Das eigene Design macht stolz


Der Tisch aus massivem Eichenholz steht in der Ausstellung der Getrag AG. Bild: Getrag AG
Der Tisch aus massivem Eichenholz steht in der Ausstellung der Getrag AG. Bild: Getrag AG
Eigenkreationen. Kreativität zeichnet Schreinerinnen und Schreiner aus. Für die einen gehört das Entwickeln von neuen Ideen und Objekten zum Alltag, für andere bildet es die Kür. Einige sind dem Aufruf der Schreinerzeitung auf Social Media gefolgt und haben ihre Werke eingereicht.
Ein Schrank, den sonst niemand besitzt; ein Gestell, das genau in die Dachschräge passt, oder ein Tisch, der aus dem eigenen Baum im Garten hergestellt wurde. Eigenkreationen und Einzelanfertigungen sind etwas Besonderes und haben eine eigene Geschichte. Entweder ist es der Kunde, der bei der Schreinerin oder dem Schreiner ein massgefertigtes Stück bestellt. Ansonsten können die Fachleute ihrer eigenen Kreativität einfach mal freien Lauf lassen. Für viele stellt das Designen von Einzelstücken sozusagen die Kür ihres Handwerks dar. Egal, ob sie diese während des Arbeitsalltags im Betrieb oder in der Freizeit entwerfen und bauen.
Um die Ideen und Kreativität der Schweizer Schreinerinnen und Schreiner einmal einem grösseren Publikum zu zeigen, hat die Schreinerzeitung auf ihren Social-Media-Kanälen dazu aufgerufen, Eigenkreationen einzuschicken. Einige haben die Gelegenheit genutzt. Daraus ist die folgende Auswahl entstanden.
«Die Natur ist wunderbar, wie sie ist. Warum alles immer verbessern und ändern?», schreibt Vincenzo Grisolia von der Getrag AG aus Kefikon TG zu diesem massiven Tisch aus Eichenholz. Diesen wollte man einfach und schlicht halten. «Das Tischfuss-Design ist von uns entwickelt und als Einzelstück angefertigt worden.» Die Herstellung war nicht ganz ohne, da es mindestens vier Mitarbeitende brauchte, um die 160 mal 310 Zentimeter grosse Tischplatte zu bewegen. Auch die Maschinenarbeit sei deswegen anspruchsvoll gewesen. Der Tisch steht in der Ausstellung des Unternehmens und wird nicht verkauft.
Die Garderobe von Nicole Studer ist unverkäuflich. Das Möbel hat sie kürzlich als ihre Individuelle Praktische Arbeit (IPA) im vierten Lehrjahr hergestellt. Die Garderobe besteht grösstenteils aus furnierten Spanplatten. «Als ich das schöne Apfelbaumfurnier gesehen hatte, habe ich mich fürs Furnieren entschieden», erzählt die Lernende der Schreinerei Imseng in Saas Fee VS. Die Kanten und die Leisten in den Fronten sind aus massivem Apfelbaum. «Um einen Kontrast zu erhalten, habe ich die Fronten aus MDF gemacht und weiss lackiert.» Verbunden ist das Möbel mit Clamex P-14 von Lamello, um den Transport zu erleichtern.
Ein 225-Liter-Rotweinfass hat im Fasswerk Hämmerle in Goldach SG eine neue Aufgabe erhalten: Es wurde zum Humidor umgebaut. «Ein Kunde fragte vor ein paar Jahren danach», berichtet Remo Hämmerle. «Da ich mich damit nicht auskannte, wandte ich mich an einen Zigarrenhändler, der mir Ratschläge gab. Dann habe ich den Fasshumidor weiterentwickelt.» Letztes Jahr kam der Typ «Romeo» auf den Markt. Er ist ausgerüstet mit einem aktiven und smarten Belüfungssystem, mit Push-to-open-Schubladen aus massiver Zeder und Eiche sowie mit herausnehmbaren Boxen.
Erich Weiss von der A. + S. Weiss Schreinerei AG in Zug findet es als Tüftler, Design- und Technikfreak spannend, in der Freizeit mit anderen Materialien zu experimentieren. Entstanden ist dabei unter anderem die Früchteschale aus Echtholzfurnier. Die Schale besteht aus Carbon, Holzfurnier und Epoxidharz und wurde auf einer 3D-Form in der Vakuumpresse laminiert. Der Holzsockel wurde aus lokalem Holz gedrechselt. «Wegen der 3D-Krümmung des Furniers gibt es Spannungen oder Risse im Furnier. Deshalb wird das Furnier zuerst gedämpft und auf der Form vorgespannt», erklärt Weiss.
