Auch mit Nebenwirkungen


Farbpigmente gibt es vor allem für mineralische Untergründe im Malerhandwerk. Bild: Christian Härtel
Farbpigmente gibt es vor allem für mineralische Untergründe im Malerhandwerk. Bild: Christian Härtel
Farbpigmente. Mit feinsten Pülverchen lassen sich Leinöle und Produkte daraus dezent einfärben, um dem Holz beim Ölen ein anderes Erscheinungsbild zu geben. Aber auch richtig farbige Oberflächen können bei entsprechender Mengenzugabe von Pigmenten umgesetzt werden.
«Leinöl hat eine einzigartige Eigenschaft: Es oxidiert durch die Reaktion mit Luftsauerstoff und verwandelt sich so von der flüssigen in die feste Form», erklärt Gunnar Ottosson, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens in Südschweden, das sich seit 1989 mit der Herstellung von Leinöl- farben beschäftigt. Daher auch der Ausdruck «oxidativ geölt». Das physikalisch trocknende Öl aus den Samen der Flachspflanze wird auch von vielen Schreinern geschätzt und entsprechend gerne zur Oberflächenbehandlung von Holz verwendet. Viele Leinölprodukte haben dabei aber auch die Eigenschaft, das Holz optisch mehr oder weniger «anzufeuern». Bei dunkleren Hölzern manchmal auch beabsichtigt, führt dies bei hellen Holzarten eher zu einem «gelblichen» Erscheinungsbild, was wiederum oft weniger gewünscht ist. Man kann es auch positiver formulieren, denn das Öl «belebt und vertieft die natürliche Struktur und Tönung des Holzes». Will man aber mit der ökologischen Beschichtung in eine bestimmte farbliche Richtung gehen, dann kommen Farbpigmente ins Spiel, genauer gesagt ins Öl. «Das kommt häufig vor, vor allem bei Anpassungen und natürlich auch, wenn ein Gestaltungskonzept einfach einen bestimmten Farbton verlangt», erklärt Hanspeter Niggli, Geschäftsführer der Thymos AG in Bern.
Die Palette sei riesig, vom leichten Kalkeffekt, der lediglich das Anfeuern des Holzes vermeiden soll, bis hin zu kräftiger, bunter Farbgebung. Ein grosser Vorteil für das Handwerk ist dabei auch, dass man seinen ganz eigenen Farbton entwickeln kann, was besonders für die Arbeiten von Kollektionsschreinern interessant sein kann.
Farbpigmente können organischen und anorganischen Ursprungs sein. Organische Farbpigmente bestehen aus Kohlenwasserstoffen und werden aus Erdöl oder aus Pflanzenbausteinen gewonnen oder haben einen tierischen Ursprung. Anorganische Farbpigmente sind hauptsächlich aus verschiedenen Metallverbindungen und Mineralien aufgebaut. «Die anorganischen Pigmente sind generell lichtechter», so Ottosson. Bekannt sind vor allem die anorganischen Erdpigmente wie Ocker und Terra – oder Kobalt für das intensive Blau. Was für Pigmente jeweils eingesetzt werden, ist wichtig, denn es gibt auch Ersatzstoffe wie Eisenoxidpigmente für die viel teureren «echten» Pigmente wie etwa Ultramarinblau. Um sicherzugehen, empfiehlt es sich deshalb, die Volldeklaration des jeweiligen Produktes einzusehen, auch damit bei einem späteren Wiederholungsfall ein identischer Farbton erzielt werden kann. Denn die Zulieferer und Hersteller der entsprechenden Produkte von Leinölen mischen die farbpigmentierten Präparate in der Regel jeweils nach Kundenwunsch.
Die Pigmente können dabei deutliche Preisunterschiede aufweisen. Edle und entsprechend seltene Farbpigmente kosten schnell das Zehnfache von einfachen und reichlich vorhandenen Pülverchen.
Auch selbst mischen ist möglich: «Das Arbeiten mit Pigmenten ist genauso einfach wie das Arbeiten mit Abtönpasten. Die Pigmente müssen lediglich vor dem Mischen in Öl angeteigt werden», so der Naturfarbenhersteller Kreidezeit. Unter «anteigen» versteht man, dass die Pigmente zunächst klümpchenfrei in etwas Öl angerührt werden, bevor die Masse dann in die vorgesehene Menge des Gebindes zurückkommt und darin erneut aufgerührt wird. Hanspeter Niggli sieht das Selbstmischen allerdings etwas kritischer. «Man braucht zumindest einen Mörser, um sauber anteigen zu können, und man muss das richtige Pigment im richtigen Öl haben. Wer keine Erfahrung hat mit solchen Dingen, der sollte lieber auf die Experten zählen», so Niggli. Bei einem Restaurator etwa sieht der Fachmann keine Probleme mit dem Selbermischen. Es komme auch immer darauf an, ob es um einen Kinderstuhl geht oder einen Innenausbau mit hohen Ansprüchen. Auch die Qualität des Oberflächenschliffes spiele für ein einwandfreies Ergebnis eine gewichtige Rolle. Fehlstellen rächen sich sofort durch eine erhöhte Pigmentaufnahme.
