Am Ende solls schön strahlen


Die lineare Akzentbeleuchtung im Schrankinnern hilft, Kleidungsstücke hervorzuheben. Bild: kmd Industrievertretungen
Die lineare Akzentbeleuchtung im Schrankinnern hilft, Kleidungsstücke hervorzuheben. Bild: kmd Industrievertretungen
Lichtkonfiguration. Mit der richtigen Technik setzen Schreiner ihre Arbeiten ins rechte Licht. Konfiguratoren sind eine praktische Hilfe bei der Planung. Bei der Montage sollten einige Dinge jedoch nicht ausser Acht gelassen werden.
Betrachtet man die Arbeiten von Schreinern und Schreinerinnen, wird deutlich, wie viel gestalterisches Talent und handwerkliches Können in jedem Werk steckt. Insbesondere die individuellen Innenausbauten zeugen von Kreativität und der Fähigkeit, persönliche Kundenwünsche präzise und einzigartig umzusetzen. Damit diese Massanfertigungen ihre volle Wirkung entfalten, ist es entscheidend, sie im richtigen Licht zu präsentieren.
In der modernen Innenraumgestaltung spielt Licht eine immer bedeutendere Rolle – und das längst nicht mehr nur an Decken oder Wänden. Licht ist weit mehr als nur funktional – es schafft Atmosphäre, setzt Akzente und hebt handwerkliche Details hervor. Die flach bauende LED-Technologie ermöglicht Schreinern, Möbel mit individuell abgestimmtem Licht in Szene zu setzen. Besonders LED-Bänder in Kombination mit Aluprofilen bieten kreative und praktische Lösungen, um die Beleuchtung nahtlos in Möbelstücke zu integrieren, sie optisch aufzuwerten und darüber hinaus zusätzliche Nutzen zu schaffen. Die Linearbeleuchtung, bei der jeweils ein LED-Band mit einem bestimmten Aluminiumprofil kombiniert wird, lässt sich filigran und teils kaum mehr sichtbar in Küchen, Wohnmöbeln oder im Badezimmer einbauen.
Um Möbel ins rechte Licht zu rücken, sollte allerdings etwas Grundwissen über die Beleuchtung vorhanden sein. «Einfach viel Licht und viele Leuchten sind keine gute Lichtplanung», sagt Oliver Borst, Leiter Marketing und Verkauf Handel bei der Häfele Schweiz AG in Kreuzlingen TG. Denn: Heutige LEDs sind äusserst leistungsfähig und bringen viel Energie, respektive Licht auf eine kleine Fläche, wobei das menschliche Auge schnell geblendet ist. «Der springende Punkt ist, mehrere, verschiedene Lichtquellen zu schaffen. Eine soll die andere steuern, dabei soll aber kein Licht polarisieren, sondern als Einheit harmonisieren», erklärt Mike Kroll, Geschäftsleiter von KMD Industrievertretungen im sanktgallischen Ebnat-Kappel. Die Rede ist von drei unterschiedlichen Beleuchtungsarten. Die Grundbeleuchtung liefert die Grundhelligkeit. Eine gleichmässige, möglichst schattenfreie Ausleuchtung schafft Sicherheit und Orientierung. Dadurch kann ein Raum gut erfasst werden. Mit der Funktionsbeleuchtung wird der Raum eingeteilt, womit einzelne Bereiche betont werden. Damit lassen sich Oberflächen, Formen, Farben und Strukturen hervorheben. Schliesslich hilft die Akzentbeleuchtung, bewusst Dinge und Gegenstände in Szene zu setzen und visuelle Reize zu schaffen.
Bevor die Möbel aber mit irgendeiner Linearbeleuchtung ausgestattet werden, müssen zuerst die Kundenbedürfnisse klar und Parameter wie Lichtfarbe, Beleuchtungsstärke, Ausrichtung sowie Position definiert sein. «Wenn im Wohnraum eine andere Lichtfarbe als in der Küche herrscht, ist das einfach störend, vor allem, wenn es um das Stimmungslicht geht», sagt Peter Schwarber, Geschäftsführer und CEO der Störi Licht AG in Netstal GL. Sind die LED-Bänder «tuneable-white»-fähig, also in der Farbtemperatur fast stufenlos von kalt- bis warmweiss verstellbar, lassen sie sich auch gut mit anderen Beleuchtungen kombinieren. Ebenfalls muss die Bedienung der Beleuchtung berücksichtigt werden. Früher war das noch einfacher als es lediglich den Ein-Aus-Schalter gab. Mittlerweile haben sich aber verschiedene Systeme etabliert, mit denen sich die Beleuchtung in ein Smarthome einbinden und ganz individuell steuern und umprogrammieren lässt (siehe Box, S. 18). «Wie das Licht gesteuert wird, muss ganz am Anfang geklärt werden. Weil das Auswirkungen auf das Betriebsgerät hat, das zur Beleuchtung benötigt wird», sagt Schwarber. «Wird das nicht abgeklärt und einfach ein System für einen Ein-Aus-Schalter verbaut, sind die Probleme vorprogrammiert.»
