Heisses Ländertreffen

Zufriedene Gesichter der Teilnehmer und Experten am ersten Tag des Treffens in Lenzburg. Bild: VSSM

World skills.  Drei Tage lang kamen die World-Skills-Schreiner und ihre Experten aus fünf Ländern in Lenzburg zusammen. Angesagt war intensives Training, fachliche Weiterbildung und jede Menge Spass.

Lenzburg AG im Zentrum der Schweiz: Die Frühlingssonne schien durch die grossen Fenster, aber alleine daran mag es wohl nicht gelegen haben, dass die jungen Leute im Kurslokal der Berufsschule Lenzburg mit Blick auf die Burg tüchtig ins Schwitzen kamen. Vielmehr sägten, schliffen, bohrten und fachsimpelten sie sich heiss. Acht Kandidatinnen und Kandidaten aus Deutschland, Frankreich, Österreich, dem Südtirol und der Schweiz machten sich während dreier Tage mit unglaublich viel Einsatz fit für die World Skills 2019.

Noch vier Monate

Zwar dauert es noch ein paar Monate bis zur Abreise zum Austragungsort, dem russischen Kazan, wo vom Donnerstag, 22. August, bis Dienstag, 27. August, die Word Skills 2019 stattfinden. Doch die Teilnehmenden wissen, dass sie diese wertvolle Zeit nutzen müssen, um sich optimal vorzubereiten. Eine dieser freiwilligen Trainingsstufen ist das Ländertreffen, wo sich die jungen Berufsleute aus der Schweiz und deren Nachbarländern fachlich und auch persönlich kennenlernen. Die erste Auflage dieses Treffens fand 2017 bei der Schreinerei Felder im Tirol statt. Damals waren es vier Teilnehmer.

«Wird schon klappen»

Jetzt ist Frankreich auch mit dabei und macht so aus dem 4-Länder-Training ein 5-Länder-Training. «Stets jenes Land, das Gold holt, lädt vor den nächsten World Skills zum Training ein», erklärte Gastgeber Tobias Hugentobler, der das Treffen im Auftrag des VSSM organisierte und als Experte mit seiner Teilnehmerin Samanta Kämpf vor Ort in Lenzburg war. Und wenn 2019 niemand Gold holt? Daran mochten Tobias Hugentobler und seine Kollegen gar nicht denken. Sie lachten und schüttelten die Köpfe. «Wird schon klappen», sagten sie wie aus einem Mund.

Bereits am Sonntagvormittag reisten die jungen Handwerksleute und ihre Experten an. Jeder brachte mehrere hundert Kilogramm eigenes Werkzeug mit und bezog Quartier im gleichen Hotel. Schliesslich soll man sich beim Ländertreffen auch privat kennenlernen: «Kontakte knüpfen, Netzwerke aufbauen und sich gemeinsam am Erfolg freuen. Auch eventuelle Niederlagen sind gemeinsam besser zu meistern», sagte Tobias Hugentobler.

Die fünf Kandidaten der Kategorie Möbelschreiner trainierten in Lenzburg an einem der drei Originalprojekte, einem Möbel mit Schubladen und Türen mit einer Art Geflecht auf der Front. Die drei Bauschreiner übten an einem Rahmen verschiedene komplexe Verbindungen. Und während die Teilnehmer konzentriert arbeiteten, nahmen sich die Experten kurz Zeit für eine Beurteilung der Lage.

Stimmen von den Nachbarn

«Wir holten 2015 in São Paulo Gold und 2013 in Leipzig Bronze. Offensichtlich sind die Schreiner aus den Ländern des Alpenraums zuverlässig und fleissig», sagte Christian Bachmann aus dem Südtirol, Fachexperte für Möbeltischler.

Dem pflichtete sein Kollege Josef Ukowitz aus dem österreichischen Kärnten bei. «Auch wir sind zuversichtlich. Die Schlitz- und Zapfenverbindungen, die ich heute gesehen habe, sind jedenfalls einwandfrei», sagte er und betonte, dass das Pflaster am Finger des Kandidaten Martin Golautschnik nur ein «Streifschuss» und nicht der Rede wert sei.

Die Gäste aus Frankreich erkannte man am blauen T-Shirt und dem besonders intensiven Kontakt, den sie, der Sprache wegen, mit Jérémie Droz pflegten, dem Teilnehmer aus der Westschweiz.

«Jedes Teilnehmerland ist Favorit. Wir alle kochen nur mit Wasser», erklärte der Experte Michael Martin aus Deutschland, der 2005 selbst an den Word Skills in Helsinki teilgenommen hatte. «Dieser Wettbewerb ist eine grosse Herausforderung und eine einmalige Möglichkeit. Man tritt als Nationalmannschaft in Teamkleidung auf. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke», sagte er.

Alles viel, viel grösser

Erst nach sieben Stunden Arbeit legten die fleissigen Kandidaten ihr Werkzeug zur Seite. Der Experte Roger Huwyler aus Bex VD sagte: «Das Szenario in Kazan kann man sich ähnlich vorstellen wie hier in Lenzburg. Allerdings ist alles viel, viel grösser. Alleine bei den Bauschreinern gibt es 26 Teilnehmende auf rund 600 Quadratmetern Fläche. Die heutigen sieben Stunden Training sind perfekt gelaufen. Jetzt kommt der gesellige Teil, und dieser ist fast genauso wichtig wie das Fachliche.»

www.vssm.ch

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Dabei in Lenzburg
 
Im Bild von links: Pierre Bonifait (F), Jérémie Droz (CH), Alexis Nué (F), Tobias Hugentobler (CH), Loic Royer (F), Roger Huwyler (CH), Robin Françoise (F), Samanta Kämpf (CH), Florian Langenmair (D), Christian Bachmann (I), Leo Moser (A), Florian Meigel (D), Johannes Bänsch (D), Michael Martin (D), Josef Ukowitz (A), Manuel Steiner (I) und Martin Golautschnik (A).

BEB

Veröffentlichung: 02. Mai 2019 / Ausgabe 18/2019

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