Eine durchgehende Grifflinie

Die Linie des Mulden-griffes bildet einen starken Akzent im Frontbild der Küche. Bild: Swiss Krono

Griffe.  Möbelkuben, die ganz ohne vorstehende Elemente auskommen, sind im Trend. Das heisst aber nicht, dass sie grifflos sein müssen. Griffmulden und Griffleistensysteme schaffen lineare Vertiefungen in der Front, die auch gestaltend eingesetzt werden können.

Puristisch, funktional und kubisch, so werden moderne Küchen am liebsten gesehen – als Arbeitsplatzmöbel, die viel Stauraum bieten und einen schnellen Zugriff auf jedes enthaltene Teil garantieren. Küchenmöbel sind aber auch Teil des Wohnraumes und sollen dafür besondere Qualitäten haben. Der Küchenhersteller Emme lanciert beispielsweise mit seiner Modelllinie «Herzblatt» eine emissionsfreie Linie mit den «Beyond»- Platten von Swiss Krono. Die rein grifflose Ausführung entspricht dem Zeitgeist und bietet geschlossene, glatte Fronten, ohne vorstehende Elemente wie Griffe. Das wirkt für manchen Betrachter dann doch etwas monolithisch. Eine einzelne, horizontal durchlaufende Griffmulde pro Front bietet auf charmante Weise eine optische Auflockerung, ein eigenständiges Bild, ohne dass doch noch etwas vorstehen muss. Da die jeweilige Front zwischen den Sichtseiten liegt, ist das Muldenprofil bei dieser Emme-Küche seitlich nicht sichtbar.

Zusätzlicher Raum zum Greifen

Eine Griffmulde entsteht durch das Setzen eines u-förmigen Profils zwischen den Korpusseiten. Es schafft genügend Platz für die Finger, damit eine Schranktür oder Schublade, die umlaufend gleiche Kanten hat, gegriffen und somit geöffnet werden kann. Bei Unterschränken verlaufen die Profile normalerweise horizontal, bei Hochschränken vertikal. Für Oberschränke gibt es ein winkelförmiges Profil, das mit der Falzseite nach unten auf die Vorderkante des Unterbodens aufgesteckt sowie verleimt wird und so den Zugriff auf die Türkante von unten zulässt. Heutige Muldenprofile werden in der Regel aus Aluminium hergestellt und können eloxiert oder mit Pulverbeschichtung ausgeführt werden.

Je nach Hersteller ist die standardmässige Farbpalette mehr oder weniger gross. Besonders die Ackutech AG in Rotkreuz ZG und die Beat Bucher AG in Tägerwilen weisen schon in ihren Unterlagen darauf hin, dass individuelle Pulverbeschichtungen auch bei Kleinmengen möglich sind.

Bei einer aufschlagenden Front werden die Profile bis zu den Aussenflächen der Seiten geführt, wozu die Seiten wie auch alle Mittelwände ausgefräst werden müssen. Für die Aussenabschlüsse gibt es Abdeckungen aus Kunststoff in den Standardfarben. Zur Befestigung gibt es Metallwinkel, welche vorgängig in die Profile eingeschoben werden. Die SFS Unimarket AG mit Sitz in Heerbrugg SG bietet ein System mit Kunststoffhalterungen an, auf welche die Aluprofile nachträglich aufgeklipst werden, was eine recht einfache Montage verspricht.

Griffe, die auf der Frontkante liegen

Alle Profile, die man auf der Kante einer Frontplatte befestigt, werden Griffleisten genannt. Sie müssen dazu nicht unbedingt jeweils über die ganze Kantenlänge gehen, sondern können beispielsweise auch nur vertikal über die unteren zwei Drittel einer Hochschranktür reichen. Detailliertere Typenbezeichnungen gibt es offenbar keine, da die Anbieter allenfalls einen Modellnamen führen, ansonsten aber die Profile mit Nummern bezeichnen. Dennoch lassen sich vier grundlegende Typen von Griffleisten unterscheiden, von denen Angebote am Markt vorhanden sind. Und es kommen mit Sicherheit noch neue Spielarten dazu.

Filigrane Greifkante

Wer die greifbare Kante einer Front möglichst fein und dennoch stabil ausbilden möchte, kann statt des Muldenprofils auch eine Traverse aus Plattenmaterial oder Massivholz setzen. Dann wird die Frontkante so geformt und mit einem Profil versehen, dass wieder genügend Platz für die Finger zur Verfügung steht.

