Auch Macher lassen machen


Lösungsmittelfreier Lack wird aufs Holz aufgetragen. Im gleichen Durchgang wird auch getrocknet und gehärtet. Bild: Zurbuchen Möbel AG
Lösungsmittelfreier Lack wird aufs Holz aufgetragen. Im gleichen Durchgang wird auch getrocknet und gehärtet. Bild: Zurbuchen Möbel AG
Fremdvergabe. Wegen der Spezialisierung in der Branche und des starken Preisdrucks sind immer weniger Schreinereien in der Lage, alle Arbeiten selbst abzuwickeln. Der Ankauf verschiedener Dienstleistungen von anderen Betrieben kann ein Weg sein, um im harten Markt zu bestehen.
Die Anforderungen an Schreinereien wachsen ständig. Wie also angesichts der fallenden Preise im Markt bestehen? Der Ankauf von Dienstleistungen erweist sich für bestimmte Bereiche als zukunftsweisend. Doch Fachleute fürchten auch, auf diese Weise die eigene Wertschöpfung zu verlieren. Ob Visualisierungen, digitale Datenverarbeitung, CNC-Bearbeitung oder Beschichtung: Wo lohnt sich eine externe Vergabe der Arbeiten, wo eher nicht?
Jakob Koster, Geschäftsinhaber der Koster AG Holzwelten in St. Gallen, vergibt vor allem Grossaufträge für Farblackierungen, vereinzelt auch für Furnier- und Belegearbeiten. «Bevor wir einen grösseren Auftrag annehmen, besprechen wir mit unseren Geschäftspartnern den Arbeitsaufwand», sagt Koster. Die Absprachen seien wichtig, um Termine einzuhalten und Qualitätsan-sprüche abzuklären. «Denn bei einer Fremdvergabe schwingt ein Risiko mit.» Trotzdem setzen inzwischen viele Schreinereien auf den Ankauf von Leistungen. «Gegenseitiges Vertrauen und fachliche Kompetenz sind ebenso wichtig wie eine übereinstimmende Philosophie der beteiligten Betriebe», sagt Koster. Mit der Schreinerei Zurbuchen im thurgauischen Amlikon besteht seit fünf Jahren eine Zusammenarbeit im Bereich Oberflächenbearbeitung. Die Qualität habe nie zu Beanstandungen geführt, sagt Koster. «Eine absolute Win-Win-Situation.» Dadurch könne die Koster AG auch grosse Aufträge bewältigen. Und für die Schreinerei Zurbuchen ergebe sich eine gute Auslastung ihrer Anlagen.
Koster erkennt eine steigende Tendenz beim Zukauf von Dienstleistungen. «Wir müssen einsehen, dass sich nicht jede Schreinerei für jeden Arbeitsschritt industrielle Anlagen leisten kann.» Eine hohe Fertigungsgeschwindigkeit, komplexere Planungsaufgaben, steigende Ansprüche an die Qualität und fallende Preise verlangten nach dieser geschäftlichen Orientierung. Auch die gegenseitige Auslastung industrieller Anlagen mache viel Sinn. Folglich möchte Koster künftig vermehrt projektbezogene Arbeitsgemeinschaften bilden.
Die Zurbuchen AG bietet seit 40 Jahren Oberflächenbehandlungen für die Schrei-nerbranche an, speziell auch UV-Lackierungen. Oft herrschten bei der Kalkulation Unsicherheiten betreffend Kosten für die Oberflächenbearbeitung, sagt Betriebsleiter Christoph Zurbuchen. Er rät seinen Kunden, bereits in der Planungsphase die Ansprüche an ein Produkt abzuklären und bei der Kalkulation zu berücksichtigen. Denn oft würden die Arbeiten zu knapp kalkuliert, das Ergebnis falle entsprechend unbefriedigend aus. Bei Oberflächen ist ebenfalls sehr wichtig, dass die vorangegangenen Arbeiten gut ausgeführt worden sind.
