Heisse Kurven aus Holz

Experimentelle Sitz-schalen aus Sperrholz, hergestellt in der Zeit von 1941 bis 1945. Bild: Thomas Dix (Vitra Design Museum)

Designgeschichte.  Das Ringen um die perfekte Funktion zeichnet die Arbeit von Charles und Ray Eames aus. Zum 110. Geburtstag von Charles Eames beleuchtet das Vitra Design Museum bei Basel die Arbeitsweise des Designerpaars in vier verschiedenen Ausstellungen aufs Mal.

Charles und Ray Eames gehören zu den bekanntesten Designern des 20. Jahrhunderts. Ihre Möbel werden bis heute produziert. Kein Wunder, denn Design war für sie alles andere als gesuchte Originalität. «Die Aufgabe des Designers ist es, wie ein guter Gastgeber, die Wünsche des Gastes vorauszuahnen», sagte Charles Eames einst. Jedes Möbel musste zuerst die ihm zugedachte Funktion erfüllen. Ihr wurde die Form und damit das Aussehen untergeordnet. Die Eames setzten immer auf ganze Systeme, die kompatibel waren. So konnten Sitzschalen je nach Bedürfnis des Kunden auf unterschiedliche Untergestelle montiert werden.

Hölzerne Beinschienen für die Front

Eine Auswahl ihrer Entwicklungsreihen wird erstmals in einer eigenen Ausstellung namens «Kazam!» im Vitra-Schaudepot Weil am Rhein (D) gezeigt. Werkzeuge, Modelle und Prototypen von Untergestellen aus Draht oder Aluminium zeigen, wie viele Entwicklungsstufen ein Entwurf durchlaufen musste, bis er Serienreife hatte. Die Eames erprobten all ihre Verfahren unermüdlich. Stets waren sie daran, auftretende Probleme zu lösen und die Grenzen des technisch Möglichen weiter zu dehnen.

Experimentalstücke und Studien für ein-, zwei- oder dreiteilige Sitzschalen aus Sperrholz, Aluminium oder Fiberglas veranschaulichen die Suche nach bequemen, ästhetisch ansprechenden und industriell herstellbaren Stühlen, die das Paar für verschiedene Anwendungen einsetzte. Dabei war die Verformung von Sperrholz ein Thema, das sie nie losliess. Ihr erstes Geld verdienten sie mit dieser Technik 1942, als sie eine Methode entwickelten, hölzerne Beinschienen für den Einsatz im Krieg herzustellen. Die US Navy bestellte sofort 5000 Stück. Erst als 1944 die Nachfrage mit dem nahenden Kriegsende zurückging, nahmen die Designer die Möbelexperimente wieder auf.

Ein Geräusch gibt den Namen

Vieles davon entstand auf der Heisspresse zur Verformung von Sperrholz, die das Paar in seiner Wohnung baute. Sie nannten sie lautmalerisch «Kazam!». Mit ihrer Hilfe versuchten sie, dreidimensional verformtes Sperrholz den menschlichen Körperformen möglichst angenehm anzupassen. Das gelang ihnen etwa mit den Plywood-Stühlen oder dem bis heute beliebten, dick mit Leder gepolsterten Lounge-Chair, dessen Untergestell aus Holz geformt ist.

Die Ausstellung «Kazam!» im Schaudepot ist Bestandteil einer vierteiligen Eames-Ausstellung, die in verschiedenen Gebäuden des Museums untergebracht ist. Die Ausstellungen laufen bis zum 25. Februar.

www.design-museum.de

ava

Veröffentlichung: 26. Oktober 2017 / Ausgabe 43/2017

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