Ausschreiben leichter gemacht


Für Schreiner relevante NPK-Kapitel werden überarbeitet und kommen bald ebenfalls im neuen, roten Design daher. Bild: Philipp Heidelberger
Für Schreiner relevante NPK-Kapitel werden überarbeitet und kommen bald ebenfalls im neuen, roten Design daher. Bild: Philipp Heidelberger
Ausschreibungen. Unternehmen beschweren sich immer wieder über die fehlende Qualität bei Ausschreibungen. Mit dem Normpositionen-Katalog steht ein Werkzeug zur Verfügung, welches dies verbessern soll. Dafür braucht es aber die Mithilfe aller Beteiligten.
Ausschreibungen beschäftigen Projektleiter, Kalkulatoren und Geschäftsführer immer wieder aufs Neue. Oft seien sie unpräzise oder beinhalten widersprüchliche Anforderungen, was am Ende zu preislichen Unterschieden in den Offerten führen kann.
Dem entgegenwirken soll der Normpositionen-Katalog (NPK), der von der Schweizerischen Zentralstelle für Baurationalisierung (CRB) herausgegeben wird. Er ist in gedruckter und digitaler Form verfügbar und dient zur Erstellung klarer sowie detailgenauer Leistungsbeschreibungen beim Bauen. Zudem ist er ein Nachschlagewerk und eine Checkliste für die Devisierung. Der NPK umfasst insgesamt rund 200 Kapitel, die über eine Million Leistungspositionen beinhalten. Für den Schreiner von Belang sind folgende Kapitel:
Für einen grossen Teil aller Schreinerarbeiten können Architekten und Planer also eigentlich auf klar gegliederte und aufbereitete Informationen zurückgreifen. Aber warum lässt die Qualität der Ausschreibungen manchmal dennoch zu wünschen übrig? «Schreinerarbeiten sind im Vergleich zu anderen Branchen sehr individuell und deshalb auch schwieriger in einem Kapitel zu erfassen», sagt Dietmar Uebelhart. Er ist Projektleiter bei CRB und zuständig für den Fachbereich Hochbau, somit auch für die schreinerrelevanten Kapitel.
Aufgrund der genannten Individualität beinhalten diese Kapitel sehr viele offene Positionen, die mehr Spielraum beim Erstellen der Ausschreibung zulassen als geschlossene. Der Ersteller ist also in diesem Bereich mehr gefordert. Fehlen grundlegende Kenntnisse der Materie, sind Ungereimtheiten fast vorprogrammiert.
Solche Erfahrungen macht man auch im Bereich Technik und Betriebswirtschaft des VSSM, und zwar im Rahmen von Expertisen: «In Streitfällen gab es oft schon bei der Ausschreibung Missverständnisse, Ungereimtheiten oder Fehler aufgrund von Unwissen», sagt der Experte Gerhard Rasch. In anderen Berufsfeldern ist es deshalb nicht unüblich, dass Spezialisten in den Ausschreibungsprozess miteingebunden werden. «Aber man muss natürlich auch die nötigen Informationen haben, um überhaupt eine korrekte Ausschreibung erstellen zu können», sagt Dietmar Uebelhart. Damit spricht er die manchmal fehlende Qualität der Submissionspläne an. Knapp bemessene Zeitpläne machen sich offenbar in diesem Bereich ebenfalls bemerkbar.
Manchmal sollen die Ausschreibungen sogar absichtlich vage gehalten werden, damit der Planer weniger Zeit investieren muss. Der gutmütige Handwerker ergänzt dann die halbfertige Ausschreibung mit Unternehmervorschlägen und übernimmt so quasi einen Teil der Arbeit des Planers – und unter Umständen auch die Verantwortung. Oder noch schlimmer: Der Planer lässt die Ausschreibung gleich von einem Unternehmer erstellen, der dann ebenfalls eine Offerte einreichen darf. Dies ist natürlich nicht im Sinn der Fairness und Unabhängigkeit und untergräbt auch die allgemeine Akzeptanz von Ausschreibungen sowie der Hilfsmittel dafür. CRB bietet deshalb regelmässig Schulungen an, in denen Know-how rund um die Ausschreibungen und die damit verbundenen Aspekte vermittelt wird, um die Qualität der Ausschreibungen zu verbessern.
