Eine Lanze für den Pinsel


Die Roh- und Inhalts-stoffe basieren bei heutigen Lasuren oft auf natürlicher Grundlage. Sogar Spielzeuge sind so farbig gestaltbar. Bild: Auro
Die Roh- und Inhalts-stoffe basieren bei heutigen Lasuren oft auf natürlicher Grundlage. Sogar Spielzeuge sind so farbig gestaltbar. Bild: Auro
Lasuren. Ist im Innenbereich eine halbtransparente, offenporige Farbgebung auf Holzoberflächen gewünscht, sind Lasuren heute eine ergänzende Möglichkeit, dies schnell und einfach umzusetzen. Die Mode von strukturierten Oberflächen erlaubt wieder den Griff zum Pinsel.
«Wenn jemand von Lasuren spricht, dann meint er in der Regel Farben für Holz im Aussenbereich», meint Jürg Gisin, Fachberater bei der Balteschwiler AG im aargauischen Laufenburg. Für eine Holzfassade etwa, bei der Gartenbank oder beim Lattenzaun. Dort kommt es weniger auf die perfekte Oberfläche an als auf einen wirksamen und dauerhaften Holzschutz. In der Holzindustrie finden Lasuren zahlreich Verwendung für Fassadenbretter: vorvergraut, farbig eingestellt oder mit UV-Schutz.
Lasuren lassen sich einfach verarbeiten und etwa mit dem Pinsel oder der Rolle auftragen. Es braucht dafür in aller Regel weder eine extra Grundierung noch eine besondere Deckschicht. Je nach gewünschtem Deckungsgrad bei farbigen Präparaten werden einfach ein oder zwei Schichten aufgetragen, bei höheren Ansprüchen an die Oberflächengüte kann auch mal ein Zwischenschliff vorgenommen werden. Neben der Industrie finden Lasuren deshalb vor allem im privaten Gebrauch ihren Platz und natürlich durch den Maler vor Ort. So war das eigentlich immer.
Inzwischen gibt es aber eine Reihe von Produkten am Markt, die zwar ins Reich der Lasuren gehören, aber etwas getarnt daherkommen und dabei neben der einfachen Verarbeitung auch durch gute Eigenschaften und hohe Oberflächenqualität «glänzen». Diese tragen Namen wie «Dekorwachs» oder den Begriff «Aqua» in sich.
Aus der einst schlicht semitransparenten Beschichtung ist heute eine Produktpalette für jeglichen Anspruch geworden: Innen- und Aussenanwendung, transparent sowie farbig, dünnschichtig bis dickschichtig, wasser- oder lösemittelhaltig. Dabei sind sie gegen UV-Strahlung geschützt, biozid eingestellt, öl- oder wachshaltig, vegan und eignen sich sogar für Spielzeug. Das bedeutet, sie sind speichel- und schweissecht. Selbstverständlich ist auch von stumpfmatt bis zur glänzenden Oberfläche alles machbar. Von den chemischen Varianten ganz zu schweigen. Dispersionen, Emulsionen und natürlich auch Suspensionen sind möglich.
Und es gibt auch deckende Holzlasuren.
Die Zeit ist vorbei, als man die Lasur schon am Pinselstrich und an der seidenmatt glänzenden Oberfläche erkennen konnte. Vorbei auch, als Lasuren nur für den Aussenbereich gedacht und mit ihren bioziden Eigenschaften für Probleme im natürlichen Stoffkreislauf verantwortlich waren.
Die Produktpalette hat sich deutlich gewandelt. Mit lasierenden Beschichtungen lassen sich farbige und hohen Ansprüchen genügende Oberflächen auch im Innenausbau erzeugen. Natürlich gibt es die bisherigen Lasuren immer noch am Markt. Solche, die das Holz schützen sollen, aber schon aufgrund der Frassspuren durch Wespen bis ins Holz hinein diesem Auftrag kaum nachkommen können. Diese Lasur ist auch ein Reizthema, für Umweltschützer und für Bienenfreunde sowieso.
Wenn es um Holz im Innenbereich geht, das farbig mit sichtbarer Holzstruktur gestaltet werden soll, kommen für den Schreiner traditionell vor allem zwei Verfahren in Frage: entweder das Beizen mit anschliessender deckender und farbloser Beschichtung mittels Lack oder Öl oder das farbpigmentierte Ölen. Mit beiden Verfahren lassen sich tadellose Oberflächen herstellen, aber nicht ohne einen gewissen Aufwand. Für ein gleichmässiges Ergebnis mittels von farbpigmentierten Ölen braucht es etwas Übung. Vor allem Hirnholz nimmt die Farbpigmente schnell auf und nicht selten kommt es so zu einem etwas scheckig erscheinenden Oberflächenbild, das sich nur schwer vermeiden und korrigieren lässt.
Mit heutigen farbigen Lasuren, frei von VOC und aus natürlichen Rohstoffen hergestellt, kann eine halbtransparente Farbgebung von Holz dagegen relativ einfach erstellt werden. Diese sind nicht nur gut schleifbar, sondern auch analog dem Beizen aufzutragen oder mit einem Tuch zu egalisieren. Neben dem raschen Arbeitsfortschritt und der einfachen Handhabung sind Lasuren auch äusserst ergiebig.
