Frisch gebackene Läckerli

Der gelernte Schreiner und Gestalter Fabio Rutishauser mit preisgekrönten Stücken der Kollektion von Studio Atebo. Bild: Blickfang

Blickfang.  Die Designer und Möbelbauer der Messe Blickfang sind Feuer und Flamme, ihre Entwürfe endlich wieder einem breiten Publikum präsentieren zu können. Das war kürzlich in Basel so und wird im November auch in Zürich nicht anders sein.

Fabio Rutishauser ist der Gewinner des diesjährigen Designpreises der Blickfang-Messe in Basel. Mit seinen Entwürfen des Labels Studio Atebo in Steinach SG begeisterte der Schreiner und Designer viele der über 8000 Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung Anfang Oktober.

Rutishauser hatte Entwürfe in die Halle 3 der Messe Basel mitgebracht, die – hochwertig verarbeitet – durch besondere Details auffielen. Etwa Tisch und Bank mit schlanken Beinen, deren Verbindungen zum Zargengestell als sanfte Hohlkehle ausgebildet sind, ansonsten aber schlicht und reduziert wirken. «Die Leute bleiben tatsächlich wegen solcher Details stehen. Es ist schön zu sehen, dass so etwas auffällt», erklärt der aus Zürich stammende Möbelgestalter Rutishauser. Rundum hochwertig verarbeitet, weisen auch versteckte Merkmale wie die auf der Unterseite der Tischplatte drehbar gelagerten Falzhölzer auf die Leidenschaft der Beteiligten für handwerklich perfekte Lösungen hin.

Das Eigene wieder zeigen können

Die unmittelbare Rückmeldung von designbegeisterten Konsumenten ist das besondere beim Blickfang-Konzept. Wie in einer Art Design-Kaufhaus können sich Kreative das Feedback vor Ort von der potenziellen Kundschaft direkt abholen und haben so einen Eindruck davon, wie die Produkte am vielzitierten «Point of Sale» ankommen.

«Wir konnten uns erstmals seit zwei Jahren wieder einem breiten Publikum präsentieren und neue Erfahrungen sammeln, wie es nach der Pandemie in der Messewelt weitergehen könnte», erklärt Samuel Blaser, Inhaber und Geschäftsführer der Schreinerei Spicher AG im aargauischen Brugg. Zwar seien die Besucherzahlen noch nicht auf dem Niveau von vor der Pandemie, doch habe es Freude gemacht, mit dabei zu sein und in den Austausch mit den Kunden zu kommen. «Für uns hat es sich gelohnt und wir sind überzeugt, dass diese Plattform Zukunft hat», sagt Blaser.

Einladend feste Bank

«Tischsofa» klingt gut, und im Falle von «Degelo» aus den Werkstätten der Schreinerei Spicher in Brugg AG ist dies auch durchaus angemessen. Die Proportionen sind angenehm, man sitzt bequem und dennoch richtig am Tisch.

Gegenüber vielen Bänken von Schreinern hat man sich bei Spicher für die Polsterung entschieden, was ein folgenschwerer, guter Entschluss war. «Degelo» hat sich zum Verkaufsschlager innerhalb der Kollektion bei der Spicher AG gemausert.

Typisch Schreiner: Die Bezüge und das Längenmass des Tischsofas sind neben den Standard-Angeboten auch frei wählbar. Mit und ohne Seitenlehne fügt sich das Möbel in jede Raumsituation ein.

www.spicher.ch

Ein Handzeig genügt

Holz ist nur ein geringer, aber wesentlicher Bestandteil im ersten Produkt der noch taufrischen Kinisi AG in Binningen BL. Denn die Hängeleuchte hat es in sich. Gedimmt wird das Licht mit einer Geste, ohne Berührung. Dazu haben die beiden Ingenieure der Elektrotechnik mit Affinität zu guter Gestaltung, Silvan Wirth und Marco Scherrer, einen Sensor eingebaut, der auch durch den oberen Abschluss in Holz funktioniert. Mit einem Wisch der Hand wird die Helligkeit gesteuert sowie die Lampe an- und ausgeschaltet. Die Aufhängevorrichtung haben sich die beiden Unternehmensgründer auch selbst ausgedacht. Die Abdeckung an der Decke lässt sich mit einem Click entriegeln und schliessen. Ganz ähnlich die Befestigung der Leuchte. Auch der Holz-Acrylglas-Streifen kann werkzeuglos mittels konischer Kugelarretierung fixiert und gelöst werden, was gerade beim Einsatz in der Küche von Vorteil ist, da sich die Leuchte so schnell abnehmen und reinigen lässt.