Samuel Bertschi von der Schreinerey GmbH in Schöftland AG wollte ein Rollmöbel mit höchsten ästhetischen Ansprüchen kreieren. Dieses sollte in diversen Bereichen einen Nutzen bieten. Zum Beispiel als Küchenbeistelltisch, Serviceboy oder als rollende Bar. Entstanden ist die Signature Box. Deren Fronten, und wahlweise die Rückwand, sind aus heimischen Hölzern. «Oft sind es charakteristische Einzelstücke, die sonst kaum Verwendung finden», sagt er. Das Innenleben ist aus Seekiefer, die dem Möbel ein warmes Aussehen verleiht. Die Aussenhülle ist aus einem Stück gekantetem, eloxiertem Aluminium.
Gemeinsam mit einem Kunden hat David Birrer von der Birrer Schreinerei Holzbau AG in Luthern LU ein Badmöbel entwickelt. «Rest- oder Abfallprodukte, wie hier Baumkantenabschnitte und Schwartenbretter sollen in Kombination mit edlen Teilen eine neue Ästhetik ergeben», beschreibt er. Die Korpusseiten sind aus MFD, Nussbaum furniert und geölt, die Fronten aus massivem Nussbaum, geölt. Das Waschbecken aus Naturstein wurde geschliffen und poliert. Die Armaturen sind aus Edelstahl. «Der Nussbaum stellt einen schönen Kontrast zum Beton dar. Mit dem indirekten Licht wird ein wohliges Gefühl erzeugt.»
Ein Kunde der Schreinerei Kaufmann AG in Gommiswald SG wollte aus zwei Fässern seines Hochzeits- und Lieblingsweins einen Tisch machen lassen. Der Lernende Patrice Rüegg fasste den Auftrag. «Die Idee und das Design des Tischblatts kommen vom Kunden. Den Rest durfte ich selbst entwerfen und herstellen», sagt Rüegg. Ihm bedeutet es viel, seiner Kreativität freien Lauf lassen zu können. Damit alles zu den Fässern passt, hat er Eichenmassivholz verwendet. Die Stühle wurden passend dazu gekauft. Beschläge hat er nur bei den Stellfüssen für den Sockel und die Verbindungsmittel verwendet, alle von Lamello.
Daniel Haus ist seit seiner Lehrzeit von antiken Möbeln fasziniert. «Ich wollte schon immer eine Kommode mit einem bombierten Korpus und Schubladen bauen», sagt er. Bei der Recherche im Internet habe er eine Dresdner Barock-Kommode entdeckt, die es ihm angetan habe. Der Korpus besteht aus Weymouth-Kiefer, abgesperrt mit Blindfurnier. Das Deckfurnier ist aus Kirschbaum mit aufwendigen Einlegearbeiten aus Ahorn, Kirsch-, Birn- und Nussbaum. «Die Schubladengriffe habe ich bei einem Antikbeschlaghändler gefunden. Ansonsten wurden Messingschrauben verwendet.»
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Ursprünglich sollte es ein kleines Schiff als Sandkasten für die Tochter werden. «Bei der Planung wurde das Schiff allerdings immer grösser», erzählt Marco Steiner. Während des Lockdowns hat der gelernte Schreiner, der heute als CAD-Spezialist tätig ist, das Objekt geplant und gebaut. Für die Unterkonstruktion hat er eine Dreischichtplatte aus Fichte verwendet, die er mit Fichten-Massivholz von alten Paletten verstärkt hat. Der Hausaufbau besteht ebenfalls aus Dreischichtplatten, der Boden aus Kiefer- Bodenpaneelen und die Verkleidung ist aus Seekiefer-Sperrholz. Steiner hat alles verschraubt und genagelt. «Das Schiff steht nun als Spielobjekt im Garten.»
Bei einem Kunden sowie in der Angestelltenküche der Weishaupt AG Innenausbau in Appenzell AI wird der Raum von einer Ellipsenlampe aus Holz erleuchtet. Die Idee zum Objekt stammt von Mario Signer, Mitglied der Geschäftsleitung, Betriebsleiter sowie zuständig für den Verkauf und die Kalkulation. Die elektronischen Teile wurden eingekauft, der Rest der Lampe wurde selbst produziert. Die Lampe ist aus Holz gefertigt und schwarz matt lackiert. Die Stromkabel wurden in die Drahtseile integriert, damit kein weiteres Kabel benötigt wird. Das LED-Stripe wurde mit starken Magneten befestigt.
Die Formare GmbH aus Entlebuch LU hat mit «Cityline Zürich» eine eigene wetterfeste und ästhetische Gartenmöbel-Kollektion entwickelt. Das Design stammt von Reto Zemp. Tisch und Bänke sind aus Accoya color grey gefertigt. «Das modifizierte Kiefernholz eignet sich hervorragend für den Aussenbereich», sagt Zemp. «Es wurde ausgewählt, da es einerseits wetterbeständig ist und andererseits perfekt zu den in der Schweiz beliebten Holzterrassen passt.» Tisch und Bänke könnten für den Transport in Einzelteile zerlegt und ganz einfach wieder zusammengebaut werden.
Veröffentlichung: 24. März 2022 / Ausgabe 12/2022
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