Die Zurbuchen AG erledigt daher auch vorge- lagerte Arbeitsschritte wie Furnierzuschnitt, Furnieren und CNC-Bearbeitungen. Das Angebot ermögliche auch kleineren Schreinereien, grosse Aufträge an Land zu ziehen. Zum Beispiel ergebe das maschinelle Fugenleimen anstelle des Leimfadens eine perfekte Furnierfuge. Betreffend Kapazität verweist Zurbuchen an die hauseigene Durchlaufpresse mit einer Fläche von 320 × 160 Zentimetern oder den Trockenturm für die Oberflächenbehandlung.
Auch Hansjörg Herzig, Geschäftsleiter der Herzig AG Raumdesign im aargauischen Unterentfelden, sieht in externen Aufträgen viel Potenzial. Bei seinem Unternehmen nutzten vor allem Kleinbetriebe von ein bis drei Mitarbeitenden Dienstleistungen auf der hauseigenen Software «Heos» für Plattenzuschnitt, Kantenbelegung, CNC-Bearbeitung und Datenverwaltung. «Unsere Kunden können über den ‹Heos›-Shop ihre Daten erfassen und online übermitteln», sagt Herzig. Geplant ist auch der Zugriff auf Produktebibliotheken für Einbauschränke und Küchenelemente. Diese Shop-Version gibt es gratis, hinzu kommt ein Rabatt bei einer Online-Bestellung.
Die Kundschaft hat durch das Shop-System die Chance, ihr Portfolio zu erweitern. «Unsere Kunden erhalten Sonderlösungen und können Materialien ins Angebot aufnehmen, die sie mit ihrer hauseigenen Infrastruktur nicht herstellen oder verarbeiten könnten», sagt Hansjörg Herzig. Er spricht von einer «externen Verlagerung der Produktionsrisiken bei steigender Flexibilität». Die Nachfrage nehme zu. Auch der typische Grossbetrieb mit zu wenig Kapazität für eine Fertigungsart wie etwa Laserkanten zähle zur Kundschaft. Die Herzig AG kann mit ihren Dienstleistungen an Externe mindestens die Hälfte ihrer Maschinen auslasten. Die Schreinerei Mietrup, ein Dreimannbetrieb im aargauischen Rheinfelden, lässt Platten bei der Herzig AG beschichten, belegen, mit ABS-Kanten bestücken und vergibt den Plattenzuschnitt. «Dank dieser Angebote müssen wir nicht ständig auf dem neuesten Stand der Technik sein, das spart uns Zeit und hohe Kosten für neue Maschinen», sagt Geschäftsführer Xaver Mietrup. Entscheidend sei für ihn die saubere Qualität der ausgeführten Arbeiten. Drei- bis viermal jährlich nimmt Mietrup eine solche Dienstleistung in Anspruch. Die digitale Datenerfassung nutzt er indes nicht. Seine Aufträge umfassen 100 bis 200 Teile für Schrank- oder Küchenelemente und Tische. Die Konditionen sind jeweils auftragsabhängig, der Anteil der Fremdvergaben am Gesamtgeschäft ist relativ gering. Ein Risiko besteht für Mietrup nicht. Und auf die Frage, wie die Kunden darauf reagieren, antwortet er: «Der Kunde braucht diese Information gar nicht.»
Die Planungsfirma Lex Solutions GmbH im st.-gallischen Gossau arbeitet vorwiegend als Subunternehmerin für grosse Schreinereien, Architekten und Designer. Gemäss Geschäftsführer Alex Ochsner erstellt sie den kompletten Planungsprozess in Avor und CNC-Fertigung einschliesslich Massaufnahme, CAD-Visualisierungen, Ausgabe der CNC-Daten und Projektleitung. Parallel dazu entstand die Software Swiss all CAD, welche die ganze Planung abdeckt. Auch Partnerfirmen nutzen diese. So können Kunden vor allem bei nicht alltäglichen Aufträgen vom umfangreichen Know-how profitieren. Ochsner nennt beispielsweise Sonderanfertigungen für einen Museumsneubau mit etwa 4000 Schrägschnitten. Die Lex Solutions GmbH bietet ihre Leistungen insbesondere für grosse Aufträge mit engen Terminvorgaben an.
