Würfeln auf 250 Quadratmetern

Extrem strapazierfähig, schön und isolierend: Der Holzboden kurz vor der Fertigstellung. Bilder: Eugster AG

Spezialbeläge.  Spezielle Böden sehen speziell aus, sind für spezielle Zwecke verlegt worden oder haben eine spezielle Geschichte. Die Suche nach guten Beispielen für Spezialböden führt in eine Halle der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich. Der Boden dort erfüllt alle drei Kriterien.

Böden werden stark beansprucht. «Sie sind einfach Strapazierprodukte», sagt Hansruedi Eugster. Der 62-Jährige befasst sich seit Jahrzehnten mit diesem Thema, denn von Beruf verkauft und verlegt er Böden. Eugster ist Inhaber der Werner Eugster AG, eines Fachunternehmens für Bodenbeläge in St. Gallen. Er will mit seiner Aussage nicht etwa andeuten, dass Böden nichts für das Auge sind, denn das stimmt natürlich nicht. Aber er will auf die Belastungen hinweisen, denen sie ständig ausgesetzt sind. Wie strapazierfähig ein Boden sein muss, hängt selbstverständlich vor allem davon ab, wie er genutzt werden soll. Nicht immer ist die Funktion, die ein Boden erfüllen muss, so gut sichtbar wie in einer Werkhalle im zürcherischen Dietikon. Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) erstellten hier vor einigen Jahren einen Neubau mit einer grossen Werkstatt.

Die Bauherrschaft wünschte sich für die Fläche von rund 250 Quadratmetern als Bodenbelag eine Holzpflästerung, wie sie früher in Werkstätten und Fabrikhallen oft eingebaut wurde. Der Vorteil: Holzpflästerungen sind wegen ihrer Hirnholzober- fläche extrem strapazierfähig und haben einen hervorragenden Isolationswert; die Arbeiter frieren nicht an die Füsse. Der Nachteil: Diese Art von Industrieboden ist hierzulande mit den Jahren deutlich aus der Mode gekommen. Auch Fachleute müssen sich einige Gedanken machen, bevor sie eine Holzpflästerung verlegen.

Zwei Fragen, viele Antworten

Das ging auch Eugster so, als ihn ein befreundeter Unternehmer anrief. Diesem war der Auftrag zu speziell, Eugster übernahm ihn gerne, wollte sich aber zuerst genau informieren. «Die wichtigsten Fragen waren: Wo braucht es Fugen, und welcher Klebstoff eignet sich am besten?», sagt er.

Eugster fragte bei Parketthersteller, Klebstofffabrikanten und Parkettverband nach. «Die Antworten waren sehr unterschiedlich.» Ein Fachmann empfahl, eine Feldunterteilung von 5 × 5 m zu machen und die Flächen durch Dehnungsfugen voneinander abzutrennen. Andere tendierten zu noch mehr Fugen. Auch erhielt Eugster den Tipp, als Klebstoff Heissbitumen zu verwenden. «Das kannte ich von früher», sagt er. Vor vielen Jahren verlegte er noch häufiger Holzpflästerungen. Als Leim verwendete man damals Flüssigteer, weil dieser eine perfekte Dampfsperre bildete. Doch wenn ein bisschen Bitumen entlang der Teerpfanne nach unten rann, konnte es sich am Gasbrenner entzünden. «Wir mussten immer eine Löschdecke zur Hand haben.»

Auf den richtigen Aufbau kommt es an

Am meisten überzeugen konnte ihn schliesslich der Tipp eines ehemaligen Mitarbeiters, der kurz davor zu einem deutschen Klebstoffhersteller gewechselt hatte. Er riet, zuerst den Betonboden gründlich zu reinigen, dann in zwei Durchgängen eine flüssige Dampfsperre aus Polyurethan (PU) aufzutragen. Bevor diese ganz aushärtet, muss der PU-Kleber aufgebracht werden, in den man dann die Eichenklötze mit Seitenlängen von 54 mm und einer Stärke von 70 mm drückt. Der Mann schlug vor, auf eine Feldeinteilung zu verzichten, dafür aber zu den Wänden hin je einen Abstand von drei Klotzlängen freizuhalten. Nach zehn Tagen erst darf die Lücke bis auf eine Fuge von 25 mm gefüllt werden.

Eugster hielt sich an diesen Plan. Wobei er zur Sicherheit noch einen weiteren Arbeitsschritt einbaute: Nach dem Verlegen bestrich er das Holz mit Wasser, wodurch es die maximale Ausdehnung erreichte. «So waren wir sicher, dass nach dem Auffüllen der Randbereiche nichts passieren konnte.»

Nach der empfohlenen Zeitspanne von zehn Tagen und dem Ergänzen der Wandbereiche wurde der Boden geschliffen und geölt. Ein weiterer Punkt ist laut Eugster enorm wichtig: «Die Produkte wie Dampfsperre, PU-Kleber und Öl müssen unbedingt vom gleichen Hersteller sein, damit man eine Systemgarantie bekommt.»

Heute, sieben Jahre nach Inbetriebnahme des Gebäudes, präsentiert sich die Pflästerung immer noch in einem sehr guten Zustand. Das Holz ist abgedunkelt, die Klötze haften aber perfekt am Untergrund.

Einige Monate nach dem EKZ-Projekt konnte Eugster bei einem anderen Auftrag von seinen Erfahrungen in Dietikon profitieren. Im Würth-Neubau in Rorschach SG baute er wieder eine Hirnholzpflästerung ein. Im Unterschied zum ersten Auftrag sind die Klötze dort nur 30 mm stark. Zudem wurde vor dem Anstreichen des PU-Klebers zusätzlich eine Haftbrücke aus Quartzsand eingebracht. Dies, weil nach dem vollständigen Aushärten der Dampfsperre der PU-Kleber nicht optimal gebunden hätte.

www.eugsterag.ch

Die Repräsentativität stand im Zentrum beim Umbau des Ballsaals im Zürcher Nobelhotel Dolder Grand. Die Firma Parkett Käppeli GmbH in Merenschwand AG verlegte den Boden aus kerngeräucherter, geölter Eiche in einer Wabenstruktur aus Sechsecken mit Seitenlängen von 500 mm. Der Boden wurde flächig verleimt. Beim Einbau verlangte die Form der Parketttafeln viel Geschick. «Eine kleine Unge- nauigkeit kumulierte sich schnell zu einem gut sichtbaren Spalt, es war grosses Know-how erforderlich», sagt Mario Käppeli, CEO des Unternehmens.

Unter das Kapitel Kuriositäten fallen die Leder- und Schieferböden zum Klicken von Lico in Müstair GR. Laut Geschäftsführer Alfred Lingg erfreuen sie sich in der Schweiz immer grösserer Beliebtheit. Die Lederschicht ist ein Rezyklat von Verschnitten aus der Schuhherstellung. Der Stein stammt aus Indien und wird in einem speziellen Verfahren hauchdünn aufgetrennt. Die Böden lassen sich laut Lingg sehr gut von Schreinern verarbeiten.

www.parkett-kaeppeli.chwww.naturokork.ch

mf, mf

Veröffentlichung: 01. Dezember 2016 / Ausgabe 48/2016

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