Eisern dem Holz verbunden


Bei «Yoroi» (2016) vom italienischen Möbelhersteller De Castelli geht Holz mit Metallen eine stabile Verbindung ein. In diesem Fall mit Messing. Bild: De Castelli
Bei «Yoroi» (2016) vom italienischen Möbelhersteller De Castelli geht Holz mit Metallen eine stabile Verbindung ein. In diesem Fall mit Messing. Bild: De Castelli
Metalle. Lange Zeit haben Metalle nur eine Nebenrolle gespielt oder wurden auf technische Anwendungen reduziert. Nun scheint ihre Vielfalt von Architektur und Handwerk neu entdeckt zu werden. Metalle kommen nun im Interieur in vielen Varianten wieder öfter zum Einsatz.
Für viele in der Schreiner- und Holzbranche ist die Welt der Metalle ein ziemlich weit entfernter Stern im Kosmos der Materialien. Holz ist warm und nahbar. Metall dagegen ist kalt. Wenn es sich nicht gerade um den Schmuck aus Gold oder Silber handelt, bleiben Hölzige den Metallen gegenüber meist eher distanziert. Das Aluminium der Führungsschiene für Schiebetürbeschläge, Bänder, Griffe und Scharniere und überhaupt: Beschläge – dann endet aber der Zugang zum Material.
Bei Julia Lütolf ist das anders. Die gelernte Schreinerin ist zuständig für das Werkstoffarchiv der Stiftung Sitterwerk in St. Gallen. Die verschiedenen Metalle, ihre Varianten, Beschichtungen und Möglichkeiten der Oberflächenbehandlungen bilden im Materialarchiv eine wichtige Gruppe. «Die Bandbreite bei den metallischen Elementen ist nicht kleiner als beim Holz. Den Grundstoffen wird schon beim Legieren eine Anmutung oder Farbigkeit mit eingepflanzt. Durch die Veränderung der Basis bei den Grundstoffen entstehen auch unterschiedliche Spielarten bei den Metallen», sagt Lütolf. Selbst Aluminium sei nicht einfach Aluminium. Das Leichtmetall sei vielmehr mit vielen Abstufungen versehen. Die Ziele einer Veränderung von Rezepturen können ganz unterschiedlich sein. Neben veränderten technischen Eigenschaften eines Metalles wie der verbesserten Giessbarkeit oder Schmiedefähigkeit geht es dabei meist um das Färben und damit um den visuellen Eindruck durch eine bestimmte Rezeptur.
In den letzten Jahren sind Metalle sowohl in der Architektur, etwa für Fassaden, als auch im Interieur-Bereich bei Möbelentwürfen und Innenausbauten wieder vermehrt aufgetaucht. Viele Gestalter und Handwerker entdecken die Vielfalt der Metalle und die Möglichkeiten damit neu. «Im Interieur geht inzwischen viel mit Metallen. Es gibt deutlich mehr Möglichkeiten als Edelstahl, auch wenn dieser einfach, praktisch und nach wie vor dominierend ist», sagt Lütolf. Hinter der Metallbearbeitung stecke viel Wissen und Handwerkskunst, wie sie etwa in der Kunstgiesserei St. Gallen praktiziert werde.
Mit zum Trend tragen auch die Produkte von angesagten Marken wie Apple bei. Mit «Gold» und «Roségold» bei den Mobiltelefonen wurden die bis dato wenig verbreiteten Farbtöne erst salonfähig. Nicht zuletzt dadurch hat die ganze Palette an Metallen und ihre Oberflächenausbildung in den letzten Jahren einen deutlichen Schub erfahren. «Wir merken immer deutlicher, dass Schreiner und Holzbauer sich zunehmend auch für die Möglichkeiten mit Metallen in Verbindung mit ihrer Arbeit interessieren. Das betrifft auch die Architektur. Vor allem jüngere Vertreter suchen nach nachhaltigen Varianten für Fassaden, die nicht nur rezyklierbar sind, sondern auch einfach wieder eingesetzt werden können», bestätigt Daniel Vonlanthen, Leiter der Schweizer Niederlassung von VM Building Solutions in Bösingen FR aus eigener Beobachtung die Entwicklung. Immer häufiger würden auch spezielle Oberflächen gewünscht, die dann handwerklich im Metallbetrieb erstellt würden.
Einen Einblick in die Welt der Metalle, ihre Spielarten und Möglichkeiten der Oberflächenbehandlung, gibt derzeit die Ausstellung «Reaktionen auf Metall» in der Schweizer Baumuster-Centrale Zürich. Eine weitere Präsentation zum Thema startet am 17. Juni im Sitterwerk.
Bei den Oberflächen kann man auch so manch vertrautes Verfahren entdecken, das bei Metall aber anders wirkt. Etwa lassen sich rohes Eisen oder Stahl einfach mit Leinöl behandeln. Verzinkte Bleche, mit Klarlack versiegelt, lassen die sogenannten Zinkblumen nach wenigen Jahren markant hervortreten, und wer den japanischen Urushi-Lack auf Kupferblech aufträgt, wird einzigartige Farbgebungen erschaffen.
www.sitterwerk.chwww.vmzinc.chwww.baumuster.chVeröffentlichung: 06. Mai 2021 / Ausgabe 19/2021
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