www.kinisi.ch

Nicht zu verwechseln

Mit 330 mm Durchmesser bei 470 mm Höhe ist man schon mal versucht, den Beistelltisch von Fabio Rutishauser als Hocker zu «missbrauchen». Steht die zweite, durchmesserstärkere und gleichzeitig niedrigere Variante daneben, ist die Sache klar. Klar ist auch der Entwurf. Drei gebogene Flächen bilden den Unterbau und sind dem Radius folgend in die Tischplatte eingenutet. Ähnlich wie bei preisgekrönter Bank und Tisch macht ein Detail den Unterschied. In diesem Fall der Überstand des Unterbaus über den Rand der Platte.

www.studioatebo.ch

Ehre dem Handwerkzeug

Die aus Massivholz gefertigte und ziemlich salonfähige Werkzeugkiste «Tragbar Casa» enthält einen 134-teiligen Werkzeugsatz. Das Schmuckstück stammt aus dem Hause Hug in Basel, wohl einigen in der Branche wegen der Schreiner-Profi-Werkzeugkiste «Tragbar» bekannt. In der Manufaktur umlaufend auf Gehrung gefertigt, wäre es eine Schande, «Tragbar Casa» irgendwo im Schrank oder gar in der Garage zu verstecken. Vielmehr will das edle Stück gezeigt werden, was den Vorteil hat, dass das passende Werkzeug stets zur Hand ist und so kleinere Reparaturen vielleicht unmittelbar ausgeführt werden. Neben Eiche, Eukalyptus, Nuss-, Birn- und Kirschbaum gibt es «Tragbar Casa» auch in Birkensperrholz.

www.breitegestaltung.ch

Stets zu Diensten

Nie war das Homeoffice so populär wie derzeit. Eine raumsparende und multifunktionale Lösung für den Arbeitsplatz daheim zeigt der Berner Gestalter Michael Wyss mit dem Sekretär «Planus». Das Arbeitsmöbel lässt sich stehend und sitzend nutzen, braucht nur äusserst wenig Platz und hat auch sonst einiges zu bieten für das Schaffen zu Hause. Dazu ist die Rückwand als beschreibbares Whiteboard ausgebildet und dementsprechend auch magnetisch. Aus Buche und MDF gefertigt, in drei Farbtönen lieferbar, findet sich auf der Rückseite eine Steckerleiste für den Stromanschluss der digitalen Arbeitsgeräte.

www.planussekretär.ch

Wirkung ist garantiert

Altholz kann viele Gesichter haben. Ein ganz besonderes Antlitz schenkt «Jäger und Sammler» Tobias Kyburz den Möbeln des gleichnamigen Labels durch die Verwendung von ausgedienten Palettenrahmen der SBB. Jedes Möbel der Kollektion ist deshalb wirklich anders. Davon gibt es inzwischen eine ganze Reihe. Sideboards, Salontische, Betten, Regale oder Wäschetruhen. Das Ganze ist – wie meist bei ideell getriebenem Schaffen – eine aufwendige Sache. Das gejagte und gesammelte Holz wird sortiert, gereinigt, gefügt und wieder sortiert und die Möbel auch im Detail mit besonderen ressourcenschonenden Lösungen wie etwa wiederverwendetem Leder versehen.

Eine recht aufwendige Angelegenheit, die der ausgebildete Werklehrer Kyburz mit seinem Team jedoch mit Leidenschaft verfolgt. Das Ergebnis ist freilich die Mühe wert, und die Preise können sich dabei wahrlich sehen lassen.

www.kyburzmade.com

Messe Blickfang

Nächste Station ist Zürich

Nach der Blickfang ist vor der Blickfang. Inzwischen hat die Designmesse mehrere Standorte. Ein Klassiker darunter ist Zürich. Hier findet die nächste Blickfang statt, vom 19. bis 21. November 2021 im frisch renovierten Kongresshaus. Die nächste Ausgabe in Basel ist bereits vom 25. bis 27. März 2022 wieder an der Reihe.

www.blickfang.com

Christian Härtel

Veröffentlichung: 28. Oktober 2021 / Ausgabe 44/2021

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