Weg vom billigen Image

Hochwertige Laminatbeläge mit Synchronporen wirken täuschend echt. Bild: Swiss Krono AG

Laminat.  Obwohl der Schreiner lieber echtes Parkett oder zumindest Vinylbeläge verlegt, ist Laminat nach wie vor auf dem Markt präsent. Insbesondere im Ausland ist der Markt gross und die Hersteller arbeiten daran, das Laminat besser und somit wieder salonfähiger zu machen.

Gemäss Schätzungen von Schweizer Holzwerkstoffhändlern hat sich der Markt für Laminatfussböden im Fachhandel etwa halbiert. Ein Tiefststand dürfte wohl ungefähr vor zwei Jahren erreicht worden sein.

Ähnliches zeigt die Laminat-Absatzstatistik des Verbandes der Europäischen Laminatbodenhersteller e.V. (EPLF): 2015 verkauften die Produzenten noch 452 Mio. Quadratmeter Laminatböden.

Konkurrenz und schlechter Ruf

Die Gründe für den Rückgang in der Schweiz scheinen vielfältig zu sein. Im Fachhandel hat insbesondere der Anteil an Vinylbelägen massiv zugenommen (siehe SZ 18/2017). Aber auch im Do-it-yourself-Bereich (DIY) feiert Vinyl ein Comeback. Einerseits liegt das an der hohen Kaufkraft der Schweizer. Sehr günstige Bodenbeläge sind immer weniger gefragt. Wenn, dann darf es etwas Hochwertigeres sein.

Andererseits haftet dem Laminatboden nach wie vor das Image eines billigen, wenig dauerhaften und nicht ökologischen Boden- belages an. Entstanden ist dieser schlechte Ruf insbesondere durch billigste Angebote aus den Baumärkten, wo teilweise tatsächlich Laminate fragwürdiger Qualität verkauft wurden. Gepaart mit einer amateurhaften Verlegung und schlechter Pflege waren die Probleme vorprogrammiert. Denn welcher Schreiner kennt sie nicht: die Geschichten aus seinem Bekanntenkreis, wo ein Heimwerker einen Laminatboden ohne Luft zur Wand verlegte, um die Sockelleiste zu sparen, oder keine Feuchteschutzfolie verlegte. Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass die Vinyl- und auch die Parkettindustrie mit denselben Problemen zu kämpfen haben. Denn bei jedem Bodenbelag braucht es gewisse Qualitätsstandards und Verlegevorschriften, um die Dauerhaftigkeit zu gewährleisten.

Absatz steigt wieder

Im Jahr 2016 haben die im EPLF organisierten Hersteller bereits wieder einen weltweiten Absatz von 477 Mio. m² Laminatfussböden aus europäischer Produktion gemeldet. Damit wurde im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 5,6 % erreicht. Der Heimatmarkt Westeuropa ist gemäss EPLF 2016 weitgehend stabil geblieben. Deut- liche zweistellige Wachstumsraten konnten in Nordamerika und Asien registriert werden. In Osteuropa steigerten sich vor allem die relativ grossen Märkte wie Russland, Polen und Rumänien. Weitgehend stabil blieb der EPLF-Laminatbodenabsatz 2016 in Südamerika.

Schweiz konkurrenzfähig

Diese Entwicklung bekommt die einzige Schweizer Laminatherstellerin, die Swiss Krono AG, ebenfalls zu spüren. Etwa 98 Prozent der Produktion gehen in den Export. Umso erstaunlicher ist der Umstand, dass Bodenbeläge aus dem teuren Produktionsstandort Schweiz nach wie vor konkurrenzfähig sind.

Das Unternehmen setzt dazu konsequent auf die Herstellung von Laminat aus dem mittleren bis hochpreisigen Segment. In diesem Bereich verzeichne man im Moment auch die grössten Zuwachsraten. So gross, dass es teilweise schon fast zu Engpässen kommt.

Ausserdem hat man im luzernischen Menznau schon vor Jahren damit begonnen, in moderne, automatisierte Anlagen zu investieren. Deshalb habe man auch den Frankenschock einigermassen gut verkraften können.

Ausland zieht nach

Doch auch das Ausland schläft nicht. Die Homag-Gruppe vermeldete Anfang 2017 ein sehr erfolgreiches Jahr beim Vertrieb von Maschinen für die Fussbodenfertigung. Gemäss Homag entwickle sich der Fussbodenmarkt jedoch sehr unterschiedlich. Am Umsatzvolumen gemessen, habe nach wie vor Laminat mit vollverketteten, hoch automatisierten Anlagen den mit Abstand grössten Anteil. Bei den Doppelendprofilern macht Laminat aber den kleinsten Anteil aus. Verteilt auf drei Fussbodenprodukte lieferte Homag 2016 seine Doppelendprofiler zu 15 % an die Laminatindustrie, zu 23 % an Parketthersteller und zu 62 % an Produzenten von Vinyl- und mehrschichtigen Belägen.

