«Das Furnieren war sehr zeitaufwendig»


Das Sideboard aus Kastanienfurnier hat Mike Müller produziert. Es steht nun in der Ausstellung. Bild: Walter Bochsler AG
Das Sideboard aus Kastanienfurnier hat Mike Müller produziert. Es steht nun in der Ausstellung. Bild: Walter Bochsler AG
Für die Ausstellung seines Arbeitgebers, der Walter Bochsler AG in Urdorf ZH, produzierte Mike Müller ein furniertes Sideboard mit abgerundeten Ecken. Was dabei anspruchsvoll war, erzählt der 17-Jährige im Monatsinterview.
Mike Müller: Mein Chef meinte, ich solle mich diesem Prototyp annehmen. Das Sideboard wurde im Betrieb designt und soll in die Ausstellung und als Möbel von Kunden erworben werden. Wenn es jemanden anspricht, soll es nach individuellen Wünschen angepasst werden können. Ab und zu darf ich solche schönen Möbel herstellen.
Die beiden Ecken links und rechts sind abgerundet. Der Aufbau des Kastanienfurniers läuft über das ganze Möbel, auch über die Kanten. Das Zusammensetzen des Furniers war knifflig, weil später die Übergänge exakt stimmen mussten. Besonders bei den Kanten war das herausfordernd.
Die Korpusse sind aus Spanplatten, das Furnier ist aus Kastanie.
Gut 70 bis 75 Stunden, es war aufwendig. Die Rundungen und das Furnieren haben am meisten Zeit gebraucht. Mein Berufsbildner hat mir geholfen. Er hat ebenfalls noch nie ein Möbel furniert, bei dem das Bild über die Kanten weiterläuft. Wir mussten etwas pröbeln und schauen, dass die positionierten Teile in der Furnierpresse nicht verrutschen. Davor habe ich noch die Schablonen für die Rundungen und den Deckel hergestellt.
Zuerst habe ich die Rohlinge der Ecken verleimt. Die Schablone war aber auf den Radius des fertigen Werkstücks berechnet. Deshalb musste ich beim Formverleimen des Rohlings Blindfurnier dazulegen, um die richtige Dicke zu erhalten. In einem zweiten Schritt habe ich die Rohlinge dann furniert. Das Deckfurnier habe ich zuvor mit einem zweiten Furnier gesperrt, damit es beim Verpressen sicher nicht bricht.
Es ist zwar nicht alles perfekt verlaufen, doch dafür, dass es etwas Neues war, ist es gut herausgekommen.
So etwas Grosses noch nicht. Für meine Nichte habe ich zum Beispiel einen Spieltisch gebaut und für zu Hause schon Schneidebretter hergestellt. Für meine Grossmutter habe ich Möbel aufgefrischt.
Ich arbeite oft in der Werkstatt. Mein Lehrbetrieb produziert alles im Innenausbau für private und öffentliche Bauten, kleine und grosse Aufträge. Deswegen habe ich verschiedene Aufgaben. Auf Baustellen gehe ich zwar noch gerne, werde dort aber nur wenig eingesetzt.
Es läuft gut. Pro Lehrjahr gibt es im Betrieb einen Lernenden. Wir verstehen uns, haben einen guten Zusammenhalt und treffen uns teilweise auch privat.
Ja, ich war mir sicher, Schreiner zu werden. Die Arbeit mit Holz finde ich toll. Dass man abends sieht, was man gemacht hat, ist natürlich schön. Doch das trifft auf fast alle handwerklichen Berufe zu. Ich mag die Abwechslung in einer Schreinerei. Ich müsste deswegen nicht den ganzen Tag an der Kehlmaschine stehen und Leisten durchlassen. Aber das gehört halt auch mal dazu.
Ich habe begonnen, zu lernen und zu trainieren und werde noch alte Aufgaben lösen. Da meine Klassenkollegen weiter weg wohnen, übe ich alleine. Wenn ich einen Rat benötige, frage ich meinen Oberstift.
Zuerst werde ich ins Militär gehen. Danach kommt es darauf an, ob mich meinen Lehrbetrieb behalten will und zu welchen Konditionen. Ansonsten könnte ich mir vorstellen, die Polizeischule zu absolvieren.
Mike Müller, 17 Jahre, aus Bergdietikon im Kanton Aargau. Er macht die Lehre bei der Walter Bochsler AG in Urdorf ZH und ist im dritten Lehrjahr. Die Berufsschule besucht er in Zürich. Seine Freizeit verbringt er gerne mit seiner Familie oder Freunden. Einmal wöchentlich spielt er in einer Gruppe Fussball. In einem Verein ist er schon länger nicht mehr.
Nicole DʼOrazio
Veröffentlichung: 11. Januar 2024 / Ausgabe 1-2/2024
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