Bei der Farbgebung stehen Lasuren jedoch im Innenausbau traditionell wenig im Blickfeld des Schreiners. Denn Pinselarbeiten werden oft dem Maler zugeschrieben oder gehören in den Do-it-Bereich. Was aber, wenn gar nicht perfekt glatte und geschliffene Flächen gefragt sind, sondern haptisch fühlbare Holzoberflächen farbig gestaltet werden sollen? Wenn etwa Altholz, sägeraue oder gebürstete Holzoberflächen eine halbtransparente, farbige Oberfläche erhalten sollen? Nicht nur, aber vor allem dann können zeitgemässe Lasuren durchaus eine interessante Alternative zu den bekannten Verfahren sein.
Voraussetzung ist, man findet das richtige Produkt, auch wenn die Lasur dann vielleicht nicht Lasur heisst. Das könnte dann auch daran liegen, dass die Lasur in Wirklichkeit eine Emulsion ist. Bei dieser liegt die Farbe in flüssiger Form vor.
Kategorien helfen wenig
Wie aber findet man ein passendes Produkt? Aufgrund der Vielfalt der am Markt befindlichen Formulierungen der Lasuren macht es Sinn, sich eher durch die «klassische» Betrachtungsweise nach dem Einsatzzweck als durch mögliche schulmässige Definitionen zu nähern. Denn eine vegane, ökologische, farbige Holzlasur unterscheidet sich zu einem farbpigmentierten Ölpräparat aus Leinsamen bei einer Innenanwendung im Ergebnis kaum. Das bestätigt auch Hanspeter Niggli, der Geschäftsführer der Thymos AG in Bern.
Relevant ist in der Praxis Folgendes: «Dort, wo das Holz grossen Quell- und Schwindvorgängen ausgesetzt ist, muss die Beschichtung ‹weich› sein. Diese muss die Bewegungen mitmachen können, möglichst ohne zu reissen», weiss Gisin. Deshalb kommen dann dünnschichtige Lasuren oder Öle zum Einsatz, die entsprechend formuliert sind – etwa bei Terrassenböden.
Beschichtungen für den Innenbereich müssen anderen Anforderungen genügen, wie etwa der Resistenz gegenüber Reinigungsmitteln oder dem mechanischen Abrieb. Öle können durch Zusatzstoffe auch hart formuliert sein und sich so für Küchenabdeckungen und Parkettböden eignen.
Lasuren sind gegenüber mechanischer Belastung dagegen prinzipiell anfälliger. Dafür punkten diese auch hinsichtlich dauerhaftem Feuchteschutz unter wechselnden Belastungen. Das können Bäder mit ihren schwankenden klimatischen Verhältnissen sein oder auch der Eingangsbereich eines Hauses.
«Seidenmatt» ist heute wenig gefragt, aber auch darauf sind Lasuren schon lange nicht mehr reduziert. «Im Trend liegt etwa die rein natürliche, stumpfmatte, geruchsarme, schnelltrocknende, wässrige Öl-Emulsion. Sie ist nach Kundenwunsch pigmentierbar, einfach verarbeitbar und auch mit jedem gängigen Anstrichsystem wieder überstreichbar», erklärt Niggli. Vor allem die letztgenannte Eigenschaft ist interessant. Eine Dünnschichtlasur lässt sich später, zumindest innerhalb eines Herstellersystems, leicht in eine deckende oder andersfarbige Oberfläche überarbeiten. Das ergibt einen Vorteil bei wechselnden Bedürfnissen und Modetrends.
Die «Eco Proffs»-Holzlasur aus dem Hause Thymos ist eine wasserbasierte und tuchmatte Holzlasur, die für Hart- und Weichhölzer im Innenbereich geeignet ist. Sie isoliert optisch Äste und verzögert die Vergilbung des Holzes, ist diffusionsoffen und nach vier Stunden überstreichbar. Inhaltsstoffe sind laut Hersteller vor allem Wasser, Schellack, Naturharz, Kasein und Pigment. Entweder farblos oder nach den Farbtafeln NCS und RAL eingefärbt, reicht ein Liter für etwa zehn Quadratmeter.
Oder die farbigen Dekorwachse von Osmo, bei deren Produkten in der Schweiz die Balteschwiler AG als Ansprechpartnerin für Profis zur Verfügung steht. Die Oberfläche ist schmutzunempfindlich, wasserabweisend, abriebfest und griffsympathisch. Der Anstrich ist speichel- und schweissecht. Die Inhaltsstoffe werden vor allem auf Basis natürlicher pflanzlicher Öle und Wachse wie Sonnenblumen-, Soja- und Distelöl sowie Carnauba- und Candelillawachs gewonnen. Darüber hinaus sind laut Deklaration des Herstellers Paraffine, Eisenoxid- und organische Pigmente, Titandioxid (Weisspigment) sowie Sikkative (Trockner) und wasserabweisende Additive enthalten.
Eine so lasierte Fläche lässt sich mit anderen, auch farbig deckenden Beschichtungen aus dem System überarbeiten, da die Lasur gut schleifbar ist und die Funktion einer Grundierung übernehmen kann.
Wie bei jedem Oberflächensystem ist es auch bei der Verarbeitung von Lasuren wichtig, im jeweiligen Portfolio eines Produzenten zu bleiben. Das wird im Do-it-Bereich meist wenig berücksichtigt, wofür die Lasuren aber nicht verantwortlich sind.
www.balteschwiler.chwww.thymos.chwww.auro.chwww.biofa.comwww.leinos.dewww.osmo.deVeröffentlichung: 18. Mai 2017 / Ausgabe 20/2017
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