Investitionen in grosse Laminatanlagen würden derzeit vornehmlich in den USA und von türkischen Unternehmen getätigt, so Homag. Hinzu kämen kleinere Investitionen im Iran und in Indien. Der einstmals lukrative chinesische Laminatmarkt sei für deutsche Maschinen ausgebrannt. Bei Parkett sieht es gemäss Homag anders aus: Da ziehe der weltweite Bedarf wieder an, für Homag vor allem in China, Osteuropa und Nordamerika. Jedoch handle es sich vornehmlich um Einzelinvestitionen.

Laminat wird verbessert

Der grosse Renner beim Laminat sind die sogenannten Synchronporen, also strukturierte Oberflächen, die sich auf den ersten Blick kaum noch von Echtholzoberflächen unterscheiden lassen. Bei der Swiss Krono rechnet man damit, dass solche Oberflächen wohl bald Standard sein werden. Ob die Entwicklung aber so weit geht wie bei den Spanplatten, muss sich noch zeigen. Dort ist es den Plattenherstellern mit den täuschend echt wirkenden Dekoren gelungen, das Furnier ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.

Vielleicht muss man also in Zukunft wieder vermehrt mit dem einst verpönten Laminat rechnen – wie dies nun auch beim Vinyl der Fall ist. Die Hersteller arbeiten jedenfalls mit Hochdruck daran, Laminatprodukte wasserbeständiger zu machen. Damit würde einer der grössten Nachteile des Produktes entschärft: Denn bis anhin muss konsequent jede Flüssigkeit sofort aufgewischt werden, die auf das Laminat gelangt. Ansonsten kommt es bei den Fugen durch das Quellen schnell zu Schäden.

Erst kürzlich hat Swiss Krono mit dem «Grand Selection Origin» ein Laminat auf den Markt gebracht, welches bis zu 72 Stunden gegenüber Feuchtigkeit geschützt sein soll. Dies ist erst der Anfang; das Unternehmen arbeitet weiter an der Feuchtebeständigkeit seiner Produkte.

Qualitäten beachten

In jedem Fall raten Fachhändler wie auch seriöse Hersteller dazu, sich mit den Nutzungsklassen von Bodenbelägen auseinander- zusetzen. Diese gibt es sowohl für Laminat- als auch für Vinylprodukte. Die Beanspruchungsklassen von Laminatböden werden in der europäischen Norm EN 13329 «Laminatböden – Elemente mit einer Deckschicht auf Basis aminoplastischer, wärmehärtbarer Harze – Spezifikationen, Anforderungen und Prüfverfahren» geregelt. Man unterscheidet generell zwischen Wohn- und gewerblichen Bereichen. In Wohnbereichen geht die Kennzeichnung von 21 (mässige Beanspruchung, zum Beispiel im Schlafzimmer) bis 23 (starke Beanspruchung, etwa im Flur). In gewerblichen Bereichen geht die Kennzeichnung von 31 (mässige Beanspruchung, z. B. Hotelzimmer oder Konferenzräume) bis 33 (starke Beanspruchung, zum Beispiel in Grossraumbüros, Kaufhäusern oder öffentlichen Gebäuden) oder sogar 34 (sehr starke Beanspruchung für gewerbliche Bereiche mit intensiver Nutzung). Ein weiteres Indiz für die Qualität eines Laminatbelages ist die Klickverbindung. Hochwertige Produkte verfügen in der Regel über ein etabliertes und bewährtes System wie das «5G» oder das «Uniclic».

Das Holz als Plus

Ob der Schreiner in Zukunft also wieder vermehrt mit hochwertigen Laminatbelägen rechnen muss, wird sich zeigen. In Anbetracht der Entwicklungen scheint es zumindest nicht unwahrscheinlich. Natürlich kann kaum ein Produkt dem echten Parkett das Wasser reichen, und aufgrund der höheren Preise ist die Marge dort ohnehin besser. Aber anders als Vinyl, welches praktisch nur aus Kunststoff besteht, basiert Laminat immerhin auf einem Holzwerkstoff. Es gibt Produzenten in der Schweiz und Europa, der Rohstoff Holz ist hier ebenfalls verfügbar. Ein Plus, das man trotz ein paar Nachteilen, die jedes Material hat, nicht ausser Acht lassen sollte.

www.braungossau.chwww.swisskrono.chwww.eplf.com

ph

Veröffentlichung: 28. September 2017 / Ausgabe 39/2017

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