Wenn das edle Teil angekratzt ist


Hochglanzflächen sind empfindlich, können aber aufpoliert werden. Bild: Votteler AG
Hochglanzflächen sind empfindlich, können aber aufpoliert werden. Bild: Votteler AG
Lackschäden. Gravierende Schäden im Schreineralltag lassen sich mit dem nötigen Wissen und fachmännischem Können beheben. Auch Lackverletzungen gehören dazu. Die Voraussetzung ist allerdings, dass dem Handwerker die richtige Ausrüstung zur Verfügung steht.
Endlich. Die aufwendige Innenausbauarbeit mit der speziell lackierten Oberfläche ist geliefert und eingebaut. Und dann kommt das, was absolut niemand haben will, aber doch hie und da passieren kann: Ein Schaden in der Oberfläche eines fest verbauten Teiles wird entdeckt. Eine Schranktür würde man abnehmen und in der Werkstatt überarbeiten. Da stehen alle notwendigen Mittel zur Verfügung, und es kann wieder der gleiche Lack, mit dem gleichen System aufgetragen werden.
«Bei Kratzern werden grundsätzlich zwei Arten unterschieden», weiss Stefan Koller. Er leitet die Geschäfte der Votteler AG in Schwarzenbach SG. «Bei Deformationskratzern wird das Lackmaterial etwas verdrängt und bei Abrasionskratzern abgetragen.» Bei Deformationskratzern besteht bei einem sogenannten Reflow-Lack die Möglichkeit einer Selbstheilung der Oberfläche. Dabei werden in Abhängigkeit von Temperatur und Zeit die Deformationen durch erneutes Verlaufen der Oberfläche wieder ausgeglichen und Kratzer somit eliminiert. Dieser Effekt setzt voraus, dass keine chemische Bindungen verletzt wurden.
Bei Abrasionskratzern muss die Verletzung immer durch das Einbringen von Reparaturmaterialien ausgeglichen werden. Leicht strukturierte oder mattere Oberflächen sind in der Regel besser zu reparieren, da sie durch die geringere Lichtbrechung in einer Fläche auch weniger auffällig sind als dies bei Hochglanzflächen der Fall ist.
Heutige hochglänzende Flächen werden vor allem mit äusserst kratzfesten Lacken hergestellt. Feine Verletzungen, welche die Oberfläche etwas matter erscheinen lassen, können oft einfach herauspoliert werden. Alle anderen Glanzstufen haben eine prägnante, mehr oder weniger starke Lichtbrechung, die wieder durchgängig hergestellt werden muss.
Dabei sollte zuerst die Vertiefung des Kratzers aufgefüllt werden. Die Fläche muss danach wieder eine durchgängig gleiche Oberflächenstruktur aufweisen. Das heisst, dass die sonst vorhandenen Porenbilder etwas nachempfunden werden müssen. Eine aufgefüllte, ebene Fläche zieht automatisch jeden Blick auf sich. Reparieren heisst verstecken, denn unsichtbar wird ein Schaden niemals wieder. Und: Reparieren ist absolute Profiarbeit und gehört in die Hände des Oberflächenspezialisten der jeweiligen Schreinerei.
Verschiedene Lackfirmen bieten speziell entwickelte Hilfsmittel, um Oberflächenschäden mit einem vernünftigen Aufwand verschwinden lassen zu können. Der Umgang mit diesen Produkten sollte aber vor dem Ernstfall geübt werden. Zu viel steht auf dem Spiel, wenn ein Schaden bei einer Kundenarbeit entstanden ist und dann falsch vorgegangen wird. Damit sicher schon einmal das richtige Material vor Ort ist, bietet die Adler Lack AG aus Tuggen SZ beispielsweise einen Servicekoffer für Möbel an, der Mittel zum Füllen, Retuschieren sowie Lackieren enthält.
Die Firma Tonet AG in Dulliken SO hat sich auf Pflege- und Reparaturmittel für Oberflächen spezialisiert und führt gleich mehrere den Anforderungen entsprechende Koffer, für gezielte Interventionen vor Ort oder in der Werkstatt, im Angebot.
Befüllt werden Kratzer mit durchgefärbten, mehr oder weniger harten Wachsen in der hellsten Farbe der Schadenstelle. Mit Retuschierstiften wird anschliessend die Holzmaserung nachgezeichnet. Weichwachs ist einfach zum Einspachteln, aber stossempfindlich. Hartwachs muss geschmolzen werden, bietet dafür die bessere Qualität und gute Widerstandskraft. Füllstoffe, die für Risse im Holz gedacht sind und mit einer Heissleimpistole aufgebracht werden, können auch für tiefere Verletzungen eine gute Basis bilden. Das gilt auch für Polyester-Füll-Lack oder Epoxidharz, die gerade bei Hochglanzflächen konstant im Niveau bleibende Untergründe schaffen.
Zum Lackieren gibt es in jedem Glanzgrad Sprühlacke aus der Dose, die ansatzlos – ohne Randschleier – aufgesprüht werden können und für wenig beanspruchte Flächen völlig ausreichen. Selbst eine leichte Feinperlstruktur kann mit Dosenlack wiederhergestellt werden.
Wenn an die Oberfläche bezüglich der Eigenschaften ein hoher Anspruch besteht, muss zur Reparatur der Originallack verwendet werden. Trägt man diesen etwas stärker verdünnt mit einer Patinier- oder Airbrushpistole auf, kann der entstehende Lacknebel in Grenzen gehalten werden. Nicht möglich ist allerdings ein ansatzloses Spritzen, weshalb die betroffene Fläche noch etwas abgenebelt werden muss.
Adler hat mit dem «Preval-Sprayer» ein Handsprühgerät mit Gaskartusche für beliebige Flüssigkeiten im Angebot. Der Lack wird in ein Glas gefüllt und der mit Gas befüllbare Sprühbehälter aufgeschraubt. Gearbeitet wird wie mit einer Spraydose mit Rundstrahl und 4,4 Bar Druck.
Ganz anders funktioniert das «King»-Kartuschensystem, angeboten von Tonet: In den Handspritzapparat können Farb-, Lack- oder Reinigungskartuschen eingesetzt werden. Spezielle Leerkartuschen lassen sich mit eigenem Lack füllen. Für die Druckluft braucht es dann allerdings einen Kompressor. Durch einen Regler und die Auslösetaste lässt sich dafür die Spritzmenge individuell regulieren.
Jeder, der in der Oberflächenbehandlung versiert ist, wird mit diesen Hilfsmitteln auch gute Reparaturen vollbringen können. Das chemische Zusammenpassen muss, wie sonst auch, Beachtung finden.
Veröffentlichung: 03. März 2018 / Ausgabe 9/2018
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