In der Beleuchtungstechnik gibt es verschiedene Dimmarten für Leuchtmittel. Nicht alle LEDs lassen sich dimmen, sondern nur solche, die auch als «dimmable» gekennzeichnet sind. Fehlt dieser Hinweis, lassen sie sich nur über einen Ein-Aus-Schalter bedienen. Folgende drei Dimmarten gilt es vorab zu beachten: Dimmen über die Leistungskomponente (Phasenanschnitt und Phasenabschnitt), Dimmen über ein analoges Steuersignal sowie Dimmen über ein digitales Steuersignal wie DALI (Digital Addressable Lighting Interface).
Sind die Ansprüche an die Beleuchtung klar, stellt sich die Frage, ob der Schreiner die einzelnen Komponenten wie LED-Band, Netzteil, Einspeisung und Schalter selbst zusammenstellt, oder mit einem Möbellicht-Konfigurator arbeitet. Er kann sinnvoll sein, wenn standardmässig immer die gleichen LED-Bänder und Profile eingesetzt werden, für eine Kommission aber Sonderprodukte gewünscht sind. Dann muss nämlich nur das tatsächlich benötigte Material bestellt werden, womit am Ende auch keine überschüssigen Teile anfallen.
Ein mögliches Licht-Planungs-Tool ist die «Loox5»-System- und Montageplanung von Häfele, welches Schreinern bei der Planung ihrer Lichtprojekte unterstützt. Des Weiteren bietet Häfele auch die «Akademie Lichtkurse» an, wo die Teilnehmenden unter anderem die Wirkung und richtige Anwendung von Licht erlernen.
Die KMD Industrievertretungen bieten ebenso einen Licht-Konfigurator auf ihrer Website an. Der «Konfigurator 3.0» führt bei der Zusammenstellung der Elemente intuitiv durch die einzelnen Konfigurationsschritte bis zum fertigen Set. «Bei komplexeren Einbausituationen kann es durchaus sinnvoll sein, dass der Schreiner diese mit einem Lichtlieferanten bespricht, bevor er einfach etwas macht und dann irgendwelche Notlösungen hermüssen, weil es nicht funktioniert», sagt Kroll.
Die Störi Licht AG bietet einen Leuchten-Konfigurator an, mit dem sich der Schreiner sein Beleuchtungsset zusammenstellen kann. Der Konfigurator setzt aber voraus, dass der Planer die Profile und Abdeckungen der Firma kennt, da im letzten Schritt nur die Bezeichnungen der Komponenten respektive Profile und Abdeckungen zu sehen sind. Für komplexere Lichtplanungskonzepte geben Lichtplaner aber auch hier Hilfestellung. Eine weitere Lichtlösungsfirma ist die Lightguide AG aus Kägiswil OW, die ebenso Leuchten installationsfertig auf Mass konfektioniert, die der Schreiner nur noch einkleben muss. Mittels PDF-Formular sind die Leuchten bestellbar. Und falls doch Hilfe nötig ist, unterstützen auch hier Lichtplaner, das richtige Set zu arrangieren.
Das so mittels Baukastensystem zusammengestellte Licht-Set wird dann von den Herstellern konfektioniert und installationsfertig vorbereitet. Bevor die Sets das Lager verlassen, werden die LED-Bänder in den verschiedenen Produktionsstadien immer wieder auf Funktion geprüft. «Wir legen jeweils auch einen Zettel bei, auf dem wir darauf hinweisen, dass die Bänder vor dem Einbau nochmals eingesteckt und auf Funktion geprüft werden sollen», sagt Schwarber. Schliesslich gäbe es nichts Mühsameres, als wenn die LEDs eingebaut sind und am Ende nicht funktionieren.
Schreinereien, die im Laden- oder Küchenbau tätig sind, haben auch dementsprechende Erfahrung mit dem Bestellen von Beleuchtungskomponenten. Für alle, die nicht täglich mit der Licht-Materie in Kontakt kommen, mögen Konfiguratoren hilfreich sein. Sie helfen, sich im Sortiments-dschungel zurechtzufinden, und stellen sicher, dass keine Komponenten vergessen gehen. Viel wichtiger aber noch: Durch die vorgegebene Auswahl lassen sich auch nur kompatible LEDs und Profile miteinander kombinieren.
