Zusammen das Parkett gerettet


Die Rückseiten der Parketttafeln wurden mit einer gebundenen Korkmischung ausgeglichen. Bilder: Peter Egloff
Die Rückseiten der Parketttafeln wurden mit einer gebundenen Korkmischung ausgeglichen. Bilder: Peter Egloff
Restaurierung. Der letzte Teil der Serie zeigt auf, wie die involvierten Spezialisten durch systematisches Vorgehen neue Verfahren zur Rettung des über 250 Jahre alten Parketts im ehemaligen Kloster St. Urban entwickelten. Die enge Zusammenarbeit führte das Projekt zum Erfolg.
Bei der Rettung des Versailler Parketts im Festsaal des ehemaligen Klosters Sankt Urban LU war eine Kombination der Fähigkeiten von Diplom-Restauratoren FH und Fachhandwerkern in der Denkmalpflege nötig. An diesem Beispiel wird aufgezeigt, welche Aufgabenteilung das Gelingen des Projektes ermöglicht hat.
Die Arbeiten der verschiedenen Fachleute hatten ein gemeinsames Ziel: mit Einsatz der theoretischen Kenntnisse und der technischen Fähigkeiten aus der Praxis den Erhalt des Kulturerbes zu sichern. Das Restaurieren, Konservieren und Rekonstruieren ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die von den gut ausgebildeten Experten zu leisten ist.
Ein gut funktionierendes Restaurationsvorhaben, wie es die Arbeiten am Festsaal darstellen, zeichnet sich durch eine gute Vernetzung und regen Informationsaustausch zwischen Architekt, Denkmalpflege und den verschiedenen Restauratoren aus. In diesem Netzwerk wird die gleiche Sprache gesprochen. Das gegenseitige Verstehen des zu behandelnden Objektes ermöglichte es, einen Dialog des Vertrauens zu pflegen.
Am Denkmal ist in der Regel nicht nur die bauzeitliche Entstehungsphase etwas Besonderes, die nachfolgenden Veränderungen sind von ebenso grosser Bedeutung – und prägen das Denkmal nachhaltig (siehe vorangehende Beiträge der Serie) . Das komplizierte und wertvolle Schichtengefüge muss erkannt und bewertet werden. Zudem müssen Lösungen zur Behandlung entwickelt werden. Dieser Massnahmenkatalog sollte beweglich und dynamisch ausgelegt sein. So lassen sich während der laufenden Arbeiten am Bau die gewonnenen Befunde und Erkenntnisse einflechten.
Diese Voruntersuchungen mit dem Anlegen von Muster- und Probeflächen und den ersten Erkenntnissen daraus sind die Voraussetzungen für den verantwortbaren Umgang mit der historischen Substanz.
Während der Vorbereitung und Umsetzung der geplanten Eingriffe in die historische Substanz erforderte die Situation laufend weitere Abklärungen von verschiedenen Spezialisten. Sie bewerteten die erkennbaren Schadensprozesse und halfen, die Gefährdung der Personen sowie des Objektes richtig einzuschätzen. Im vorliegenden Fall musste zum Beispiel während der Demontagearbeiten der Personen- und Objektschutz angepasst werden. Denn es kam zu unerwarteten Schadstoffbelastungen durch den Staub des Bitumenbelages und durch Schimmelsporen. Folgende Spezialisten waren direkt vor Ort an den Arbeiten beteiligt:
Bruno Boog : Voruntersuchung und Konzeptentwurf Konservierung – Restaurierung
Fabian Pfister GmbH: Holz-, Bauten- und Personenschutz
Envilab AG : Untersuchung der Schadstoffe im Bitumenbelag
Paul Raschle : Untersuchung der holzzerstörenden Pilze
Peter Egloff : Anlegen von Muster- und Probeflächen der einzelnen Massnahmenschritte, Erfassen der Bauteilschadstellen und Erstellen von Zustandskartierungen, Dokumentieren der ausgeführten Massnahmenschritte.
Bei den denkmalpflegerischen Vorgaben wurde die Konservierung des Bestandes sehr hoch bewertet. Durch die fundiert angelegte Voruntersuchung wurde dieses Vorhaben frühzeitig erkannt und hatte im Sanierungskonzept einen hohen Stellenwert. Es wurde versucht, vom gewachsenen Schichtengefüge so viel wie möglich zu erhalten, sofern die Nachhaltigkeit gewährleistet war. Die komplexen Eingriffe setzte man substanzschonend um. Dabei tauchte mehrfach die Frage auf, ob eine Konservierung überhaupt noch möglich ist.
