Mehr als ein Lückenfüller


Für glasklares Epoxidharz braucht es einen UV-Blocker, sonst vergilbt das Material recht schnell. Bild: Riva 1920
Für glasklares Epoxidharz braucht es einen UV-Blocker, sonst vergilbt das Material recht schnell. Bild: Riva 1920
Giessharz. Mit Vergussharzen lässt sich Holz zu Möbeln formen, das sonst kaum mehr einen Einsatzbereich finden würde. Das Ganze ist jedoch aufwendiger und schwieriger, als es aussieht. Das zumindest sagen die, die es anwenden, ohne dabei zu viel preisgeben zu wollen.
Eine Zeit lang stand der Einsatz von Giessharzen als Lückenfüller bei rissigem Holz oder Astlöchern hoch im Kurs. Sie wurden oft auch eingefärbt, um einen markanten Kontrast zum Holz zu erzielen. In jüngerer Zeit tauchen wieder öfter Arbeiten mit erheblichem Anteil an Giessharz zwischen eingebetteten Holzteilen auf.
Manchmal stellt das Harz dabei sogar den grösseren Anteil dar. Dabei ist das Verfahren auch für ganz andere Ansätze interessant, wie etwa bei der italienischen Manufaktur Riva 1920. Unternehmer Maurizio Riva suchte nach einer Möglichkeit, die unzähligen bei der Produktion entstehenden Abfallstücke aus Holz sinnvoll zu verwerten. Er fand sie in einer Methode, mit der sonst gerne kleinere Pflanzen für die Ewigkeit fixiert werden: in Harz gegossen.
Bei den sogenannten Vergussharzen gibt es drei verschiedene Typen: Polyesterharze, Polyurethanharze und Epoxidharze. Von all diesen Typen gibt es unzählige Produkte auf dem Markt, auch transparente Ausführungen, die eingefärbt werden können. Es gibt aber wenige, die sich für eine grossflächige Anwendung eignen. «Polyesterharze und Polyurethanharze haben in der Regel ein Schrumpfmass. Bei der Aushärtung ziehen sie sich zusammen und können sich so vom Holz lösen», weiss Mario Burkart von der Burkart & Pfaffen Dekorationsbau GmbH in Bürglen UR. «Epoxidharze weisen in der Regel kein Schrumpfverhalten auf, sind aber im Unterschied zu den anderen Harzen meistens nicht UV-beständig und vergilben somit. Es gibt da ganz wenige Ausnahmen, und genau diese kann man verwenden.»
Fragt man bei den Möbelbauern nach, welche Harze sie verwenden, bekommt man aber meist einfach zu hören: «Es ist Harz.» Die Akteure schweigen sich dazu aus, um welche Harze es sich jeweils genau handelt und wie diese zu verarbeiten sind. Und das hat Gründe. «Die am Markt befindlichen Epoxidvergussharze haben ihre Probleme bei grösseren Dimensionen. Neben dem Vergilben treten vor allem bei grösseren zu giessenden Volumen auch Deformationen, Brüche, Luftblasen oder ein trübes Erscheinungsbild auf», erklärt Andrea Forti, Gründer der Marke Alcarol aus Italien.
Das Unternehmen hat sechs Jahre geforscht und experimentiert, bevor die Schwierigkeiten überwunden waren, die bei den grossvolumigen Arbeiten mit Harz und Holz auftauchen. Heute bettet Alcarol mit eigenen «Formulierungen» der Harze jedes Holz ein – solches, das übersät ist mit Bohrlöchern oder sich im Verfallsstadium durch Pilze befindet – und macht daraus Möbel. «Der Prozess dahin und die nötige Ausstattung sind viel aufwendiger und teurer, als es aussieht. Das Risiko, eine Menge Energie und Geld zu investieren, bevor man brauchbare Ergebnisse erzielt, ist hoch», warnt Forti.