Die Schreinerei Winkler Innenausbau AG mit elf Mitarbeitern im zürcherischen Adliswil hat bisher gute Erfahrungen mit der externen Vergabe von Aufträgen gemacht. Dafür sei eine gemeinsame Vertrauens- und Kommunikationsbasis wichtig, sagt Geschäftsführer Peter Stoop. So besteht eine langjährige Zusammenarbeit für Spritz-, Beiz- und Lackierarbeiten mit der Oberflächenspezialistin Traber in Baar ZG und Bubikon ZH. «Wir müssen keine hohen Investitionen für eine Spritzanlage aufbringen und haben mit der Firma Traber einen ausgewiesenen Fachbetrieb mit Spitzenqualität als Partner», sagt Stoop. Wenn man mal etwas beanstanden müsse, bessere die Auftragnehmerin im eigenen Interesse nach. «Letztlich müssen aber wir nach aussen für das Endprodukt geradestehen.»
Stoop beobachtet einen steigenden Bedarf an externen Spritzarbeiten. Ihr Anteil am jährlichen Auftragsvolumen schwankt zwischen 1 und 10 %. Zudem kauft Stoop Halbfabrikate wie Platten oder Türzargen ein und spannt neuerdings mit einem Küchenbauer zusammen. Er habe zwar das Ziel, seine CNC-Maschine zu 100 % auszulasten, aber angesichts der aktuellen Preissitation sei die Eigenproduktion oft zu teuer. Das zwinge zur Vergabe von Aufträgen an andere Firmen, oder man sei gezwungen, im Ausland produzieren zu lassen.
Die Schreinerei Winkler hat in Sachen Spritzarbeiten mit ihrem Lieferanten einen Quadratmeterpreis ausgehandelt, bei grösseren Aufträgen wird separat verhandelt. «Wir verfolgen eine flexible Preispolitik, die vor allem bei Grossaufträgen zum Tragen kommt», sagt Nico Traber, Leiter Verkauf und Administration bei Traber in Bubikon. Grössere Mengen bedeuteten höhere Effizienz und Auslastungssicherheit. «Diese Vorteile können wir an unsere Kunden weitergeben.» Das Unternehmen deckt ein breites Spektrum an Arbeiten zur Behandlung von Holzoberflächen ab. Der Trend: Farb- und Hochglanzlackierung.
Das Dienstleistungspaket ist quasi aus der Not geboren. «Als vor 30 Jahren die Nachfrage für Beizarbeiten abnahm, mussten wir uns weiterentwickeln», sagt Nico Traber. Es folgte die zusätzliche Spezialisierung für Farb- wie auch für Hochglanzlackierungen. «Obwohl Beizarbeiten seit einigen Jahren wieder stärker gefragt sind, liegt der Anteil von Lackierungen noch immer bei etwa 80 % des Umsatzes. Deshalb wurde in diesem Jahr in Bubikon ein neues Lackierwerk eröffnet, das Behandlungen mit umweltverträglichen Wasserlacken und UV-Trocknung ermöglicht.
Doch trotz des breiten Angebots spricht Traber von einem hart umkämpften Markt. Zudem brächten Investitionen immer ein Risiko mit sich. «Die Konkurrenz aus dem Ausland und die Auswüchse der Wegwerfgesellschaft sind kritische Faktoren für unser Unternehmen.» Durch bessere Qualität und Flexibilität, die Verwendung ökologischer Produkte und persönliche Beratung will man konkurrenzfähig bleiben.
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Veröffentlichung: 14. Juli 2016 / Ausgabe 28-29/2016
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