WM-Bronze als Belohnung für das viele Training

Gruppenbild der Bauschreiner mit ihren Experten, nachdem sie ihren Wettkampf an den WorldSkills beendet hatten. Bild: Gabriel Design GmbH

Die Wettkämpfe an den WorldSkills der Schreiner in Basel waren spannend und der Ausgang knapp. Romain Mingard wurde bei den Bauschreinern Dritter, Brian Thomi verpasste bei den Möbelschreinern das Podest äusserst knapp.

Er hat sein Ziel erreicht: Romain Mingard aus Couvet NE teilte sich bei den Bauschreinern an den WorldSkills in Basel, der Berufs-WM, mit dem österreichischen Kandidaten den dritten Platz. Gold ging nach China und Taiwan. Bei den Möbelschreinern gab es gleich drei Goldmedaillengewinner: die Teilnehmer aus Grossbritannien, China und Korea, dafür keinen weiteren Podestplatz. Brian Thomi aus Vordemwald AG klassierte sich mit nur drei Punkten weniger als die Gewinner (mit einem Total von 726) als Vierter. Dafür erhielt er eine «Medaillon d’Excellence», die mit einem olympischen Diplom zu vergleichen ist.

Der 20-jährige Neuenburger Mingard war über die Bronzemedaille im ersten Moment etwas enttäuscht, weil er Gold anstrebte. Ein paar Minuten später konnte er sich dann doch über seine starke Leistung freuen. «Es ist unglaublich, eine Medaille zu haben. Das ist der Höhepunkt des ganzen Trainings», sagte er und strahlte. Es sei sehr schön, dass viele Freunde und seine Familie nach Basel gekommen seien und er mit ihnen seinen Erfolg feiern könne.

Fehler kosten ihn die Medaille

Für Thomi war es hingegen eine bittere Angelegenheit. Die drei Punkte weniger sind mit einer Hundertstelsekunde in einem Skirennen zu vergleichen. «Ich bin mit meiner Leistung dennoch zufrieden. In den zwei letzten Wettkampftagen konnte ich gut aufholen», sagte der 21-jährige Aargauer. Am zweiten Tag seien ihm zwei dumme Fehler passiert. «Natürlich ist es schade, die Medaillen so knapp zu verpassen. Die World- Skills und die ganze Vorbereitung waren aber eine tolle Erfahrung und ich darf mich über meine gute Leistung sehr freuen.»

Tobias Hugentobler, der Chefexperte der Möbelschreiner des Verbands Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM), freute sich über die starke Leistung von Thomi. «Er hat eine super Arbeit abgeliefert. Er ist Vierter und hatte Pech in der Rangierung. Ich bin sehr zufrieden und weniger enttäuscht», sagte er. «Es hat eigentlich alles gepasst. Man kann halt nicht immer gewinnen.» Roger Huwyler, der Bauschreiner-Chefexperte des VSSM, war ebenfalls sehr zufrieden: «Romain ist ein Wettkämpfer. Sobald etwas Druck aufkommt, gibt er Vollgas. Sein Objekt hat gut ausgesehen, eine tolle Leistung.» Das Wichtigste für ihn sei, dass Mingard alles gegeben habe. Bronze sei natürlich eine super Auszeichnung.

22 Stunden Zeit für die Aufgabe

Die 18 Möbelschreiner aus aller Welt erhielten die Aufgabe, einen Sekretär mit Schublade, Klappe, diversen Verbindungen und einem Furnierbild herzustellen. Dafür hatten sie 22 Stunden Zeit, auf vier Tage verteilt. Die 16 Bauschreiner hatten ebenfalls 22 Stunden zur Verfügung und produzierten einen Flügel mit einem Rahmen. Im Vorfeld wussten die Kandidaten und Experten, in welche Richtung das WorldSkills-Aufgabenstück geht, und konnten drei Beispiele trainieren. «Das finale Objekt wurde dann für die WM zu 70 Prozent abgeändert», erklärte Huwyler. Ein externer Experte sowie der Skills Manager von WorldSkills International hatten dieses ausgearbeitet.

Nach der WM beginnt das Studium

Für Romain Mingard ging es kurz nach der WM mit dem nächsten Lebensabschnitt weiter. Er hat an der Höheren Fachschule Holz in Biel BE das Studium als Techniker HF Holztechnik begonnen. «Es gefällt mir, ich bin gut gestartet und die Kurse sind interessant. Ich hätte aber nicht gedacht, dass mir das WM-Training so fehlen wird.» Beim Studium gebe es viel zu lernen, zum Beispiel Mathe, aber auch weniger nützliche Themen. «Es ist aber wichtig, das WM-Abenteuer hinter mir zu lassen und alles ins Studium zu investieren», meinte der 20-Jährige. Brian Thomi hat in seinem ehemaligen Lehrbetrieb die Arbeit als Schreiner wieder aufgenommen. «Das ist entspannter als das Training, fast wie Ferien», sagte er. Es sei eine tolle Zeit gewesen und er könne jeder und jedem die Teilnahme an den Meisterschaften empfehlen. «Man lernt viel, trifft tolle neue Leute und erhält auch viel schönes Werkzeug.»

www.worldskills2022se.comwww.vssm.ch

WorldSkills in Basel

Rangliste Bauschreiner:

1. Rang: Rupeng Shao (China) und Shih-Kai Chen (Taiwan): je 726 Punkte. 3. Wolfgang Ramminger (Österreich), 717, und Romain Mingard (Schweiz), 716. 5. Maxime Bloque (Frankreich): 711. 6. Ross Fiori (Grossbritannien): 709. 7. Geonhui Roh (Korea): 703. 8. Daniel Nagy (Ungarn): 701. 9. Roberts Karpinskis (Lettland): 699. 10. Dominic Flood (Irland): 684. 11. Jay Kishan Suthar (Indien): 677. 12. Takumi Okamoto (Japan): 675. 13. Radoslaw Kropaczewski (Polen): 673. 14. Khatanbaatar Gunshir (Mongolei): 665. 14. Ka Kuen Fan (Hong Kong): 665. 16. Diego Gutierrez (Spanien): 660.

Die Ränge 5 bis 8 haben eine «Medaillon d’Excellence» erhalten.

Rangliste Möbelschreiner:

1. Rang: Suil Kwon (Korea), 730 Punkte; Dexin Li (China) und James Boyes (Grossbritannien), je 729 Punkte. 4. Brian Thomi (Schweiz): 726. 5. Florentin Lanceleur (Frankreich): 723. 6. Zhen-You Cai (Taiwan): 717. 7. Jonas Prinot (Südtirol): 714. 8. Benjamin Supé (Deutschland): 712. 9. Daniel Sajtos (Ungarn): 705. 10. Andrik Jacobsen (Kanada): 695. 11. Udo Gnadenberger (Österreich): 694. 12. Joki Rasmus (Finnland): 692. 13. Ditmars Voitins (Lettland): 688. 14 Santosh Ojha (Indien): 683. 15. Muhamad Ali Azamuddin Allias (Malaysia): 674. 16. Yoshida Riku (Japan): 673. 17. Jozef Pruszczyk (Polen): 662. 18. Bruno Nieves (Spanien): 657.

Die Ränge 4 bis 9 haben eine «Medaillon d’Excellence» erhalten.

Nicole D’Orazio

Veröffentlichung: 03. November 2022 / Ausgabe 44/2022

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