden einen Mehrwert bieten und sich verkaufen. Mein Credo: Ich will das Rad nicht neu erfinden, es aber runder machen.

Sie arbeiten häufig mit Schreinern zusammen und haben bereits einige preisgekrönte Produkte entwickelt. Können Sie uns Beispiele für solche Partnerschaften geben?

Mit einem kleinen Drechslereibetrieb in Thun, der Bruni AG, haben wir formschöne Salz- und Pfefferstreuer entwickelt. Das Design sorgt für Aufsehen und kommt bei den Kunden gut an. Das Beispiel zeigt auch, dass es manchmal gar nicht viel braucht, um traditionelles Handwerk nach vorne zu bringen. Ein weiteres Beispiel ist die Schaukelbank Sway Bench, die ich zusammen mit der Lysser Schreinerei Blunic von Nicola Pfeiffer erarbeitet habe. Ich wollte eine bequeme Bank aus Massivholz kreieren, die zum Schaukeln einlädt. Auf die Massivholzarbeiten von Nicola Pfeiffer stiess ich zufällig. Nach dem ersten Treffen erarbeiteten wir mehrere Prototypen, später entwickelte sich daraus unser jetziges Vorzeigestück aus Nussbaumholz. Aktuell sind wir beide präsent auf Messen, um potenzielle Kunden anzusprechen. Das Echo ist vielversprechend. Die massive Bank aus Nussbaumholz kann im Prinzip ab sofort in Produktion gehen.

Wo sehen Sie Ihre Funktion, um Schreiner zu unterstützen?

Oft bringe ich – nebst Designvorschlägen – eine neue Idee ein, die der Schreiner als Fachmann dann umsetzt. Manchmal entsteht die Idee aber auch beim Schreiner, während des Prozesses. Als ich mit einem Berner Schreiner ein Sofa entwarf, schwebte mir vor, dass keine Schrauben zu sehen sein sollten. Zusammen entwickelten wir in der Folge ein raffiniertes Stecksystem. Das Sofa verkauft sich sehr gut und, fast noch erfreulicher für mich, der Schreiner wendet das Stecksystem jetzt auch beim Küchenbau an. So geht die Geschichte immer weiter …

Was sollten Unternehmen, die mit Ihnen arbeiten, mitbringen?

Wichtig ist eine gewisse Offenheit, althergebrachte Prozesse und Arbeitsweisen zu hinterfragen. Ich versuche auch, die Mitarbeiter ins Projekt zu involvieren. Das fördert einerseits die Motivation und andererseits oft auch die Entwicklung weiterer, interner Ideen.

Sie arbeiten gerne als Vernetzer, der Leute zusammenbringt. Richtig?

Ja, es ist mir ein Anliegen, Profis aus verschiedenen Bereichen zusammenzubringen. Das ist übrigens ein Punkt, der in KMU oft vergessen geht: Zusammen ist man stärker und erschafft Dinge, die allein unmöglich sind. So konnte ich zum Beispiel den Schreiner Nicola Pfeiffer (Blunic), mit dem ich die Sway Bench erarbeitete, dafür begeistern, filigran wirkende Tischbeine aus Tannenholz für eine nur acht Millimeter dünne Tischplatte aus Beton zu fertigen. Auf diese Weise entstand ein erfreuliches Zusammenspiel zwischen dem Betonspezialisten Creabeton Matériaux AG, dem Holzfachmann Nicola Pfeiffer und mir. Ich mag es generell, Leute, mit denen ich erfolgreich zusammenarbeite, für andere Projekte zu empfehlen oder erneut beizuziehen.

Als Designer sind Sie ein fleissiger Messebesucher. Haben Sie Tipps, was Schreinerbetriebe am Messestand beherzigen sollten?

An Messen fällt mir oft auf, dass Vertreter kleinerer Unternehmen es nicht so gewohnt sind, sich zu verkaufen, um mit potenziellen Kunden ins Gespräch zu kommen. Für solche Fälle ist es optimal, wenn man ein auffälliges Produkt – idealerweise mit einem Mehrwert – für sich sprechen lässt: Zum Beispiel ein Büromöbel, das Schall schluckt und somit weitere Schallschutzmassnahmen unnötig macht. Zentral ist: Der Kunde will das Produkt anfassen können und dabei ein gutes Gefühl empfinden. Mein Ziel als Designer ist immer auch eine gute Geschichte, eine Emotionalisierung des Produkts. Deshalb haben wir für den Drechslerbetrieb Bruni den Produktionsprozess bebildert und diesen so für potenzielle Kunden erlebbar gemacht. Das scheint mir ein guter Weg zu sein, um bereits gu- te Produkte erfolgreicher vermarkten zu können.

www.bjoern-ischi.ch

Zur Person

Björn Ischi ist selbstständiger Industrie- und Produktdesigner und führt seit drei Jahren das Unternehmen Designform in Lyss. Er entwirft unter ande- rem Möbel, Haushaltsgeräte, Medizinprodukte, Uhren und Verpackungen und berät Unternehmen, die ihre Produkte optimieren oder neue Produkte lancieren möchten.

CB

Veröffentlichung: 20. April 2017 / Ausgabe 16/2017

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