Ebenfalls eine Verbesserung der Akzeptanz und Qualität bringen NPK-Kapitel, die dem aktuellen Stand der Technik gerecht werden. Bei CRB rechnet man im Schnitt mit etwa zehn Jahren, bis ein Kapitel komplett überarbeitet wird. Eine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass es in einigen Bereichen innert weniger Jahre grosse Fortschritte geben kann. Weil aber nicht wegen jeder kleinen Änderung gleich ein ganzes Kapitel abgeändert werden kann, gibt CRB bei Bedarf Aktualisierungen in digitaler Form heraus. «Hier sind wir aber stark auf die Branchen und Verbände angewiesen, die uns auf Veränderungen hinweisen», sagt Dietmar Uebelhart. Denn die Angaben im NPK stützen sich auf allgemein gültige Normen wie jene des SIA oder auch Fachdokumentationen und Merkblätter wie zum Beispiel die «Lignatec». Dies ist mit ein Grund dafür, dass die für Schreiner relevanten Kapitel in die Jahre gekommen sind. So stammt das Kapitel 621 «Schränke aus Holz und Holzwerkstoffen» noch aus dem Jahr 1996. Im Hinblick auf die Überarbeitung der SIA-Normen wollte man mit dem NPK noch zuwarten, damit dieser wenige Jahre später nicht erneut angepasst werden muss. «Und aufgrund der vielen offenen Positionen hat es wohl auch länger funktioniert, weil sich der Planer so das passende Bauteil zusammenstellen konnte», erzählt Uebelhart.
Ein Blick auf den Zeitplan für die Revision des NPK 621 zeigt, dass es eine intensive Arbeit ist. Anfang 2015 wurde mit der Entwurfsphase begonnen, die Veröffentlichung ist für 2018 vorgesehen. Das liegt aber nicht an der Arbeitsweise von CRB, sondern an der Komplexität des Kapitels und der Revision. Nebst den zahlreichen Normen und Vorgaben, die es zu berücksichtigen gilt, werden Experten von allen Seiten miteinbezogen. Sprich Verbände, Planer und Unternehmer können in sogenannten Begleitgruppen beim NPK mitreden. Deshalb werden immer wieder Mitglieder für Begleitgruppen sowie Interessierte, welche an den Vernehmlassungen teilnehmen können, gesucht.
So ist bei der Revision des NPK 621 beispielsweise der VSSM mit dabei. Der Verband kann dann beispielsweise Unternehmer aus der Branche vorschlagen, welche die Gelegenheit erhalten, den Entwurf des überarbeiteten Kapitels zu prüfen und Verbesserungsvorschläge zu machen. Gemäss Dietmar Uebelhart prallen bei solchen Sitzungen manchmal Welten aufeinander: «Der Planer möchte natürlich möglichst einfache Positionen haben, der Unternehmer hingegen will einen sehr genauen Beschrieb. Hier gilt es dann einen Konsens zu finden.» Und es gibt Bereiche, wo noch mehr Stellen involviert sind, wie beispielsweise bei der Revision des Kapitels 622: Dort sind nebst dem VSSM auch der Verband Schweizerische Türenbranche (VST) und die Metallbranche (AM Suisse) mit im Boot. Hinzu kommt, dass die Ausschreibungstexte produktneutral gehalten werden müssen.
Nebst den Ausschreibungstexten werden auch sämtliche Zeichnungen und Details angepasst. Neu erstellt CRB diese nun auch in 3D, was die Verständlichkeit verbessert. Und am Schluss muss das neue Kapitel noch auf Italienisch und Französisch übersetzt werden.
Dietmar Uebelhart verweist darüber hinaus auf den Abschnitt «Wichtige Hinweise», welcher jedem NPK angefügt wird: «Dort ist ersichtlich, welche Normen und Dokumentationen als Grundlage dienten und welche wesentlichen Veränderungen vorgenommen wurden.»
Letztendlich haben es also alle am Bau Beteiligten in der Hand, die Grundlagen für korrekte Ausschreibungen zu schaffen und diese umzusetzen. Denn am Ende profitieren alle davon. Der Planer erhält vergleichbare Offerten, es entstehen weniger Nachtragsarbeiten und der Schreiner kann für seine Kalkulation einen Richtpreis für die jeweilige Position hinterlegen.
Nachfolgend zusammengefasst sind die relevantesten geplanten Veränderungen im NPK 621. Dabei handelt es sich erst um Entwürfe, welche bis zur Veröffentlichung im Jahr 2018 noch Anpassungen erfahren können.
Veröffentlichung: 09. März 2017 / Ausgabe 10/2017
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