Als Schreiner kennt man Epoxidharz vor allem als hochfesten Zweikomponenten-Klebstoff, der so ziemlich alle Materialien zuverlässig miteinander verbindet. Diese Harze finden aber in vielen Bereichen ihre Verwendung. Etwa um elektrische Bauteile zu isolieren oder in der Produktion von tragenden Flugzeugteilen bzw. für die Herstellung von leichten Faserverbundmaterialien. Dort spielen Epoxidharze eine wichtige Rolle. «Die Harze müssen dann ganz anderen Anforderungen genügen, müssen etwa kurze Reaktionszeiten für Grossserienfertigung aufweisen. Man spricht von Harzsystemen, da weitere Komponenten beigemischt werden, um die gewünschten Eigenschaften präzise einzustellen», erklärt Karlhorst Klotz, Chefredaktor der Fachzeitschrift «Kunststoffe». Im Handwerk müssen solche Systeme eher robust auf Abweichungen von den Idealbedingungen reagieren. Da Holz und Harz eine bemerkenswert stabile Verbindung eingehen, werden Giessharze auf Epoxidbasis auch zur Verstärkung und Reparatur von tragenden Bauteilen eingesetzt.
Grossvolumige Giessarbeiten mit hohen optischen Anforderungen entsprechen weniger der Stossrichtung seitens der chemischen Industrie. «Muss das Harz nicht glasklar sein, sondern wird es eingefärbt, dann kommen mehr Produkte in Frage, die auch funktionieren», so Mario Burkart. Für alle Produkte gelte jedoch, dass man diese nicht in einer Schicht vergiessen könne, sondern in mehreren Schichten aufbauen müsse, so der Experte weiter.
Viel experimentiert hat auch Christian Petkov aus dem deutschen Rostock, der inzwischen ebenfalls mächtige Tischplatten mit Holz und Harz baut. «Es war ein sehr langer und kostenintensiver Weg, die Ergebnisse hinzubekommen. Wir haben mit vielen Herstellern geredet und alle sagten uns, dass solche Dimensionen nicht funktionieren», erklärt Petkov.
Das wollten sie so nicht hinnehmen und probierten viele verschiedene Verfahren aus und änderten die Mischverhältnisse. Das führte oft dazu, dass sie die Projekte immer wieder entsorgen mussten. Entweder war es in der Reaktionszeit viel zu schnell viel zu heiss geworden, oder es wurde einfach nicht fest. Auch waren zum Anfang oft die Schalungen undicht, und die ganze Masse hat sich auf dem Boden verteilt. Es war nicht einfach, da es so viele verschiedene Faktoren gibt, die zu beachten sind, um zu guten Ergebnissen zu gelangen.
Epoxidvergussharze weisen eine Rohdichte von gut einem Gramm je Kubikzentimeter auf und sind damit rund doppelt so schwer wie Holz. Ein hoher Harzanteil sorgt somit für schwere Möbel. Bei der chemischen Reaktion der Komponenten wird Wärme freigesetzt, deshalb gilt es, die Herstellerangaben über mögliche Schichtdicken zu beachten, weil sonst die Hitze enorm ansteigen kann.
Je mehr Masse an Epoxidharz man anrührt, desto kürzer wird die Topfzeit. Um die Arbeitszeit zu verlängern, muss man die Masse reduzieren, etwa indem man die Mischung in eine flache Backform giesst und von dort aus auf das Werkstück appliziert. Bei manchen Produkten kann man die Bildung von Luftblasen durch das Entlüften im Vakuum vermeiden. Bei anderen wiederum führt ein solches Vorgehen genau zum gegenteiligen Effekt. Luftblasen können dann entfernt werden, indem man die Flamme eines Propangasbrenners vorsichtig über die gegossene Fläche führt.
Beim Einbinden von Holz in Harz sollte man immer einen Vorversuch mit dem Originalholz machen. «Denn es kann sein, dass das Harz an den Stirnseiten ins Holz einzieht, was dann unschön aussieht. Vor allem bei eingefärbten Harzen. Wenn das passiert, sollte man das Holz zuerst mit einer Grundierung absperren», so Burkhart. Bei allen geeigneten Harzen muss die Oberfläche nach dem Vergiessen geschliffen und poliert werden.
Deshalb sieht Burkart den Formenbau als nicht so schwierig an. «Die Schalungsform ist nicht so relevant und kann etwa mit kunstharzbeschichteten Platten ausgeführt werden. Die Oberfläche sollte aber mit einem entsprechenden Trennmittel eingestrichen werden.»
Wer eine Tischplatte mit Holzanteil giessen möchte, der braucht aber auch in den Augen Burkarts Zeit und Erfahrung.
www.riva1920.comwww.kunststoffshop.chwww.alcarol.comwww.for-tomorrow.de
Veröffentlichung: 09. März 2017 / Ausgabe 10/2017
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