Sie haben Senioren den Alltag erleichtert


Die Gruppe aus dem Berner Oberland posiert in Budapest. Bilder: Stephan Leiser
Die Gruppe aus dem Berner Oberland posiert in Budapest. Bilder: Stephan Leiser
Zwölf Schreinerlernende vom Bildungszentrum Interlaken haben im Rahmen eines Hilfsprojekts in einem Altersheim in Rumänien verschiedene Arbeiten ausgeführt. Auf ihrer Reise haben die Teilnehmenden einiges erlebt.
Fast 1700 Kilometer ist Tălmaciu von Steffisburg BE entfernt. Die Kleinstadt in Rumänien war Anfang Juli das Ziel einer Delegation von Schreinerlernenden des Berufszentrums Interlaken BE. Projektleiter und Berufsschullehrer Stephan Leiser hatte das Hilfsprojekt in einem Altersheim ins Leben gerufen. Durch einen Bekannten, der in der Nähe eine Schreinerei führt, sei der Kontakt entstanden. In Rumänien gibt es nur wenige Heime, die spärlich eingerichtet seien. Ohne Unterstützung aus westlichen Ländern würden diese kaum funktionieren. «Zudem werden die Bewohner oft sich selbst überlassen», begründet Leiser seine Motivation. «Vor zwei Jahren war ich mit Auszubildenden aus dem Wallis vor Ort. Diesmal sind junge Erwachsene aus dem Berner Oberland mitgekommen.»
Elf Lernende sowie eine frühere Teilnehmerin eines Austauschprojektes aus Deutschland, zwei Betreuer und Leiser fuhren mit zwei Autos und einem Anhänger voller Werkzeug und Hilfsgüter am Treffpunkt in Steffisburg los. Da die Strecke zu weit für eine Reise am Stück war, ging es in einer ersten Etappe nach Wien (A). Am zweiten Tag fuhr die Gruppe bis nach Makó in Ungarn, und die letzte Etappe führte sie ins rumänische Sibiu, wo sie ihre Unterkunft bezog.
Auf dem Hinweg hat die Delegation einiges erlebt. «In Wien durften wir eigentlich nur mit einem aktuellen Covid-19-Test ins Hotel», erzählt Carmen Christeler. «Wegen Staus sind wir jedoch spät angekommen, und die Testzentren waren schon zu. Auch jenes am Flughafen, wo wir vergeblich hingefahren sind. Glücklicherweise durften wir ohne Test im Hotel übernachten.» Die österreichische Hauptstadt schauten sich die jungen Erwachsenen tags darauf an. Das Schloss Schönbrunn und das Hundertwasserhaus durften dabei nicht fehlen.
Auch in Ungarn war die Gruppe zu spät angekommen. Das Thermalbad hatte schon zu. «Wir konnten jedoch am nächsten Morgen baden gehen, ehe wir weiterfuhren», berichtet James Kienholz.
Im Altersheim in Tălmaciu gab es für die Lernenden viel zu tun: Täfer im Treppenhaus und Gang demontieren, Löcher spachteln, schleifen und streichen. Sie montierten sechs Brandschutztüren und zwei Durchreichen. In sechs Zimmern wurde Fermacell verlegt sowie an den Decken Gipsplatten montiert, gespachtelt, geschliffen und gestrichen. Sie montierten zudem zwei Aussentüren, Fenster und reparierten diverse Dinge. «Es dauerte nicht lange, bis die ersten Probleme auftraten», blickt Lukas Burren zurück. «Unter dem Riemenboden, den wir rausrissen, sollten eigentlich OSB-Platten vorhanden sein. Stattdessen stiessen wir direkt auf die Balkenlage und Isola- tion. Dieser unebene Untergrund machte das «Fermacellen» nicht gerade einfach.» Auch die Türen zu montieren, gab mehr Arbeit als gedacht. Nach einigen Anpassungen und Improvisationen seien am zweiten Tag jedoch alle Türen an ihrem Platz gewesen. «Dazwischen sind immer wieder Heimbewohner zu uns gekommen und haben uns um kleinere Reparaturen an Schränken und Möbeln gebeten», sagt Carmen Christeler. «Sie freuten sich immer sehr, wenn man ihnen half.»
Da die Zimmer im obersten Stock des Hauses mit Gipsplatten verkleidet wurden, musste jedes geräumt werden, ohne die Bewohner zu stören oder gefährden. «Diese waren nicht immer begeistert, als wir ihre Betten in den Gang stellten und ihnen versuchten, klarzumachen, dass sie gerade nicht ins Zimmer können», erzählt James Kienholz. Allerdings seien ihnen am Schluss alle sehr dankbar gewesen.
Am letzten Tag im Heim wurde die Zeit langsam knapp. Die Gruppe sah ein, dass nicht alle geplanten Arbeiten verrichtet werden konnten. Auch gingen ihr die Materialien aus, und Gipsplatten und Farben mussten noch gekauft werden. «Wir beschlossen, die Fenstermontage auf einen späteren Einsatz zu verschieben und die angefangenen Tätigkeiten so weit wie möglich zu beenden», berichtet Lukas Burren. Das seien hauptsächlich noch Gipsarbeiten gewesen. Die Platten wurden angeschraubt, fast gleichzeitig gespachtelt und gestrichen. «Spätabends wurden wir fast mit allem fertig. In wenigen Zimmern fehlt einfach die Farbe.» Sie seien dann todmüde ins Bett gefallen. Doch die Nacht sei nur kurz gewesen, da sie sich früh auf den Heimweg machten.
Dieser führte die Lernenden und ihre Betreuer zuerst bis in die ungarische Hauptstadt Budapest. «Nach dem Znacht gingen wir in den Ausgang. Für manche war es der erste seit Langem», erzählt Carmen Christeler. «Der Abend bleibt allen in Erinnerung.» Tags darauf fuhr die Gruppe bis nach Salzburg (A) für die letzte Übernachtung. «Wir haben nun viele Geschichten und Erlebnisse, die wir nicht so schnell vergessen», sagt James Kienholz. Das hätten sie auch Stephan Leiser sowie den tollen Begleitern zu verdanken.
www.bzi.chVeröffentlichung: 02. September 2021 / Ausgabe 36/2021
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