Retten in der eigenen Werkstatt


Problemorientiert und praxisnah gestaltet sich die Ausbildung eines Samariterkurses im eigenen Betrieb. Bild: Schreinerei Werthmüller AG
Problemorientiert und praxisnah gestaltet sich die Ausbildung eines Samariterkurses im eigenen Betrieb. Bild: Schreinerei Werthmüller AG
Erste Hilfe. Mit dem richtigen und sofortigen Handeln kann in einer Notfallsituation viel zur Rettung des Verletzten beigetragen werden. Um im Schreineralltag optimal vorbereitet zu sein, hilft es die Sanitätsgrundlagen in der eigenen Infrastruktur zu üben.
Ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung absolviert spätestens auf dem Weg zur Autoprüfung einen Erste-Hilfe-Kurs. Diese Kurse sind meist sehr professionell aufgebaut und werden von geschulten Leitern durchgeführt. Oftmals bleibt das Erlernte jedoch nur für eine begrenzte Zeit im vollen Umfang präsent.
Eine Problematik dieser Kurse besteht in der meist theoretischen Umsetzung, die in einer geschützten Umwelt und ohne Störeinflüsse geübt wird. Um trotzdem eine hohe Praxisnähe zu erhalten, werden die Themen mit speziellen Übungspuppen und Geräten simuliert, denn wie sich im Ernstfall ein Helfer auf den Unfallort einlässt und handelt, hat immer etwas mit der Übertragung des Gelernten auf die vorherrschende Ernstfallsituation zu tun.
«Um im Falle eines Unfalls in der Werkstatt auf die uns vorgegebenen Umstände und Infrastruktur vorbereitet zu sein, haben wir uns entschlossen einen Samariterkurs in unserer Werkstatt durchzuführen», sagt Stefan Liechti, Inhaber und Geschäftsführer der Schreinerei Werthmüller AG aus Burgdorf BE. Mit der Verlegung des Kurses in die eigene Betriebsinfrastruktur wird der Kurs exakt auf die Gegebenheiten und die Infrastruktur der Schreinerei abgestimmt und die Mitarbeiter können individuell mit den vorhandenen Mitteln das richtige Verhalten im Ernstfall üben.
Die Schreinerei aus Burgdorf BE organisiert jedes Jahr eine Aktion zum Jahresthema der Siko 2000, die dem Betrieb und den Mitarbeitern einen Mehrwert bringt. 2014 hatte der Betrieb das Siko-Thema «Heben» behandelt und als Ergebnis des Projektes einen Stapler und zwei Hebetische angeschafft. «Projekte sind für mich nur spannend und motivierend, wenn daraus ein Ergebnis resultiert», erklärt Liechti und meint weiter, dass auf diesem Weg auch die Mitarbeiter den Nutzen und den Grundgedanken erkennen und akzeptieren.
Das diesjährige Siko-Thema: Einarbeitung neuer und temporärer Mitarbeiter, war für die Schreinerei zu wenig betriebsnahe. Deshalb organisierte die Geschäftsführerin Corinne Liechti-Werthmüller eine Alternative für den Thementag. Für die Unternehmerin war die Tatsache ausschlaggebend, dass die meisten Mitarbeiter seit Langem keine Auffrischung im Bereich der Ersten Hilfe hatten. Deshalb entschied sie sich einen Grundlagensamariterkurs zusammen mit dem Samariterverein Burgdorf BE durchzuführen.
In Zusammenarbeit mit der Kursleiterin konnte ein passendes Programm für den Kurs erstellt werden. Neben den Grundlagenthemen ist bei Handwerkern die standardmässige Ausrüstung in den Montagefahrzeugen und die korrekte Verwendung ein wichtiger Bestandteil des Kursprogrammes. Ebenfalls sinnvoll ist das spezifische Behandeln von branchenüblichen Verletzungen. «Ziel ist immer, die Erstversorgung und die Stabilisierung sicherzustellen, bis fachmännische Hilfe eintritt. Danach wird die korrekte Anwendung der Rettungskette und Grobbeurteilung des Verletzten geschult», sagt Liechti-Werthmüller.
Die Schreinerei Werthmüller hat ein für Schreinereien sehr geeignetes Programm durchgeführt:
Zusätzlich zu den Hauptpunkten wurde ein Blick auf spezielle Vorerkrankungen der Arbeitskollegen geworfen, um im Ernstfall richtig auf diese eingehen zu können.
Die Fahrzeuge der Schreinerei sind mit einer kompletten Sanitätsbox ausgestattet, die zusätzlich eine Notfallkarte und die Nummern der Hausärzte beinhaltet. Zusammen mit der Kursleiterin wurden die Boxen geöffnet und der Inhalt untersucht. «Es war interessant, welchen Verband man am Besten für welche Art einer Verletzung gebraucht», sagt Liechti-Werthmüller. Bei dieser Übung haben die Teilnehmer gemerkt, dass das Kennen des Inhaltes und die richtige Verwendung zwei unterschiedliche Dinge sind.
«Beim Begutachten der Hausapotheke stellten wir fest, dass wir keine Dreiecktücher für grössere Verletzungen zum Stabilisieren oder für Druckverbände haben», erklärt Liechti-Werthmüller. Ebenfalls eine neue und wichtige Erfahrung für viele Mitarbeiter war die Schulung zum richtigen Einsatz eines Defibrillators. Das Ausprobieren eines solchen Gerätes ohne Stress und Angst ermöglicht im Ernstfall eine richtige und zeitgerechte Handhabung, welche die Erfolgschancen merklich erhöht.
Rückblickend war der Samariterkurs für die ganze Belegschaft ein Nachmittag mit grossem Mehrwert. In den vier Stunden von 13 bis 17 Uhr konnte auf alle Anliegen der Teilnehmer eingegangen werden und ein einheitlicher Wissenslevel erarbeitet werden.
«Unser Team besteht aus Skilehrern, freiwilligen Feuerwehrmännern und Jugend-und-Sport-Leitern. Die Inputs der unterschiedlichen Betrachtungsweisen war eine Bereicherung für den Kurs», sagt Liechti-Werthmüller. Zudem sei neben den sachlichen Inhalten und Übungen immer wieder Platz für einen kurzen Spass gewesen.
www.werthmuellerag.chWie viele Samaritervereine in der Schweiz, bietet der Samariterverein Burgdorf gezielte Ausbildungen für KMU an. Zusammen mit den Betrie- ben wird ein Programm erarbeitet, dass auf die geforderten Bedürfnisse eingeht.
Für die Durchführung und die Teilnahme sind keine speziellen Vorkenntnisse nötig. Die unterschiedlichen Vorkenntnisse werden im Laufe des Kurses auf ein einheitliches Grundniveau gehoben.
Der Kurs wird individuell auf den jeweiligen Betrieb abgestimmt. Diese gesetzten Schwerpunkte gehören zum Grundangebot:
Prinzipiell können alle Firmen von einem solchen Kurs profitieren, die ihr Wissen im Bereich Sanitätsdienst und Erste Hilfe aktualisieren möchten.
www.samariter.chwww.samariter-burgdorf.chVeröffentlichung: 19. November 2015 / Ausgabe 47/2015
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