Auf Schritt und Tritt gefilmt

Jessica Zbären und Pascal Stilla verlegen den Boden. Der Kameramann nimmt alles auf. Bild: Nicole D’Orazio

Dreharbeiten. Keine Baustelle wie jede andere: Für die Sendung «Happy Day» des Schweizer Fernsehens war die Schreinerei Danz GmbH an einem Umbau im solothurnischen Niederwil beteiligt. Für die Lernende Jessica Zbären war es speziell, gefilmt zu werden.

Ein altes Bauernhaus auf dem Land, davor stehen Fahrzeuge von verschiedenen Handwerkern. Auf den ersten Blick eine Baustelle wie jede andere. Wenn man jedoch genauer hinschaut, kann man das Plakat am Haus nicht übersehen. Es weist auf den besonderen Umbau hin. Im Innern fällt dann ein junger Mann mit einer grossen Kamera auf. Er verfolgt die Handwerker auf Schritt und Tritt und filmt die Arbeiten.

In Niederwil, einem Dorf im Kanton Solothurn, wurden Mitte November Teile von «Happy Day», einer Samstagabendsendung des Schweizer Fernsehens SRF, gedreht. Der Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM) ist Sende-sponsor und übernimmt damit einen Teil der Arbeiten.

Dabei werden die Schlafzimmer für drei Buben und ihren Vater hergerichtet. Den nötigen Umbau hatte die Familie nach dem Tod der Mutter nicht selbst bewältigen können, und die Knaben teilten sich ein Zimmer. Das Experten-Team von «Happy Day» plante den Umbau und setzt ihn nun zusammen mit Partnern und Sponsoren um.

Auf der Baustelle ist die Schreinerlernende Jessica Zbären anzutreffen. Sie verlegt gerade mit Pascal Stilla, der im Sommer die Ausbildung abgeschlossen hat, einen Vinylboden. Der Kameramann kauert vor den beiden und nimmt alles auf.

Etwas komisch, aber amüsant

Inzwischen hat sich Jessica Zbären an die Aufnahmen gewöhnt. «Zu Beginn war es schon etwas komisch, aber auch amüsant, wenn man so beobachtet wird», erzählt die 17-Jährige, die sich im ersten Lehrjahr befindet. «Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt.» Die Handwerker sollen nicht direkt in die Kamera schauen. Das ist wichtig, damit die Aufnahmen authentisch wirken. «Es ist spannend, wie das alles abläuft.» Manchmal müssten sie mit dem nächsten Arbeitsschritt warten, bis der Kameramann wieder da sei, sagt Jessica Zbären (kleines Bild). «Wiederholen mussten wir aber nie etwas.» Es herrsche eine schöne und eine stressfreie Atmosphäre auf der Baustelle.

Nie gedacht, im Fernsehen zu sein

Als ihr Chef, Reto Danz, von der Schreinerei Danz GmbH, dem Team sagte, dass die Firma für «Happy Day» angefragt worden sei, waren alle total überrascht. «Ich kenne die Sendung, weil ich sie mit meiner Familie schon geschaut habe», erzählt Jessica Zbären. «Doch ich hätte nie damit gerechnet, eines Tages darin vorzukommen.» Sie habe gedacht, dass immer die gleiche Schreinerei für das SRF arbeiten würde. «Dass wir nun im Dorf, wo unser Betrieb ansässig ist, mit von der Partie sind, ist cool und auch eine Ehre.» Die Familie, deren Haus umgebaut wird, kennt sie allerdings nicht. Die Solothurnerin hat auch nicht lange überlegen müssen, ob sie ihr Einverständnis gibt, gefilmt zu werden.

Schreiner Michael Ryf findet die Arbeit auf der Fernseh-Baustelle ebenfalls ungewöhnlich, aber interessant. «Ich musste mich zuerst daran gewöhnen, nicht automatisch in die Kamera zu schauen, sondern normal zu arbeiten», sagt er und lacht. Zu Beginn sei er schon etwas nervös gewesen, das habe sich dann aber schnell gelegt.

Chef kennt die Familie

Schreinermeister Reto Danz fühlt sich auf der Baustelle wohl. «Die Dreharbeiten sind wir uns halt nicht gewohnt. Daher sind wir sehr gespannt, uns im Fernsehen zu sehen», sagt er. Für ihn sei es eine tolle Sache, auch weil er einen Kleinbetrieb mit insgesamt fünf Personen führt. Die Teilnahme in der Sendung ist natürlich auch Werbung für das Unternehmen.

Er ist von «Happy Day» auf Empfehlung des VSSM für die Teilnahme angefragt worden und durfte daraufhin eine Offerte einreichen. «Wir machen sehr gerne mit, auch weil ich die Familie kenne und ihr gerne helfe», sagt Reto Danz. So verlegt der Schreiner zusammen mit den anderen Handwerkern auf der Baustelle freiwillig auch einen Boden auf einer anderen Etage, auf der nicht gefilmt wird.

Die Schreinerarbeiten sind gut verlaufen. «Wir konnten uns super vorbereiten und liegen in der Zeit sogar einen Tag voraus», sagt Reto Danz. Die Schreiner haben Böden verlegt, Türen montiert sowie Vorhangbretter gefertigt. Auch Wanddekor und Möbel haben sie hergestellt. «Etwas musste ich an einen anderen Betrieb auslagern, weil wir keine CNC-Bearbeitungsmaschine haben.»

Innert zwei Wochen muss alles fertig sein. «Das ist wirklich so und wird nicht einfach so dargestellt», bestätigt Reto Danz.

Der Familie zuliebe solle das Haus nicht zu lange eine Baustelle sein. Nach aussen dürfen die Handwerker nicht zu viel verraten, geschweige denn, vor der Ausstrahlung Bilder von den fertigen Zimmern herumzeigen. «Das muss einerseits für die Familie und dann auch fürs Publikum eine Überraschung bleiben.»

Abschluss im Fernsehstudio

Die Sendung wird am Samstag, 21. Dezember, um 20.10 Uhr auf SRF1 ausgestrahlt. Ein Teil der Schreiner und des Baustellenteams wird dann im Fernsehstudio in Zürich anwesend sein. «Das wird der krönende Abschluss», sagt Reto Danz.

www.srf.chwww.retodanz.ch

ndo

Veröffentlichung: 05. Dezember 2019 / Ausgabe 49/2019

Artikel zum Thema

06. März 2025

Planen, programmieren, bearbeiten und ausstellen

Für die meisten Lernenden des BZ Emme ist die Arbeit mit dem CNC-Bearbeitungszentrum unbekanntes Terrain. Die Schreinerklassen haben im Unterricht und im üK eigene Möbel kreiert und hergestellt. Zur Krönung werden diese am Schluss ausgestellt.

mehr
06. März 2025

Viel Training, grosse Vorfreude und Motivation

Von Mitte März bis Anfang April messen sich die besten 90 Lernenden und Jungschreiner aus der Schweiz an den Regionalmeisterschaften. Sechs Teilnehmende berichten von ihrer Vorbereitung und ihren Erwartungen.

mehr
06. März 2025

Aufgabe mit Dreh und praktischem Nutzen

Erneut führt der Lehrbetriebsverbund Schreinermacher einen schweizweiten Talentwettbewerb durch. Diesmal ist das Aufgabenstück ein Taschenleerer. Alle Lernenden können daran teilnehmen, Einsendeschluss ist der 1. Mai.

mehr

weitere Artikel zum Thema:

Lehrziit