Lieferfristen und Preise steigen weiter

Die Lagerbestände bei Herstellern und Händlern sind derzeit äusserst tief. Bild: Shutterstock

Markt.  Dass Schreinereien mit Lieferengpässen und Preiserhöhungen bei Materialien wie Holz, Holzwerkstoffen und Zubehörteilen kämpfen, ist bekannt. Jetzt spitzt sich die Lage zu, denn die Auftragsbücher sind voll, die Termine fixiert, und keine Verbesserung der Lage ist in Sicht.

Mit grossem Respekt blickte die Baubranche vor Jahresfrist nach Bundesbern, wo im Rahmen des Coronalockdowns die Schliessung der Baustellen drohte. Diese Skepsis widerspiegelt sich auch in der VSSM-Mitgliederstatistik 2020, in der fast 70 Prozent der Unternehmer die Entwicklung der Marktlage mit schleppend bis rückläufig einschätzten. Doch bekanntlich kam es anders. Ein Grossteil der Schreinereibetriebe war und ist gut ausgelastet. Die Auftragsbücher sind bis heute mehrheitlich voll.

Die erfreuliche Auftragslage wird seit wenigen Monaten getrübt durch Lieferengpässe und hohe Preise. Besonders betroffen ist der Markt von Holz und Holzwerkstoffen, wonach europaweit ein riesiger Bedarf besteht. Dazu kommt die hohe Nachfrage zu überhöhten Preisen aus den USA, was einen starken Anstieg bei den Exporten aus Europa nach Übersee bewirkt. Nicht unwesentlich ist auch die Tatsache, dass China derzeit ein immenses Wirtschaftswachstum verzeichnet. All dies hat zur Folge, dass in Europa und in der Schweiz Rohstoffe fehlen und die Preise stark ansteigen.

Auch andere Rohstoffe betroffen

Betroffen ist aber längst nicht nur die Holzmarktlage. Auch die Preise für chemische Stoffe wie Klebstoffe, Binde- und Lösungsmittel sowie Kunststoffe sind in den letzten Monaten stark gestiegen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Coronabedingt hatten verschiedene Werke ihre Produktion im Jahr 2020 komplett heruntergefahren und den Lagerbestand reduziert. Das begrenzte Angebot, die hohe Nachfrage und die steigenden Transportkosten dieser Stoffe führen zu starken Preiserhöhungen und verteuern Holzwerkstoffe wie OSB-, Sperrholz-, Span- und MDF-Platten zusätzlich.

Lieferfristen bis zu 16 Wochen

Die nun herrschende Unsicherheit bringt den Nebeneffekt mit sich, dass allseitig versucht wird, die Lager zu füllen, was für eine weitere Verknappung und somit auch zu Lieferverzögerungen führt. Die Lieferanten der Schreiner versichern, dass sie um die rechtzeitige Beschaffung der Materialien kämpfen und um marktgerechte Preise bemüht sind. Trotzdem sind die Auswirkungen drastisch: Derzeit sind Lieferzeiten von 10 bis 16 Wochen an der Tagesordnung. Bei den Beschaffungspreisen muss mit einer Erhöhung von bis 60 Prozent und mehr sowie mit kurzfristigen Preisschwankungen gerechnet werden.

Kaum Abhilfe aus dem Schweizer Wald

Der grosse Bedarf an Schnittholz und an verarbeiteten Holzprodukten hat international zu einer unerwartet hohen Nachfrage geführt und resultierte in Lieferengpässen beim Rohstoff Holz. Dies hat auch bei verschiedenen Marktteilnehmern in der Schweiz den Ruf nach Schweizer Holz laut werden lassen. Eine kurzfristige Reaktion auf diese Forderung gestaltet sich jedoch äusserst schwierig. «Die Holzschlagsaison dauert im grössten Teil des Wirtschaftswaldes, hauptsächlich im Mittelland, von September bis Ende April. Somit sind die Liefermöglichkeiten für Schweizer Frischholz praktisch zu Ende», erklärt Florian Landolt, Leiter Kommunikation und Politik von Wald Schweiz. «Zudem sind trotz der angespannten Lage die Preise für Rundholz tief geblieben, und es erfolgte nur eine punktuelle Anpassung an die steigende Nachfrage. Eine markante Erhöhung des Preises ist für diese Saison nicht zu erwarten.»

Der Verband der Waldeigentümer weist in diesem Zusammenhang auf den Umstand hin, dass die kostendeckende Holzproduktion für Waldbesitzer und Forstbetriebe zunehmend schwieriger wird.