Beschichtete Spanplatten sind zu wenig stabil, als dass man einfach einen Falz in die Plattenkante kehlen und am verbleibenden Steg dauerhaft diese Möbeltür öffnen kann. Daher bietet beispielsweise die Häfele Schweiz AG in Kreuzlingen TG ein winkelförmiges Profil sowie ein Schrägprofil aus Aluminium an, welche die gefrästen Kantenbereiche bedecken, stabilisieren und so dauerhaft nutzbar machen.

Aufsatzgriffe

Muldenartige Griffe können auch an der Front selber sein: Wie ein auf die Frontplattenkante aufgesetzter Muschelgriff in Türbreite präsentiert sich beispielsweise das Griffmodell 759 des italienischen Herstellers Cosma. Das kastenförmige Aluminiumprofil mit einer Greiflippe oben verfügt über seitlich aufgesteckte Alu-Kappen und schliesst bündig mit der Front ab. Mit den 35 mm Höhe entspricht das sichtbare Profil auch etwa dem, was bei einem Muldengriff als Freiraum für die Finger gegeben werden muss – schliesslich will sich niemand die Finger einklemmen. Ähnliche Profile gibt es von verschiedenen anderen Anbietern, nur haben die in der Regel keine seitlichen Abschlüsse, sondern laufen offen zum nächsten Griffprofil hindurch.

Geteilte Griffe

Stark im Trend sind Griffleisten, bei denen ein U-Profil den Griff des oberen Frontelementes bildet. Ein entsprechendes L-Profil auf der Kante des unteren Frontelementes enthält dann auch gleich die Rückwand der Griffmulde. An einem Unterschrank ist so aus stehender Betrachterposition die horizontale Fuge zwischen den Schubladdoppeln gar nicht ersichtlich. Damit die Griffleiste durchgehend über die ganze Küchenfront weiterläuft, gibt es Doppelprofile, die das obere und das untere Frontelement bei einem Hochschrank verbinden.

Vergleicht man diese Art Modelle aller Anbieter, so gibt es zwei Grundtypen. Beim einen ist das Aluminiumprofil auch auf der äusseren Frontfläche als breiter Streifen erkennbar, beim anderen sieht man lediglich die Profilrückwand.

Eine gute Verklebung ist wichtig

Alle Profile, die auf eine Frontkante gesetzt werden, haben einen gerippten Verleimkamm zum Einnuten. Dieser wird von beiden Profilenden her etwas zurückgefräst, weil dieser Kamm am fertigen Element nicht sichtbar sein soll. Im Übrigen muss die Profilfräsung an der Plattenkante exakt zum Griffleistenprofil passen, und auch die Längen beider Teile müssen genau übereinstimmen. Das Profil ist nicht nur ein Griff, sondern übernimmt auch die Schutzfunktion der jeweiligen Kante. Und gerade in einer Küche bringen schon nasse Hände viel Feuchtigkeit an solche Stellen.

Für die Verklebung kommen viele Klebeprodukte infrage. Aber es lohnt sich, bei den Leimherstellern und -anbietern nachzufragen, um alles richtig zu machen. Bei der SFS Unimarket AG empfiehlt man zwei Produkte von Kleiberit: den PUR-Montagekleber 568.0 und den PUR-Schmelzkleber 700.5. Der Montagekleber schäumt nicht auf, braucht aber eine Presszeit von mindestens 15 Minuten. Der Schmelzkleber wird mit einer Heissleimpistole aufgetragen und kommt ohne Presszeit aus.

Die vorstehende Version

Der vierte Typ ist vorstehend wie gewöhnliche Griffe auch. Das Profil wird aber auch auf die Frontkante mit einem Verleimkamm aufgeklebt. Speziell ist, dass das über die Front vorstehende Greifprofil von beiden Enden her auf verschiedene Weise gefräst werden kann. Je nachdem, wie diese Fräsform und deren Strecke ausgebildet ist, ergibt das ganz unterschiedliche Wirkungen. Von der Opo Oeschger AG in Kloten ZH etwa werden unterschiedlich geformte Griffleisten in den Frontbreiten angeboten.

In manchen Fällen erlaubt erst die Kombination von Griffleisten oder Muldengriffen mit grifflosen Frontelementen, gut gestaltete, elegante Fronten zu erreichen, wie jene von Emme.

www.ackutech.chwww.bbag.chwww.sfs.chwww.hafele.comwww.cosma.design/dewww.opo.ch

Andreas Brinkmann

Veröffentlichung: 03. Juni 2021 / Ausgabe 23/2021

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