Wer selbst mischen und anrühren möchte, sollte die Vorgänge exakt durchführen und sauber dokumentieren, damit ein Farbton auch nach Jahren nachgemischt werden kann. Aber auch dann kann es sein, dass ein Hersteller im Laufe der Jahre die Zusammensetzung eines Pigmentes verändert hat und der Farbton so minimale Abweichungen erfährt. Nach Jahren nacharbeiten ist ohnehin schwierig, weil das farbpigmentierte Holz sich natürlich auch verändert. Bei einer gealterten Oberfläche kann deshalb nicht mit der identischen Menge an Pigmenten im Öl nachgearbeitet werden, dann braucht es die Annäherung und Neumischung, um den Farbton zu treffen. Denn auch das Öl gilbt etwas nach, obwohl die Präparate heute viel lichtstabiler sind als früher.
Generell ist ein farbpigmentiertes Öl in der Anwendung anspruchsvoller als ein farbloses Öl. «Deshalb ist es wichtig, sich genau über die Empfehlungen des Herstellers zur Verarbeitung zu informieren», sagt Niggli. Der Naturfarbenhersteller Biofa etwa, in der Schweiz durch die Thymos AG vertreten, empfiehlt bei Möbeloberflächen das Aufbringen im Spitzverfahren. Besonders wenn Rahmenteile, profilierte Holzwerkstücke oder grobporiges Holz behandelt werden und dabei das Oberflächenbild ruhig erscheinen soll. Die besten Ergebnisse würden erzielt, wenn das farbpigmentierte «Coloröl» mit einer Heisspistole bei 65 °C bis 72 °C appliziert werde. Bei kleineren Flächen erfolgt der Auftrag jedoch genauso wie beim farblosen Öl mit Pinsel oder Tuch.
Ein entscheidender Vorteil von der Oberflächenbehandlung mit Öl ist die Möglichkeit, auch partiell nachzuarbeiten. «Diese herausragende Eigenschaft geht bei farbpigmentiertem Öl verloren», so Niggli. Auch ein Farbpigment habe eine gewisse Grösse, weshalb es immer an der Oberfläche des Holzes sei. Bei grobporigen Hölzern ist es teilweise geschützt, weil es in den Poren tiefer liegt. «Bei mechanischer Beanspruchung werden die Pigmente jedoch nach und nach abgetragen», so der Experte. «Man muss sich einfach dessen bewusst sein, dass es etwa bei einer farbpigmentiert geölten Tischplatte im Laufe der Zeit zu einem Verschwinden der Farbpigmente an der stark beanspruchten Kante kommt», sagt Niggli. Abmildern kann man diesen Effekt mit der Empfehlung von Biofa, nach dem pigmentierten Ölen noch ein bis zwei Mal Hartöl für eine strapazierfähige Oberfläche aufzubringen. Dieses wird dann mit 10 Prozent des zuvor verwendeten «Coloröles» eingefärbt. Zudem kann man so einer späteren Vergilbung entgegenwirken.
Ein weiterer Nachteil von farbpigmentierten Ölen: Bei sichtbaren Hirnholzflächen kann es je nach Holzart zu einer etwas scheckigen Oberfläche kommen, da das Hirnholz sehr unterschiedlich aufnahmefähig ist und generell stärker saugt, wodurch sich dann mehr Farbpigmente an der Stelle ablagern. «Das kann man vermeiden, indem man eher ein filmbildendes Ölpräparat verwendet. Dann bekommt man solche Problemstellen gleichmässiger hin», erklärt Niggli.
Bei der Holzpunkt AG in Wila ZH hat man inzwischen über 30 Jahre Erfahrung mit der Erstellung von oxidativ geölten Holzoberflächen bei Parkett. In der firmeneigenen Oberflächenmanufaktur mit eigener Ölstrasse wird auch farbpigmentiert geölt. Unter anderem «trendige Grautöne oder spezielle Ölbehandlungen für ein rohes, unbehandeltes Erscheinungsbild bei hohen Qualitätsansprüchen für den Schweizer Markt». Damit dies so bleibt, «muss bei colorierten Oberflächen – mit Ausnahme von weiss coloriertem Parkett – zwingend eine Endbehandlung mit ‹Trip Trap/Woca›-Pflegepaste vorgenommen werden», schreibt das Unternehmen. Und damit die Kunden lange Zeit Freude an ihrem farbpigmentierten, oxidativ geölten Parkett haben, veranstaltet das Unternehmen regelmässig Kurse für die Pflege und das Auffrischen der Oberflächen, die sich entsprechend an Kunden und Fachleute richten.
www.ottossonfarg.comwww.thymos.chwww.kreidezeit.chwww.biofa.comwww.auro.chwww.holzpunkt-parkett.ch
Veröffentlichung: 26. Oktober 2017 / Ausgabe 43/2017
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