Deshalb erstellten die Spezialisten während der Umsetzung der einzelnen Massnahmen Musterflächen, um die Konservierungsmethoden testen zu können. Bei den regelmässigen Ortsterminen wurden diese Lösungsvorschläge vorgestellt, Vor- und Nachteile diskutiert. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden in die Konservierungsvorhaben eingefügt und galten als verbindliche Vorgaben für das Objekt. Folgende Ausbildungen waren für diese Ausführungen nötig: BA/Bachelor of Arts FH in Konservierung-Restaurierung, Restaurator im Handwerk und Fachhandwerker in der Denkmalpflege.
Durch die Bewirtschaftung des Festsaales, und somit äusserliche Beeinflussung, wurden präventive Konservierungsmassnahmen erforderlich, welche den Blindboden sowie die Transportwagen betrafen.
Bei diesen Eingriffen wurde zuerst das Augenmerk auf die jüngeren Reparaturen mit den eingebrachten Materialien und Werkstoffen gelegt. Allen Beteiligten wurde durch die ersichtlichen Alterungsvorgänge und Schadensbilder klar verdeutlicht, dass die 1940 verlegte Dachpappe restlos zu entfernen ist. Ebenfalls beschloss man, alle sogenannten Fremdsubstanzen, die bei den Notreparaturen 1965–2013 eingefügt wurden, zu entfernen.
Ausführung: Fachhandwerker in der Denkmalpflege.
Nach den ausgeführten Konservierungsmassnahmen, die immer Vorrang haben, erfolgten die Restaurierungsmassnahmen an den einzelnen Parketttafeln. Bei der Erfassung der Bauteilschadstellen und der Durcharbeitung der Objektquellen wurde klar ersichtlich, dass der Verlust einzelner hochwertiger Zeitschichten erkennbar ist.
Dies betraf teils die Konstruktionsverbindungen innerhalb der masshaltigen Parketttafeln, die durchtrennte Befestigungstechnik der einzelnen Parketttafeln sowie die prägende und sehr hochwertige bauzeitliche Oberflächenbeschichtung. Die geplanten Restaurierungseingriffe führte man in den beiden Restauratorenwerkstätten aus. Dazu wurden je zwei Teams gebildet, welche an je fünf ausgewählten Parketttafeln die Eingriffe in die Substanz ausführten.
Anschliessend bewerteten die Experten die ausgeführten Arbeitsmuster und besprachen die ausgeführte Eingriffstiefe. Nach diesem weiterführenden Arbeitstreffen wurden die nun ausgewählten und erforderlichen Restaurierungsmassnahmen der Bauherrschaft, dem Architekten und der Denkmalpflege vorgestellt. Dieses Monitoring und die Evaluierung der Eingriffstiefe wurden während des Restaurierungsvorhabens mehrmals wiederholt.
Ausführung: MA/Master of Arts FH in Konservierung und Restaurierung, Fachhandwerker in der Denkmalpflege.
Nach dem Erstellen der Zustandskartierung an der Tafelrückseite stellte sich heraus, dass verschiedene Bauteilbereiche, die schon mehrmals invasiv repariert wurden, nur noch durch einen gezielten Rekonstruktionseingriff zu stabilisieren sind. Nur so liess sich der festgestellte Schadensverlauf stoppen. Dieses Ersetzen und Neuschaffen fand nur bei Schadstellen statt, die nicht durch die vorher beschriebenen Massnahmen erhalten werden konnten. Die Eingriffstiefe wurde wiederum anhand von Muster- und Probeflächen getestet und von den beteiligten Fachleuten bewertet.
Ausführung: Restaurator im Handwerk und Fachhandwerker in der Denkmalpflege.
Bei diesen umfangreichen Konservierungs-, Restaurierungs- und Rekonstruktionsmassnahmen bildete das breite Fachwissen der beteiligten Fachleute das Fundament, welches eindeutig dem Ziel der nachhaltigen Erhaltung des Versailler Tafelparketts zugrunde lag. Die Summe der Aufgaben und damit verbundenen Entscheidungen ist nicht zu unterschätzen. Der gegenseitige, fachübergreifende Wissensaustausch führte am Schluss zu den angewendeten, praxistauglichen Ausführungen.
Die grosse Unterstützung und das persönliche Engagement aller Beteiligten haben wesentlich dazu beigetragen, ein fruchtbares Arbeitsklima zu schaffen. Dies wurde sehr geschätzt und führte schliesslich zu einem erfolgreichen Projektabschluss.
www.bboog.chwww.pfister-gmbh.chwww.envilab.chwww.paul-raschle.chwww.p-egloff.ch
Veröffentlichung: 05. November 2015 / Ausgabe 45/2015
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