Ringen um die Zukunft

Die spiegelnde Fläche verschafft dem Sideboard von Lüönd eine überraschende Tiefenwirkung. Bild: Andreas Brinkmann

Möbelmesse Schwyz.  Bei der diesjährigen Hausmesse stand das grosse Interesse der Fachhändler an neuen Produkten der Konsequenz aus den mittlerweile hohen Beschaffungskosten gegenüber. Da sind noch Ideen für gangbare Lösungen gefordert.

Sehr viele Fachleute aus dem Möbelhandel haben sich am vergangenen Donnerstag auf den Weg in die Innerschweiz gemacht, denn es war der Eröffnungstag der Möbelmesse Schwyz 2021. Laut den Ausstellern war der Andrang bereits am ersten Tag erfreulich gross.

Die Hausmesse fand im Kanton Schwyz in den Ausstellungsräumen der Lüönd Wohncollection AG in Rothenthurm, der Horst AG in Steinen sowie der MAB Möbel AG in Muotathal statt. Bis zum Abschluss der Messe am Montag boten elf Aussteller ihre Neuheiten an und gaben einen Einblick in ihr Schaffen. Wie wohl alle Produktionsbetriebe kämpfen auch die Möbelproduzenten mit den herrschenden Lieferengpässen und der damit verbundenen, enormen Teuerung. Wie mit diesen Preisen umgegangen werden soll, sorgt in der Branche für viel Kopfzerbrechen und leider auch Uneinigkeit mit dem Handel. Das ist ein Grund, weshalb manche Hersteller nur sehr vorsichtig mit wirklichen Neuheiten auftreten.

Weitergehen als bisher

Die Lüönd Wohncollection AG hat ihre Möbelkollektion weiterentwickelt und einen neuen Tischfuss für ihr Programm Style sowie einen runden Tisch gezeigt. Überrascht hat ein etwas abgetrennter Raum in der Ausstellung mit Sitzmöbeln, die neu im Objektbereich angeboten werden. Das umfangreiche Angebot reicht von verschieden hohen Stühlen über Polstersessel bis zu Empfangspolstermöbeln. Seine neue Angebotsrichtung stärker ausgebaut hat auch die Karl Omlin AG aus Sachseln OW. Die Firma ist bekannt für ihre Studiomöbel und bietet jetzt auch im Bereich Wohn- sowie Schlafzimmer mit der Kollektion Setup ein umfassendes Programm an. Die Komponenten zeigen dabei eine gemeinsame Handschrift, wodurch sie sich sehr gut kombinieren lassen und viel Spielraum beim Einrichten bieten.

Der Stuhl- und Tischhersteller Girsberger AG aus Bützberg BE präsentierte mit La Punt ein Sideboard-System, das durch Aufklappen eines Frontelementes zu einem kleinen Schreibtisch wird. Zusammen mit weiteren Möbelkomponenten, die sich ebenfalls an bürotauglichen Massen orientieren, lässt sich ein Homeoffice zusammenstellen. Dieses hinterlässt auch in einem gehobenen Wohnbereich einen positiven Eindruck, ohne zu sehr an Büroarbeit zu erinnern.

Über den eigenen Tellerrand geschaut

Mit der Farbe Schwarz bei Stuhl- und Tischuntergestellen folgt man bei Girsberger einem herrschenden Trend im Einrichtungsbereich. Der als Messeaktion angebotene Tisch mit massivem Ulmenblatt zeigte, dass es auch ausser Eiche und Nussbaum Holzbilder mit Charakter gibt, und dies in ganz verschiedenen Naturtönen.

Auch wenn Polstermöbel nicht unbedingt das sind, was für die meisten Schreiner interessant sein dürfte, so sind es doch manche Entwicklungen aus diesem Möbelbereich durchaus wert, beachtet zu werden. Ausser dass Sitzmöbel ein Zusatzgeschäft bei einem Auftrag sein können, werden ja auch immer mal wieder Komponenten bei einem Innenausbau verlangt, die gepolstert sein sollen. Da ist dann eine gute Zusammenarbeit mit einem entsprechenden Fachbetrieb sehr wichtig, und es schadet sicher nicht, wenn Schreiner und Planer die Trends aus diesen Bereichen einigermassen kennen.

Bezugsmaterialien

Die Horst AG ist mit ihrer Horst Collection und der Edellinie Artanova stark, was Lederoberflächen anbelangt. Vermehrt kommen besonders grob gewobene Bezugsstoffe zum Einsatz, weshalb die Firma auch verschiedene neue Stoffkollektionen präsentierte. Absolut neu wurde zudem noch eine Lederkollektion gezeigt, die zu 55 Prozent aus recyceltem Leder besteht und in der Qualität ein konstantes Rollenmaterial mit homogener Oberfläche bietet.

Der Polstermöbelhersteller Leu S.àr.l. in Rothenthurm zeigte neue Leder mit geschliffener Oberfläche, die sich haptisch wie feines Wildleder anfühlen, und einen besonderen Zierstich, der jetzt auch maschinell möglich ist. Die neueste Kollektion hat neben verschiedenen Füssen auch ein Holzaussengestell im Angebot.

Durch alles führende Systemgedanken

In Muotathal, bei der in diesem Jahr 70 Jahre alt gewordenen MAB Möbel AG, zeigte sich, was ein konsequent umgesetztes Systemdenken bei der Konstruktion von Möbelkollektionen bringt. Basierend auf dem aktuellen, kubischen Wohnprogramm Nara, ist neu Ronda entstanden. Beide verfügen über ein umfangreiches Repertoire an Korpuselementen, die – verschraubt und mit Seitenteilen, Deckel und Fronten versehen – den eigentlichen Korpus ergeben. Bei Ronda verfügen die Aussenseiten vertikal vorne wie hinten über runde Kanten. Ronda-Korpusse sind frei stellbar und können somit als Trennmöbel verwendet werden. Da sich jeder innere Einzelkorpus, um 180 Grad gedreht, mit den anderen verschrauben lässt, kann dieser dann auch einzeln, beispielsweise bei einem Wohnungswechsel, auf Wunsch von hinten bedient werden. Die Fronten sind optisch beidseitig identisch, nur die Funktion nicht.

Der Umstand, dass Fernsehbildschirme immer grösser und damit auch schwerer werden, hat die Entwicklungsabteilung bei MAB dazu bewogen, selber für eine tragfähige Konstruktion zu sorgen. Ihre Säule zum TV-Sideboard trägt bis zu 60 Kilogramm, zeigt keinerlei Kabel und lässt sich um 360 Grad drehen. Die passend zu den Korpus-Programmen erhältlichen Ausziehtische basieren auf einem einzigen System, welches vielerlei Möglichkeiten bietet und jetzt technisch ausgereift daherkommt. Es stehen zwei Beintypen zur Wahl, wobei einer über magnetisch befestigte Massivholzblenden verfügt.

www.luond.comwww.artanova-horst.chwww.mab-moebel.chwww.moebel-omlin.chwww.girsberger.comwww.leuswiss.chwww.rohleder.com

Andreas Brinkmann

Veröffentlichung: 28. Oktober 2021 / Ausgabe 44/2021

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