Ein Tempel der Kultur

Die Fassade des Stadtcasino Basel sieht aus wie Stein, ist aber aus Holz. Bild: Roman Weyeneth/Stadtcasino Basel

Umbau. Das Stadtcasino Basel erstrahlt in neuem Glanz. Es lohnt sich genau hinzusehen, denn der Innenausbau wie auch die Gebäudehülle haben es in sich.

Die vier Jahre Bau- und Renovierungszeit haben sich gelohnt. Das Architekturbüro Herzog & de Meuron hat es geschafft, dem Stadtcasino Basel in besonderer Weise neues Leben zu schenken. Im Laufe der Zeit hat das historische Konzerthaus so manche Um- und Anbauten erfahren. Zusammen mit der Denkmalpflege haben die Architekten es auf das Erscheinungsbild von 1905 zurückgeführt und werden dabei trotzdem den heutigen Ansprüchen an ein Konzerthaus gerecht.

Zweckmässig in Holz

Schon beim genauen Blick auf die neubarocke Fassade zeigt sich eine Besonderheit. Denn diese wurde in Holz ausgeführt. Ein architektonischer Coup, weil das Erscheinungsbild erhalten blieb und gleichzeitig getreu dem Originalbild neu erschaffen wurde. Die gewünschte räumliche Erweiterung des Kerngebäudes erforderte auch eine neue Fassade. Dazu wurde die durch Anbauten weitgehend verdeckte Stehlinsche Rückfassade digital erfasst und als hinterlüftete Variante in Holz nachgebaut. «Bereits bei der Erstellung des Musiksaals im 19. Jahrhundert wurden gewisse Bauteile entgegen ihrer eigentlichen Erscheinung in Holz ausgeführt und angestrichen», so der Projektbeschrieb von Herzog & de Meuron.

Innen reich ausgestattet

Auch die Säulen des Musiksaals wurden aus akustischen Gründen nicht aus Stein, sondern in Holz gebaut und mit einer steinern anmutenden Bemalung versehen. Im Inneren finden sich neobarocke, klassizistische und zeitgenössische Elemente, die in einer Gesamtarchitektur zusammengeführt wurden.

Der grosse Saal sieht heute wieder so aus, wie im Jahre 1905. Wichtiges Element dabei ist der originalgetreue Nachbau der insgesamt 1388 Klappsitze. Diesen Auftrag hat Girsberger Customized Furniture anhand von Abbildungen und Fotografien ausgeführt. Zunächst hat das Unternehmen Prototypen erstellt, um Sitzkomfort, Klappmechanismus und auch die genauen Abmessungen samt Materialisierung und Farbgebung bestimmen zu können. Neben den gepolsterten Klappsitzen aus geräucherter Eiche und Velourstoff galt es auch, die mit Rattangeflecht bespannten Klappstühle auf der Empore des Hans-Huber-Saals instand zu setzen. Auch mit der Realisierung der grossen Sitzbank im Hauptfoyer sowie der Baldachine wurde Girsberger betraut. «Für uns sind solche Projekte mehr als spannend. Teil dieser einzigartigen Geschichte zu sein, macht uns stolz», sagt Davide Mastrodomenico, verantwortlich für den Geschäftsbereich Customized Furniture.

Christian Härtel

www.stadtcasino-basel.ch
www.girsberger.com 

Veröffentlichung: 05. Dezember 2020

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