Bubentraum am Baum

Der Prototyp der JungunternehmerLuc Jaggi und Florian Jampen befindet sich im bernischen Suberg-Grossaffoltern. Bilder: Christian Bärtschi

Baumhäuser.  Zwei Jungunternehmer bieten ab Juli professionell erstellte Baumhäuser für den Garten an – oder für das eigene Stück Wald, so man denn eins hat. Ein Prototyp ist bereits erstellt, die Gründung einer GmbH geplant, und die beiden jungen Männer arbeiten mit vollem Einsatz an der Erfüllung ihres Traums.

Die stabile Leiter hochklettern, die Holzklappe öffnen und schliessen – und schon guckt man aus dem heimeligen Baumhaus durch zwei Fenster hinaus in den Wald.

Ein prächtiges Kinderversteck, das förmlich dazu einlädt, Gruselgeschichten zu erzählen, mitgebrachte Chips und Süssigkeiten zu essen und die Erwachsenenwelt vollkommen zu vergessen. Ein Traum für jedes Kind. Und genau dieser soll dank der Idee von Luc Jaggi und Florian Jampen Realität werden. Jaggi befindet sich im letzten Jahr seiner Lehre zum Schreiner, Jampen studiert Betriebswirtschaft und hat ebenfalls noch ein Jahr Ausbildung vor sich. Danach soll es definitiv so richtig losgehen mit ihrem Start-up. Die Idee dazu entstand, weil auch Jaggi als Kind den Traum vom eigenen Baumhaus hatte, ihn aber nicht verwirklichen konnte, weil seine Eltern die notwendigen handwerklichen Fähigkeiten nicht hatten und weil die Kosten für einen externen Fachmann zu hoch gewesen wären. «Bereits damals habe ich festgestellt, dass das Wissen über Baumhäuser auch bei Zimmermännern und Schreinern nicht zwingend vorhanden war, und dass ein solches Baumhaus fast unbezahlbar gewesen wäre.» Als der Schreinerlehrling für seine Vertiefungsarbeit ein Thema benötigte, war dieses rasch bestimmt. Und so entstand, mithilfe zweier Schreinerkollegen aus der Berufsschule, der heutige Prototyp, der an einem Waldrand im bernischen Suberg-Grossaffoltern steht. Natürlich gingen die Arbeiten erst los, als der Waldbesitzer und der zuständige Förster dem Projekt grünes Licht erteilt hatten. Parallel zur Vertiefungsarbeit begann auch die Zusammenarbeit mit Florian Jampen: Die beiden Geschäftspartner lernten sich am Start-up-Weekend Bern 2015 kennen.

Drei Angebote fürs eigene Baumhaus

Die beiden Jungunternehmer bieten drei verschiedene Leistungspakete auf dem Weg zum eigenen Baumhaus an. Für 6900 Franken erstellen sie ein fixfertiges Standard-Baumhaus im Garten oder auf dem Grundstück des Kunden. Vorausgesetzt wird ein tragfähiger, gesunder Baum. Eine Baubewilligung braucht das Baumhaus – zumindest im Kanton Bern – nicht, da es mit seiner Grundfläche von vier Quadratmetern unter der bewilligungspflichtigen Grösse bleibt. Die Unternehmer klären auch ab, ob der Garten in einer Bauzone liegt, in der der Bau eines Baumhauses überhaupt erlaubt ist. Für Interessenten, die gerne selbst zu Hammer und Säge greifen, errichten sie auch bloss eine massive, sichere Plattform für ein Baumhaus – für 3900 Franken. Das Baumhaus entsteht in so einem Fall im Eigenbau und soll eine bleibende Erinnerung für Eltern und Kinder ermöglichen. Für handwerklich sehr begabte Eltern ist das dritte Angebot: Hier liefern Jampen und Jaggi nur den Bauplan für ihr erprobtes Baumhaus – zum Preis von 350 Franken.

