Flinke Schreinerin mit viel Ballgefühl

Lea Bucher (rechts) in Aktion: Sie spielt im Mittelfeld des Luzerner U19-Teams. Bild: PD

Neben der Lehre als Schreinerin trainiert Lea Bucher viermal in der Woche auf dem Fussballplatz. Die 19-jährige Obwaldnerin träumt davon, eines Tages als Profi im Ausland zu spielen.

Viel Zeit für anderes bleibt da nicht mehr. Lea Bucher aus Kerns im Kanton Obwalden ist einerseits Schreinerlernende und steht kurz vor dem Berufsabschluss. Andererseits liebt sie Fussball und steht viermal in der Woche auf dem Trainingsplatz des FC Luzern Spitzenfussball Frauen. Und am Wochenende steht meistens ein Meisterschaftsspiel auf dem Programm. «Mein Alltag ist schon sehr verplant, und es ist schon streng, Ausbildung und Sport unter einen Hut zu bringen», sagt die 19-Jährige. «Aber ich bin es mir mittlerweile gewohnt, und ich kann mir die Zeit gut einteilen.» Der Fussball sei ein super Ausgleich zum Beruf und mache ihr grossen Spass.

Seit März dürfen die jungen Fussballerinnen wieder zusammen trainieren. Und seit Mitte April läuft auch die Meisterschaft endlich wieder. Lea Bucher spielt in der höchsten Schweizer U19-Liga. «Die coronabedingte Pause von vier Monaten war schon lange und hart. Ich bin so froh, dass wir wieder im Team sein dürfen. Immer alleine zu trainieren, war sehr langweilig.»

Im Mittelfeld gut aufgehoben

Die Kernserin spielt im Mittelfeld. Manchmal wird sie vom Trainer als Spielmacherin aufgestellt oder dann als Flügelspielerin. «Ich bin schnell und gut im Pässe spielen. Ich fühle mich auf diesen Positionen wohl», erzählt sie.

Mit dem Sport angefangen hat sie mit sechs Jahren beim FC Kerns. «Meine Brüder haben alle gespielt, und ich wollte mit ihnen mit. Bis 15 war ich das einzige Mädchen in der Mannschaft.» Das hat sie aber nicht gestört, und das Geschlecht spielte keine Rolle.

Dann ist Lea Bucher vom FC Luzern Frauen angefragt worden, den Verein zu wechseln. Ab 16 Jahren dürften Frauen und Männer eben nicht mehr zusammen spielen, erklärt sie. «Das Angebot habe ich natürlich gerne angenommen, auch wenn der Weg ins Training einiges weiter ist.» Es sei schon etwas anderes, nur unter Frauen zu sein, sagt sie und lacht. «Es ist lässig. Ich habe mehr Kontakt zu meinen Mitspielerinnen. Und Zickereien gibt es übrigens keine.»

Zuerst spielte sie im U17-Team, nun die zweite Saison bei den U19. Im Sommer hofft sie, den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen. «Der Trainer meint, dass das klappen sollte. Das wäre toll. Da muss ich mich dann wieder beweisen.»

Traum vom Sprung ins Ausland

Der Frauenfussball erhält in der Schweiz immer mehr Beachtung, was sie schön finde, sagt Lea Bucher. Sie träumt davon, eines Tages als Profispielerin im Ausland engagiert zu sein. In Deutschland oder England. «Ich kenne zwei Spielerinnen aus Luzern, die das geschafft haben. Es ist möglich, wenn man hart an sich arbeitet.» Vor einem Jahr hatte sie sogar das Angebot, in den USA an einem College zu spielen. «Das passte vom Zeitpunkt her nicht wegen der Lehre, und ich war auch noch nicht so weit.» Die Obwaldnerin hofft zudem, den Sprung ins Nationalkader zu schaffen. «Es wäre schon toll und eine Ehre, für die Schweiz zu spielen. Bis dahin muss ich noch viel an mir arbeiten.» Ihre Vorbilder sind Ramona Bachmann, die bei Paris Saint-Germain spielt, und Barcelona-Superstar Lionel Messi.

Im Schlussspurt der Lehre

Bevor sie an eine Zukunft als Profispielerin denkt, will Lea Bucher ihre Ausbildung als Schreinerin gut abschliessen. Sie ist im vierten Lehrjahr und sozusagen im Schlussspurt. Sie ist bei der Schreinerei Walter Spichtig AG in Sachseln OW angestellt. Dort gefällt es ihr sehr gut. «Es ist ein kleiner Betrieb mit nur zehn Angestellten und drei Lernenden», erzählt sie. Die Arbeiten seien sehr abwechslungsreich. «Fenster machen wir keine. Dafür Küchen und viele Möbel, zum Beispiel Schränke.» Am liebsten arbeitet sie mit Massivholz. Sie hätte zum Beispiel schon ein Schuhregal für sich selbst hergestellt. Und die IPA, die individuelle praktische Arbeit, ist ein Schreibtisch für ihr Zimmer. «Ich bin damit praktisch fertig. Ich muss ihn nur noch lackieren und zusammenbauen.» Dann müsse sie noch die Dokumentation fertig schreiben.

Dem Abschluss sieht Lea Bucher relativ gelassen entgegen. Sie sei gut unterwegs, sagt sie. Wahrscheinlich könne sie danach im Betrieb bleiben. «Das ist schön. Ich denke aber, dass ich mit der Zeit in Richtung Büro wechseln werde. Die Arbeitsvorbereitung interessiert mich, und ich kann mir gut vorstellen, entsprechende Weiterbildungen zu absolvieren.» Als Frau sei es in der Werkstatt auf Dauer körperlich schon etwas streng, begründet sie. Und die Weiterbildung sei für sie eine super Perspektive – egal, ob es mit dem Profifussball klappt oder nicht.

www.fcl-spitzenfussballfrauen.chwww.spichtig-schreinerei.ch

Nicole D'Orazio

Veröffentlichung: 03. Juni 2021 / Ausgabe 23/2021

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