«Der Chef hat meine beste Zeichnung ausgewählt»

So sieht der neue Messestand der Obrist Interior AG aus, den Nando Buchmann produziert hat. Bild: Obrist Interior AG

Die Obrist Interior AG aus Inwil LU hat auf Social Media ihren neuen Messestand präsentiert. Produziert hat ihn Nando Buchmann, Lernender im zweiten Jahr. Wie das gelaufen ist, erzählt der 17-Jährige im Monatsinterview.

 

Wie bist du zum Auftrag, den neuen Messestand herzustellen, gekommen? Und was durftest du selbst machen?

Nando Buchmann: Mein Berufsbildner hat mich gefragt, ob ich Lust hätte. Natürlich war ich dabei. Denn ich durfte nicht nur produzieren, sondern auch planen.

Wie ist der Auftrag gelaufen?

Mein Vorgesetzter hat mir seine Grundidee vorgestellt. Danach habe ich verschiedene Freihandskizzen gemacht und ihm meine Vorschläge gezeigt. Von diesen hat er die beste ausgewählt. Anschliessend durfte ich die Pläne entwerfen, mit dem CAD zeichnen und dann die zwei Korpusse und die TV-Wand produzieren. Als Hintergrund wurde zudem ein Stoffbild bedruckt. Mein Chef hat mich unterstützt, und mein Oberstift im vierten Jahr hat die Fräsungen auf der CNC übernommen. Den Rest durfte ich selbst machen, was ich toll fand. Es ist auch gut gelaufen. Beim Zeichnen musste ich auf die vielen Details achten und habe auch mal eines vergessen. Das Logo hat einige Zeit in Anspruch genommen, weil ich zuerst schauen musste, wie ich die Fräsung richtig planen muss.

Hast du Vorgaben erhalten?

Ja, der Messestand sollte möglichst einfach auf- und abbaubar sowie mit einem kleinen Lieferwagen zu transportieren sein. Das Ziel war, ihn am Unternehmenstag Holz der Berner Fachhochschule in Biel Ende März einzusetzen. Ich hatte also einen fixen Abgabetermin.

Konntest du diesen einhalten?

Ja, das ging gut. Insgesamt habe ich zirka eine Woche aufgewendet, aber nicht alles am Stück. Ich musste auch auf die CNC-Fräsungen warten.

Welche Materialien hast du verwendet?

Die Fichtenlamellen für die Korpusse und die TV-Wand hat mir mein Chef vorgegeben. Beim Rest habe ich geschaut, was wir an Lager hatten und was passte. Die Korpusse bestehen aus schwarz beschichteten Spanplatten, das Logo aus einer schwarzen MDF-Platte, die mit Alukunstharz belegt ist.

War das der erste Auftrag, den du mehrheitlich selbstständig abwickeln durftest?

In diesem Umfang ja. Ich fand das sehr cool, und freue mich, wenn ich das bald wiederholen darf. Dabei habe ich viel gelernt, und die Arbeit war abwechslungsreich.

War die Schreinerlehre deine erste Wahl?

Ehrlich gesagt, nein. Als Bub war ich zwar sehr gerne in der Werkstatt meines Vaters, der auch Schreiner ist. Doch dann haben sich meine Interessen verändert, und ich wollte Maurer, Strassenbauer oder Automatiker werden. Ich bin dann eher zufällig wieder bei der Schreinerlehre gelandet. Denn während der Coronapandemie wurde eine geplante Schnupperwoche abgesagt, und ich bin dann eben zu meinem Vater in den Betrieb gegangen und merkte, dass Schreiner doch etwas für mich wäre. Heute bin ich sehr glücklich damit.

Wie bist du zur Obrist Interior gekommen?

Ich habe im Betrieb geschnuppert und war begeistert. Das Unternehmen hat inzwischen 80 Mitarbeitende. Wir sind fünf Lernende und kommen sehr gut miteinander aus.

Wie sehen deine Aufgaben im Alltag aus?

Meistens bin ich im Bank- oder Maschinenraum eingeteilt. Da das Unternehmen vor allem im internationalen Ladenbau tätig ist, sind wir Lernenden nur wenig bei der Montage dabei. Das fehlt mir aber nicht, denn ich bin gerne im Betrieb.

Welche Arbeiten magst du?

Mir gefällt es allgemein, handwerklich tätig zu sein. Toll finde ich, neben dem Holz mit verschiedenen Materialien wie Glas, Alu oder Messing arbeiten zu können. Feine Arbeiten finde ich spannend und herausfordernd.

Gehst du gerne zur Schule?

Einen Tag die Woche Berufsschule finde ich eine schöne Abwechslung. Leider habe ich bis nach Willisau einen weiten Weg, fast zwei Stunden. Aber es lohnt sich, wir sind eine tolle Klasse.

Weisst du, was du nach dem Abschluss machen möchtest?

Ich kann mir vorstellen, die Berufsmatura während eines Jahres zu absolvieren. Dann wäre ein Studium in Richtung Architektur eine Möglichkeit. Aber mir bleiben ja noch zwei Jahre. Und wegen des Militärs muss ich auch noch abwarten.

Interview mit

Nando Buchmann (17) aus Inwil im Kanton Luzern. Bei der Obrist Interior AG, auch in Inwil, absolviert er gerade das zweite Lehrjahr als Schreiner EFZ. In seiner Freizeit spielt der Luzerner gerne Fussball. Er gehört den Junioren B des Teams Seetal an und trainiert dreimal die Woche, dazu kommt am Wochenende meistens ein Match. Seine Position ist der rechte Flügel. Ein Idol hat er nicht. Als Zuschauer geht Buchmann selten an Fussballpartien. Der italienische Fussball interessiert ihn aber. Dort findet er die AC Milan gut. Zweimal in der Woche geht der 17-Jährige zudem ins Gym.  

Nicole D'Orazio

www.obrist-interior.ch

Veröffentlichung: 04. Mai 2023 / Ausgabe 18/2023

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