Nachhaltigkeit und technische Finessen

Eine solide Leiter hinauf zum Baumhaus macht den Anfang, doch was gibt es zum Material und zur Bauweise zu sagen? Der angehende Schreiner erklärt: «Die Stützen der Plattform bestehen aus unbehandeltem Lärchenholz, welches sehr witterungsbeständig ist.» Es habe sich aber mittlerweile bei einem anderen Projekt gezeigt, dass sich auch das günstigere Fichtenholz eigne, da die Stützen vor Regen geschützt sind. Die Fassade des Baumhauses wird aus sogenannten Schwartenbrettern aus Schweizer Fichtenholz gefertigt. Das «Abfallprodukt», das beim Sägen von Baumstämmen entsteht, bietet mehrere Vorteile: «Ein Pluspunkt ist der Preis», sagt Jaggi. «Und da es sich um Holz nahe der Rinde handelt, profitieren wir zudem von einem natürlichen Schutz vor Witterungseinflüssen und vor Schädlingen.» Ausserdem, ergänzt Jampen, erhalte das Baumhaus dadurch eine unverwechselbare Optik, die zu einem solchen Bauwerk passe und nicht nach Massenware aussehe. Auch auf andere Details ihres Prototyps sind die beiden Männer stolz: Die eigens in Zusammenarbeit mit einem Statiker entwickelte Befestigung des Baumhauses mittels Stützbalken und gespannten Stahlseilen hat den Vorteil, dass keine Schrauben oder Nägel in den Stamm getrieben werden und der Baum so nicht verletzt wird. Damit habe man auch ein Anliegen der künftigen Baumhausbesitzer aufgenommen. Die Befestigungsart eignet sich übrigens auch für Baumstämme, die nicht besonders gerade gewachsen sind, da sich die Winkel der Stützen leicht entsprechend ausrichten lassen.

Mit viel Schwung in die Zukunft

Die beiden Jungunternehmer haben von Besitzern eines Baumhauses, die es nicht mehr benötigten, die Teile übernehmen können. Daraus soll an anderer Stelle schon bald das zweite Baumhaus errichtet werden. Da beide noch in der Ausbildung sind, können sie im nächsten Jahr maximal vier weitere Aufträge für Baumhäuser ausführen. Doch nach dem Abschluss ihrer Ausbildung möchten die zwei dann wesentlich mehr Baumhäuser bauen und damit Kindern und Familien Freude bereiten.

Doch nicht nur Kinder in der Schweiz sollen von den Baumhäusern profitieren: Ein Teil des Nettoerlöses aus jedem erfolgreich abgeschlossenen Projekt kommt der Stiftung JAM zugute, welche sich für humanitäre Projekte in Afrika einsetzt.

Eine Idee mit Potenzial

Das Kapital für ihr junges Unternehmen beschaffen die zwei Baumhausprofis zurzeit auf einer Crowdfounding-Plattform.

Mit dem Geld wollen sie unter anderem die Gründung einer GmbH finanzieren, Startkapital für Materialien und Produktion beschaffen, zwei weitere Prototypen erstellen sowie Werbung schalten. Als Fernziel würden die Jungunternehmer später auch gerne Personal anstellen. Dass ihre Idee durchaus Potenzial hat, bewies der Berner Business Creation Wettbewerb 2017, wo das Projekt die Top 5 erreichte und die Auszeichnung «Best Idea» erhielt.

www.meinbaumhaus.ch

Zu den Personen

Luc Jaggi (19, links) lebt in Grossaffoltern und absolviert das letzte Jahr seiner Schreinerlehre im Betrieb «mais en bois! schreiner ag» in Suberg. Der 20-jährige Florian Jampen studiert an der Universität Bern Betriebswirtschaftslehre. Er hat noch zwei Semester bis zum Studienabschluss vor sich und wohnt in Huttwil.

cb

Veröffentlichung: 08. Juni 2017 / Ausgabe 23/2017

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