«Zuerst hatte ich auf den Ski ein komisches Gefühl»

Emil Steinwendner aus Steinmaur. Bild: PD

Interview. Für seine Vertiefungsarbeit in der Allgemeinbildung wollte Emil Steinwendner aus Steinmaur ZH einen Selbstversuch machen, der etwas mit dem Schreinerberuf zu tun hat. So hat der 19-Jährige in einem Kurs ein paar Ski hergestellt.  

Hast du lange überlegt, bis du dein Thema für die Vertiefungsarbeit hattest?

Emil Steinwendner: Zuerst hatte ich ein paar andere Ideen, ehe ich jene hatte, selbst ein Paar Ski zu bauen. Doch ich wusste sofort: Das ist es. Auch mein Allgemeinkunde-Lehrer fand es gut, dass ich einen Selbstversuch machen wollte, der etwas mit dem Beruf des Schreiners zu tun hat.

Wo und wie hast du deine Ski hergestellt?

Bei Skibauer Gerald Aichriedler von Skiwerk im österreichischen Mondsee habe ich einen Workshop besucht. Im Vorfeld habe ich meine Bretter online konfiguriert. Das heisst die Länge, die Taillierung und das Design festgelegt. So konnte Aichriedler schon einiges vorbereiten. Zum Beispiel den Holzkern, das Deckfurnier und den Belag. Er hat den Kern ausgehobelt und vom CNC-Bearbeitungszentrum mit dem richtigen Radius umfahren.

Für was für einen Ski hast du dich entschieden?

Für einen All-Mountain-Ski. Er ist etwas breiter, recht tailliert und sowohl für die Piste als auch den Tiefschnee geeignet. Die Bretter sind 170 Zentimeter lang, etwa 7 Zentimeter kürzer als ich.

Aus welchem Material bestehen die Ski?

Der Kern ist aus Esche, wie bei einem Schlitten. Die Deckschicht besteht aus Holz, die Seitenwangen nur aus Massivholz ohne Kunststoff, damit man sieht, dass der Ski aus Holz ist. Die Deckschickt besteht aus Mooreiche.

War das Herstellen schwierig?

Es war einfacher und weniger spektakulär als gedacht, aber es machte Spass. Natürlich ist viel Wissen und Erfahrung gefragt, damit die Dicke des Kerns stimmt und der Ski später nicht anfängt zu flattern, sich aber doch genug biegen lässt. Ich hatte ja Hilfe. Der Belag bildet die Schablone des Skis. Die Schichten, die zum Verkleben mit Epoxidharz in eine Form gelegt werden, schneidet man grob in Form. Mit Klötzen sichert man diese vor dem Verrutschen, damit beide Bretter gleich werden. Wenn der Ski fertig verpresst ist, schneidet man ihn entlang der Stahlkante aus, die man zuvor an den Belag geklebt hat. Dabei muss man die Eigenschaften des Materials kennen. Knifflig war, die Rundungen auf beiden Ski gleich hinzubekommen. Deren Länge muss exakt identisch sein.

Und hast du sie ausprobiert?

Ja, an Neujahr. Zuerst war es ein etwas komisches Gefühl auf selbst gebauten Ski. Doch nach den ersten Schwüngen habe ich Vertrauen gefasst und mich an sie gewöhnt. Ich muss sagen, sie fahren sich gleich gut wie zum Beispiel Atomic-Ski.

Weshalb hast du einen Skibauer in Österreich ausgesucht?

Ich stamme aus Salzburg und war in meiner alten Heimat in den Ferien. In Werfenweng besuchte ich das FIS-Skilandesmuseum und suchte einen Skibauer in der Nähe.

Wie lange lebst du denn schon in der Schweiz?

Seit sieben Jahren. Mein Vater arbeitet hier. Nach einem Jahr sind ihm meine Familie und ich gefolgt.

Wie gefällt dir deine Lehre?

Sehr gut. Der Beruf ist vielseitig und ich lerne viel. Früher habe ich gerne Dinge entworfen und versucht zu bauen. Da mein Onkel Schreiner ist, habe ich in dem Beruf geschnuppert und wusste, dass das passt.

Welche Aufgaben erhälst du im Alltag zugeteilt?

Mein Lehrbetrieb, die Schlatter Innenausbau GmbH in Steinmaur, ist ein eher kleiner Betrieb. Ich mag es, dass ich selbstständig arbeiten darf. Wir stellen auch Küchen und Schränke her, doch ich finde es toll, mit Massivholz zu arbeiten.

Hast du Pläne für die IPA?

Mein Ski hat eine Deckschicht aus Mooreiche. Bei der Messe Blickfang in Zürich habe ich Möbel aus mehreren Hölzern gesehen. Das hat mich inspiriert. Ich könnte mir vorstellen, einen Sekretär aus Mooreiche, kombiniert mit Birnbaum, herzustellen.

Weisst du, was du nach dem Berufsabschluss machen wirst?

Eventuell gehe ich zur österreichischen Armee, damit das erledigt ist. Dann möchte ich als Schreiner arbeiten. Später könnte ich mir ein Studium vorstellen. Dazu müsste ich die Berufsmatur nachholen oder versuchen, mittels Prüfung an eine Hochschule zu kommen. Wahrscheinlich gehe ich zurück nach Österreich, da ich meine Heimat vermisse.

Interview mit

Emil Steinwendner aus Steinmaur im Kanton Zürich. Er ist 19 Jahre alt und im vierten Lehrjahr als Schreiner EFZ. Sein Lehrbetrieb ist die Schlatter Innenausbau GmbH in Steinmaur. Die Berufsschule besucht er in Winterthur ZH. Emil Steinwendner ist Österreicher und in der sechsten Klasse in die Schweiz gekommen. In seiner Freizeit spielt er gerne Tennis und ist Mitglied beim TC Wehntal. Bald möchte er erste Turniere bestreiten. Zudem fährt er von klein auf gerne Ski.  

Nicole D'Orazio

www.schlatterdesign.chwww.skiwerk.at

Veröffentlichung: 12. Januar 2023 / Ausgabe 1-2/2023

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