«Ein Bürojob wäre für mich nicht in Frage gekommen»


Das Bademöbel und den passenden Schrank hat Levinia Strebel selbstständig herstellen dürfen. Bild: PDt
Das Bademöbel und den passenden Schrank hat Levinia Strebel selbstständig herstellen dürfen. Bild: PDt
Monatsinterview. Als erster grösserer Auftrag, den sie alleine bearbeiten durfte, hat Levinia Strebel ein Bademöbel mit Schubladen und einen passenden Schrank produziert. Seit sie im zweiten Lehrjahr als Schreinerin ist, freut sie sich, immer mehr Verantwortung übernehmen zu dürfen.
Levinia Strebel: Ja, das meiste durfte ich selber vornehmen. Ich habe die Spanplatten zugeschnitten und die Kanten angeleimt. Der Maschinist hat mir anschliessend beim Bedienen des CNC-Bearbeitungszentrums geholfen. Danach habe ich die Möbel alleine zusammengebaut. Bei der Montage auf der Baustelle war ich allerdings nicht mit dabei.
Eigentlich schon. Während der Arbeit sind immer mal wieder Fragen aufgekommen und ich habe mich sicherheitshalber an meinen Berufsbildner gewandt. Ich habe mir angewöhnt, lieber viel zu fragen. Ich habe schon auch einfach probiert. Aber es hat mich jeweils geärgert, wenn etwas schief gelaufen ist.
Vorher habe ich ein kleineres Badmöbel herstellen dürfen, ein anderes Mal einen Schrank. Ich finde es lässig, dass ich immer häufiger solche Arbeiten übernehmen darf, seit ich im zweiten Lehrjahr bin.
Ab Mitte des ersten Lehrjahres durfte ich schon viel mit Massivholz arbeiten, und das schon relativ selbstständig. Ich werde auch auf der Baustelle eingesetzt, aber weniger als die zwei älteren Lernenden. Das hat damit zu tun, dass einige Möbel und Objekte für mich halt einfach zu schwer sind. Aber das ist okay. Ich bin sowieso lieber in der Produktion tätig als draussen auf Montage.
Ich finde, dass ich in der Werkstatt mehr machen kann. Auch selbstständig. Die Baustelle stellt für mich aber kein Problem dar.
Es gefällt mir sehr gut. Zu Beginn der Ausbildung hatte ich etwas Mühe, weil ich sehr müde war und die Beine geschmerzt hatten, da ich es nicht gewohnt war, so viel zu stehen. Mittlerweile hat sich das aber eingependelt und ist kein Thema mehr. In der Berufsschule gefällt es mir ebenfalls gut. In der Klasse sind wir fünf Mädels.
Ich habe verschiedene Berufe angeschaut. Zum Beispiel Hotel-Kommunikationsfachfrau und Innendekorateurin. Bei Letzterem habe ich festgestellt, dass diese oft auf dem Boden arbeiten. Das fand ich nicht so toll. Meine Tante ist gelernte Schreinerin und ich habe mich wegen ihr für den Beruf interessiert. Bisher habe ich es nicht bereut.
Ich finde es schön, dass man immer etwas am Machen ist, und nicht immer das Gleiche. Mir gefällt auch, dass ich sehe, was ich produziert habe. Ein Bürojob wäre für mich nicht infrage gekommen, da ich Legasthenikerin bin und Mühe beim Lesen und mit der Rechtschreibung habe. Mittlerweile habe ich diese aber einigermassen gut in den Griff bekommen.
Es gefällt mir gut. Auch weil der Betrieb relativ nahe vom Zuhause ist. Ich habe zwei ältere Mitlernende und im Sommer hat ein Unterstift angefangen.
Noch nichts Fixes. Ich habe ein paar Ideen. Ich könnte mir vorstellen, in Richtung Avor zu gehen oder eine Zweitlehre zu machen. Bald erhalte ich die Ausschreibung für den Lernendenwettbewerb, bei dem wir das Möbel im dritten Lehrjahr abgeben müssen. Darauf freue ich mich. Das wird mein erstes eigenes Möbel.
Interview mit:
Levinia Strebel aus Rottenschwil im Kanton Aargau. Sie ist 17 Jahre alt und befindet sich im zweiten Lehrjahr als Schreinerin bei der Hüsser Innenausbau AG in Bremgarten AG. Die Berufsschule besucht sie in Lenzburg AG. In ihrer Freizeit nimmt sie einmal in der Woche an einem Hip-Hop-Kurs teil. Ihr Musikgeschmack geht aber über Hip-Hop hinaus, sie h.re sich Songs verschiedener Stilrichtungen an, wie sie erzählt. In der sonstigen Freizeit trifft sie sich gerne mit Freundinnen und übt schon fleissig, Auto zu fahren.
Nicole D'Orazio
Veröffentlichung: 03. November 2022 / Ausgabe 35/2022
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