Auch eine Folge von Lothar?

Die Massivholz-Reserven aus Markus Hummels Wald haben auch schon Berufskollegen aus der Patsche geholfen.

Er ist nicht nur Schreiner. Er ist auch Waldbesitzer. Schreinermeister Markus Hummel aus Rüti ZH (Bild) war mehrere Jahre im Vorstand des Zürcher Waldwirtschaftsverbandes. 13 Hektar Wald nennt er sein Eigen, aus dem er einen schönen Teil des benötigten Rohstoffes bezieht. Obwohl es sich bei seiner Schreinerei um einen traditionellen Kleinbetrieb mit einem hohen Anteil an Massivholz handelt, machte auch Hummel seine Erfahrungen mit den aktuellen Herausforderungen des Marktes. «Beim Innenausbau eines Coiffeursalons mussten wir auf zehn Schreinerplatten warten, schliesslich erhielten wir mit grosser Verspätung dann deren sieben», berichtet er. Dank gutem Einvernehmen mit dem Kunden und «viel Reden» konnte der Auftrag zufriedenstellend abgeschlossen werden.

Platten aus dem Ausland

Corona spielt für ihn allerdings nicht die Hauptrolle bei den Unsicherheiten im Beschaffungsmarkt. Für ihn liegt ein Teil der Erklärung für die aktuelle Situation auch beim Sturm Lothar, der im Dezember 1999 über die Schweiz fegte. «Damals fielen Unmengen an Holz an, die hierzulande nicht verarbeitet werden konnten», sagt Hummel. Es habe schlicht an Kapazitäten und an der Technologie gefehlt, das Sturmholz in der Schweiz zu Platten zu verarbeiten. Also ging das Holz ins nahe Ausland, wo auch heute ein Grossteil der Plattenware und das Konstruktions- holz fürs hiesige Schreinergewerbe herkommt. Ausserdem hielt mit Lothar die Mechanisierung im Wald mit Vollernter und Forwarder vollends Einzug. «Die Stämme kamen nicht mehr in ganzer Länge in den Handel, sondern bereits in fünf Meter langen Stücken für die industrielle Verarbeitung auf den Markt.» Das war für hiesige Sägereien infolge der im Ausland produzierten Halb- und Fertigprodukte nicht mehr attraktiv, worauf viele ihren Betrieb einstellen mussten.

Kunden verlangen Regionalität

Weil der Weltmarkt sich aktuell auf die USA und China ausgerichtet habe, bekämen Schreiner und Holzbauer hierzulande nun die Abhängigkeit vom Import zu spüren. Doch Hummel ist zuversichtlich, dass die Erfahrung auch eine heilsame Wirkung hat. «Verschiedene Betriebe investieren wieder in

die Herstellung von Plattenware», sagt er. Zuversicht schöpft er auch aus den Stimmen der Kundschaft. «Regionali- tät ist hoch im Kurs», sagt Hummel und hofft auf gute Zeiten für Schreinerarbeiten aus hiesigem Holz.

hil

Veröffentlichung: 26. Januar 2022 / Ausgabe 3/2022

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