Auf der Jagd nach dem Nikolaus

Zwei Klausjäger in den Startlöchern: Thomas Müller (l.) und Nils Brunner mit Treicheln, im Hintergrund leuchtet eine «Iffelen». Bild: Bisang Schreinerei AG

Brauchtum.  Das traditionelle Klausjagen in Küssnacht am Rigi SZ begeistert jedes Jahr Tausende von Zuschauerinnen und Zuschauern. Am Umzug, der morgen Freitag stattfindet, sind auch die beiden Schreinerlernenden Thomas Müller und Nils Brunner als Treichler mit von der Partie.

Mit filigranen Mustern bestückte, bunt leuchtende «Iffelen» (Laternen) tänzeln durch die Nacht, Fuhrmanns- und Schafsgeisseln knallen. Die Geisselklepfer werden begleitet von Hunderten von Treichlern, die im Gleichschritt marschieren und die finsteren Gassen mit scheppernden Klängen erfüllen.

Morgen Freitag findet in Küssnacht am Rigi SZ die traditionelle Klausjagd statt. Dabei werden rund 1000 Treichler als Klausjäger am Umzug teilnehmen. Darunter werden auch zwei Küssnachter Lernende der Schreinerei Bisang sein.

Die Geister vertreiben

Für die beiden Jungschreiner ist es jedes Jahr eine grosse Freude, beim Umzug mitzumachen. «Als Küssnachter wächst man mit dem alten Brauchtum zum Dämonenvertreiben auf», sagt der 17-jährige Nils Brunner, der dieses Jahr zum zweiten Mal als Treichler am Umzug teilnehmen darf. «Am grossen Umzug können nur Jungen und Männer ab 16 Jahren mitmachen, für die Jüngeren findet jeweils am Nachmittag ein Kinderumzug statt.» Frauen sind an der Küssnachter Klausjagd nicht zugelassen. Die 1928 gegründete Küssnachter St.-Niklaus-Gesellschaft hat nur männliche Mitglieder. Mädchen und Frauen helfen aber häufig beim Bau von Iffelen mit, die dann von ihren Söhnen und Männern durch die Gassen getragen werden.

Aufwendiger Iffelenbau

Die Kunstwerke aus Karton und Seidenpapier können bis zu zwei Meter hoch und über zehn Kilogramm schwer sein. Sie erinnern an übergrosse Bischofshüte. Im Karton werden traditionellerweise Kreuze, Samichläuse, die Buchstaben JHS (Jesus heilig- und seligmachend) und weitere Formen ausgestanzt. Die Ornamente werden mit farbigem Seidenpapier hinterklebt und mit Kerzen beleuchtet. Dadurch entstehen wunderschöne, in der Nacht leuchtende Muster. Für einzelne Iffelen werden bis zu 500 Arbeitsstunden investiert. Könnte man Iffelen nicht auch aus Holz anfertigen? «Das wäre schon möglich», sagt Nils’ Oberstift Thomas Müller. «Man müsste ein sehr leichtes Material wie beispielsweise Flugzeugsperrholz-Platten verwenden und in eine halbrunde Form bringen, die Formen sauber ausfräsen und die Platten anschliessend schwarz anmalen», sagt der 18-Jährige. «Wie beim Karton müsste man auf die Kerzen achtgeben, damit nichts anbrennt.»

Treicheln ist für jedermann

Thomas ist wie Nils beim Umzug aktiv als Treichler mit dabei. Die Treichel zu schwingen und in einer Reihe im Takt zu laufen, sei einfach und deshalb auch so beliebt unter den Teilnehmern. «Man braucht keine Ausbildung, einfach Taktgefühl», sagt Thomas. Er habe sich für die jährliche Klausjagd sogar eine eigene Treichel für 150 Franken zugelegt.

Am Umzug immer dabei ist der St. Nikolaus. Er geht an dessen Spitze und wird begleitet von Schmutzlis, die den Kindern Lebkuchen verteilen, und Fackelträgern. Als Nächstes folgen die Bläser, die einen rhythmischen Dreiklang spielen. Dieser stammt von Nils’ Urgrossvater, wie der Schreinerlernende nebenbei stolz erwähnt. Hinter der Blasmusik folgen dann die Treichler. Rund 1000 Mann – von jung bis alt – laufen im Gleichschritt und schwingen, in weisse Hirtenhemden gehüllt, ihre Treicheln. Die Hornbläser bilden das Schlusslicht. Nach dem Umzug vermischen sich die Zuschauerinnen und Zuschauer mit den Klausjägern und geniessen das gemütliche Beisammensein. Nach dem «Sächsiumzügli» um sechs Uhr in der Früh, an dem nochmals viele Klausjäger teilnehmen, endet das Volksfest. Wer die Küssnachter Klausjagd miterleben will, sollte auf jeden Fall rechtzeitig anreisen. Es werden auch dieses Jahr rund 20 000 Zuschauerinnen und Zuschauer erwartet.

www.klausjagen.ch

Die Treichel

Eigentlich eine Glocke für Tiere

Treicheln, auch Trycheln genannt, werden als Tierglocken verwendet und bestehen aus gehämmertem Blech, während die anderen Glocken aus gegossenem Metall gefertigt sind. Daher erzeugen sie auch einen anderen Klang. Bei den Treicheln unterscheidet man weiter zwischen Senten und Klopfen. Senten sind grösser als Klopfen, im Ton aber leiser und höher.

ms

Veröffentlichung: 03. Dezember 2015 / Ausgabe 49/2015

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