Swiss Krono stösst an Grenzen

Auch Swiss Krono, die einzige Herstellerin und Veredlerin von Holzwerkstoffen in der Schweiz, spürt die steigende Nachfrage aus dem In- und Ausland. Standortleiter Roger Braun betont, dass die Anlagen in Menznau LU auf Hochtouren laufen. «Wir produzieren derzeit im 24-Stunden-Rhythmus – und dies sieben Tage die Woche. Die Produktionsstrassen sind voll ausgelastet.» Roger Braun ergänzt: «Im ersten Viertel dieses Jahres konnten wir die Belieferung des Schweizer Marktes zwar um 10 Prozent steigern. Jedoch kommen auch wir nicht um Preiserhöhungen herum.» Die Gründe liegen auf der Hand: Die horrend steigenden Kosten für die chemischen Produkte wie etwa Klebstoffe oder Bindemittel zur Herstellung der Holzwerkstoffplatten sowie die Rohstoffe zur Beschichtung der Platten.

Auch der Beschlägemarkt ist betroffen

Einen weiteren Beweis für die Auswirkungen der weltweiten Produktionsengpässe liefert auch der Beschlägemarkt. «Tatsächlich kämpfen auch wir mit verzögerten Lieferungen in einigen Produktsortimenten», berichtet Hugo Gähwiler, Marketingverantwortlicher bei Opo Oeschger AG. Dazu komme die Preissteigerung bei den Rohmaterialien, was auch beim Beschlägehandelsunternehmen mit Hauptsitz in Kloten ZH zu minimen Anpassungen der Preise führe. «Aber wir versuchen, die Engpässe möglichst gut zu überbrücken. Dabei hilft uns unser grosses Lager und die gute Logistikorganisation», erklärt Gähwiler.

Wenn nur ein Einzelteil fehlt …

Vor echten Herausforderungen steht auch die KMD Industrievertretungen mit Sitz in Ebnat-Kappel SG. Mike Kroll, Geschäftsführer des Spezialunternehmens für Licht und Lichtkonzepte, sucht aktuell vergeblich nach Konstanten. «Ob Einkaufspreise, Transportkosten oder Lieferfristen: Alles steigt ziemlich unberechenbar an.» Für Kroll fällt besonders ins Gewicht, dass der Preis für Aluminium über 60 Prozent angestiegen ist. Schwierigkeiten machen ihm zudem komplexere Lichtelemente. «Wenn nur ein Einzelteil davon nicht geliefert wird, kann ich das Produkt nicht fertig produzieren», erklärt Mike Kroll. Dem Lichtspezialisten kommt nun zugute, dass er gewisse Produkte extra für den Schweizer Markt vorfabriziert hat. «Diese Artikel kann ich nun problemlos bei meinen Lieferanten abrufen.»

Keine Besserung in Sicht

Der Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten VSSM zeigt sich besorgt über die Marktentwicklung und versucht, Architekten, Generalunternehmer, Auftraggeber der öffentlichen Hand sowie Privatkunden für die Situation zu sensibilisieren, in der sich die Schreinerbetriebe befinden. Ebenso versorgt der Branchenverband seine Mitgliedsfirmen mit Informationen, wie sie mit den aktuellen Herausforderungen umgehen können (siehe Kasten rechts), um trotz Lieferverzug und hohen Preisen Aufträge anzunehmen und rentabel auszuführen. Es muss davon ausgegangen werden, dass diese Situation die ganze Branche länger beschäftigen und bis weit in die zweite Jahreshälfte andauern wird.

www.waldschweiz.chwww.swisskrono.comwww.opo.chwww.aabaumanagement.chwww.km-decor.ch

PATRIK ETTLIN

Veröffentlichung: 06. Mai 2021 / Ausgabe 19/2021

Artikel zum Thema

31. März 2025

Kontrollen zeigen Verschlechterung

Holzdeklaration. Die Anzahl der Unternehmen, die Holz und Holzprodukte richtig deklarieren, ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken, und die Qualität der Holzdeklarationen variiert je nach Branche. Dies zeigt der Rückblick auf die Kontrollen des Eidgenössischen Büros für Konsumentenfragen (BFK) im Jahr 2024.

mehr
27. März 2025

Gebogen, um zu bleiben

Dampfgebogenes Holz.  Mit der Kraft von Dampf und jahrhundertealtem Handwerk verwandelt sich massives Holz in geschwungene Formen. Die Technik ermöglicht es, Holz ohne Bruch oder Verleimung zu biegen und so nachhaltige, langlebige Meisterwerke zu erschaffen.

mehr

weitere Artikel zum Thema:

Werkstoffe