Aussenhaut mit Charakter


Richtig ausgeführt, verleihen Holzfassaden dem Baukörper eine einzigartige Optik. Bild: Noah J. Gautschi
Richtig ausgeführt, verleihen Holzfassaden dem Baukörper eine einzigartige Optik. Bild: Noah J. Gautschi
Fassaden. Planer setzen immer mehr Holzfassaden ein, um ihre Visionen zu verwirklichen. Damit die Bauherrschaft lange Freude an der optischen Erscheinung hat, benötigt es neben der technisch korrekten Ausführung eine frühzeitige ehrliche Beratung und Aufklärung.
Die Fassadengestaltung nimmt in der Architektur eine zentrale Rolle ein. Bauherrschaft, Architekten und Gestalter suchen nach immer neuen Methoden und Materialien, um ihre Formvorstellungen zu verwirklichen. Der aktuelle Trend hin zu einer klaren Formgebung und zu Oberflächen mit Mustern und Strukturen sprechen klar für den Werkstoff Holz. Damit eine Holzfassade ihre optische und technische Wirkung über einen längeren Zeitraum behält, benötigt es eine fachlich korrekte Aufklärung der Bauherrschaft, eine richtige Materialauswahl und eine funktionierende Konstruktion.
Neben den optischen und technischen Eigenschaften spricht auch der ökologische Aspekt für den Werkstoff Holz. «Wir spüren, dass der Endkunde vermehrt zertifizierte Naturprodukte wünscht», sagt Lorenz Obrist, Leiter Marketing bei der Balteschwiler AG im aargauischen Laufenburg. Ein zentrales Element, das über den Erfolg oder Nichterfolg einer Holzfassade entscheidet, ist die Bauherrschaft. «Es benötigt eine klare Entscheidung für eine Holzfassade. Die Fassade muss gelebt, gepflegt und deshalb gewollt werden», sagt Marco Filli, Leiter der technischen Projektberatung bei der Renggli AG in Schötz LU. Persönliche Erfahrungen haben viel mit dieser Entscheidung zu tun, weshalb eine korrekte und ehrliche Beratung seitens des Handwerkers entscheidend ist. «Ich bin überzeugt, dass die allermeisten Beanstandungen mit einem aufklärenden Beratungsgespräch vermieden werden können», sagt Jörg Langheim, Geschäftsführer der Balteschwiler AG. Denn nur wer alle Vor- und Nachteile kennt, kann sich mit Überzeugung entscheiden.
Durch eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit dem Systemhersteller oder Händler können einsatzspezifisch die geeignetsten Produkte ausgewählt werden. Jörg Langheim gibt zu bedenken: «Wenn die Rohwarenbreiten zum Beispiel Fertigbreiten von 90 mm ergeben und der Planer mit 92 mm Einteilungen vornimmt, muss aus der nächstgrösseren Rohwarenbreite heruntergehobelt werden, was bis zu 20 Prozent höhere Kosten verursachen kann.» Weiter kann der Fachmann mit seinen Erfahrungswerten die erhältlichen Produkte so weit eingrenzen, dass sich der Planer wieder vermehrt auf die Optik konzentrieren kann und die fachliche Sicherheit geklärt ist. «Wenn die technischen Richtlinien vom Verband Schweizerischer Hobelwerke VSH eingehalten werden, passieren praktisch keine Schäden im Bereich einer Holzfassade», sagt Thomas Szabo, Fachberater Projekte bei der Balteschwiler AG.
Oftmals kommt es in der Praxis infolge falscher Detailausführung zu Schäden an der Holzfassade. Beispielsweise führen offene und unbehandelte Stirnseiten der Leisten oder ein zu geringer Abstand zu Feuchteschäden. Oder die Dimensionen der Leisten sind zu gross gewählt und das Montagesystem bietet nur ungenügend Halt. «Sobald die Breite einer Leiste über 120 Millimeter beträgt, müssen abgestimmte Befestigungsarten gewählt werden», sagt Thomas Szabo.
Ein weiteres zentrales Element ist der richtige Bodenabstand. Spritzwasser oder Bodenfeuchte dringen ansonsten von unten ins Holz ein, und es werden Verfärbungen sichtbar. «Man kann eine Fassade mit horizontalen Lamellen gezielt auf den Boden laufen lassen. Dann muss die Konstruktion jedoch so gewählt sein, dass die untersten Lamellen bei Bedarf ausgewechselt werden können», sagt Marco Filli. Lässt man hingegen eine Fassade mit vertikalen Lamellen auf den Boden laufen, muss anschliessend ein kompletter Austausch stattfinden. Sind alle Details und die Konstruktion gewählt, stellt sich die Frage nach der richtigen Oberflächenbehandlung.
Grundsätzlich werden folgende Behandlungsmöglichkeiten im Fassadenbereich unterschieden. Jede Oberflächenbehandlung lässt das eingesetzte Holz auf eine andere Art und Weise verwittern und setzt mehr oder weniger Unterhalt voraus.
Die richtige Oberflächenbehandlung ist ein zentrales Element, wenn es um die Haltbarkeit und die Wartung geht. Deshalb sollte sie überlegt gewählt sein.
Neben den aufgezählten Oberflächenbehandlungsarten gibt es mit dem Einsatz von Druckimprägnierungen (Salzen), thermischen Holzmodifikationen (Hitze) oder mit dem Einbringen von natürlichen Fremdstoffen wie Bioalkohol oder Essigsäure («Kebony»/«Accoya») auch alternative Möglichkeiten, die Lebensdauer von Fassadenhölzern enorm zu verlängern.
Je nach System und Behandlung bedarf es mehr oder weniger Unterhaltsaufwand. Prinzipiell treten im städtischen Gebiet mehr Verschmutzungen auf als auf dem Land. «Es ist wichtig, dass die Bauherrschaft die Fassade kennt und regelmässig kontrolliert», sagt Marco Filli. Bei Schäden sollte schnell reagiert werden, damit sich diese nicht ausbreiten. Je nach Behandlung kann dann mit einem speziellen Mittel gereinigt werden. «Ich empfehle eine Reinigung mittels Bürstmaschine, ähnlich wie bei Holzterrassen», sagt Thomas Szabo. Anschliessend können öl- und wasserbasierte Farben wieder aufgebaut werden, bei anderen Behandlungsarten ist teilweise sogar ein kompletter Neuaufbau der Oberflächenbehandlung nötig.
Für den Schreiner empfiehlt sich der Einsatz eines Fassadensystems. Hier hat er die Systemsicherheit und je nach System trotzdem viel Freiraum in der Gestaltung. Das «Tiga»-Fassadensystem von Balteschwiler ist beispielsweise in vielen Holzarten erhältlich und verfügt über eine verdeckte Befestigung. Die Befestigungsclips werden montiert und die Leisten eingeklickt. So kann das Holz arbeiten und wird durch keine Schraube oder Bohrung verletzt. «Der Schreiner muss darauf achten, dass er ein System einsetzt, das hält», rät Thomas Szabo. Sobald eine verdeckte Befestigungsmethode eingesetzt wird, die nicht auf die Holzart abgestimmt ist, besteht die Gefahr, dass sich die Clips lösen, wenn das Holz arbeitet. Das «Tiga»-System ist auch mit «Kebony»-Leisten erhältlich. Dieser Werkstoff ist zwar etwas teurer in der Anschaffung, der Hersteller bietet jedoch 30 Jahre Garantie. Und «Kebony» benötigt keine Oberflächenbehandlung, was den Werkstoff besonders im oberen Ausbausegment interessant macht.
«Es ist wichtig für unsere Branche und den Werkstoff Holz, dass wir funktionierende und beständige Werkstücke erstellen», sagt Jörg Langheim. Wagt sich der Schreiner an die Fassade, kann er mit einer ehrlichen und fachlich korrekten Beratung des Endkunden viel zum Erfolg beitragen.
www.renggli.swisswww.balteschwiler.chwww.vsh.chVeröffentlichung: 31. August 2018 / Ausgabe 32-33/2018
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