«Regelmässig gibt es Schreiner, die wollen ein möglichst kleines Profil mit möglichst viel Licht drin, was oft nicht geht, weil sich dann zu wenig Wärme ableiten lässt», sagt Donatella Noletta, Lichtplanerin und Mitinhaberin bei der Lichtlösungsfirma Lightguide AG aus Kägiswil OW. Die Aluprofile spielen bei LEDs eine wichtige Rolle, nicht nur aus ästhetischer Sicht. Sie helfen die LED-Chips vor Beschädigungen zu schützen, indem sie die entstehende Wärme gleichmässig ableiten; folglich führt das direkte Einkleben der Lichtbänder in die Nut zu einem schnellen Verschleiss. Durch die besagte Wärmeentwicklung der LEDs, welche die Aluprofile ableiten müssen, dehnen sich diese dementsprechend aus. Je mehr Masse die Profile aufweisen, desto höher kann man auch mit der Leistung fahren. «Wegen der Wärmeausdehnung ist es wichtig, das Profil nicht auf das Nutmass zuzuschneiden, sondern etwas kürzer zu lassen, damit es auch arbeiten kann.» Die Frage ist auch, ob ein randloses Profil oder eines mit Flansch zum Einsatz kommt. Für Schreiner sei es zwar leichter, ein Profil mit Flansch einzusetzen, den Materialmix von Alu und Kunststoff fänden aber nicht alle Kunden schön, und dieser sei zudem immer von der jeweiligen Leuchtenposition abhängig.
Randlose Profile und Profile mit einer kleinen Auflagefläche, für die es keine Klammern gibt, müssen in die Nut eingeklebt werden. «Beim Kleben ist es extrem wichtig, dass man einen nicht vollaushärtenden Kleber verwendet, der dauerelastisch bleibt», erklärt Noletta. Ansonsten könne sich das Profil aufgrund der Wärmeausdehnung lösen und aus der Nut fallen. Empfehlenswert ist auch, die Profile zu entfetten, bevor die LED-Stripes eingeklebt werden. Üblicherweise drückt der Schreiner diese einfach mit den Fingern in das Profil, was die Anbieter von Lichtlösungen jedoch nicht empfehlen. Die empfindlichen LED-Chips können so leicht beschädigt werden. Ein weicher Klotz schafft hier Abhilfe. Eine andere Lösung bietet die KMD Industrievertretungen mit ihrem Einroller an, mit dem sich die Bänder praktisch und behutsam in das Profil einbringen lassen.
Mit der Form des Profils lässt sich auch das Licht entsprechend steuern. «Spannend und immer beliebter sind asymmetrische Profile, mit denen sich beispielsweise die Innenseiten von Schränken mittels indirekter Beleuchtung gut in die Tiefe beleuchten lassen», sagt Mike Kroll.
Für die Art und Weise, wie das Licht gebündelt wird, hat jedoch nicht nur das Profil einen Einfluss, auch die Form der Abdeckung trägt viel zur Lichtführung bei. Je nach Form bündelt oder streut sie das Licht. Eine halbrunde Abdeckung kann beispielsweise wie eine Linse wirken, die den Lichtausfall so um bis zu 180 Grad verteilt. Eine Alternative zu den milchig-weissen Abdeckungen sind dunkle Abdeckungen. «Sie verfälschen zwar die Lichtfarbe und Lichtintensität leicht, in dunklen Oberflächen eingebaut, haben sie jedoch im nichtleuchtenden Zustand den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu den herkömmlichen Abdeckungen kaum zu erkennen sind», sagt Donatella Noletta. Um die Beleuchtungsstärke verschiedener LED-Stripes miteinander zu vergleichen, empfiehlt sie, auf den Lumenwert und nicht auf die Wattzahl zu schauen. Dieser gibt an, was an Licht effektiv rauskommt. «Auch den Kabelausgang im Profil muss man sich im Vorfeld gut überlegen, denn je nach LED-Breite und Profil ist es nicht möglich, den Ausgang einfach in der Mitte zu platzieren.»
Seit der Einführung der ersten LED-Lampen im Jahr 2009 hat sich viel getan. Der CRI-Wert – der Referenzindex, der die Qualität der wiedergegebenen Farben von Objekten unter künstlichem Licht anzeigt – lag damals bei 80. Eine Lichtquelle mit einem CRI-Wert von 100 würde Farben genauso wie Tageslicht wiedergeben. «Mittlerweile ist man schon lange über einem CRI-Wert von 90, wenn man gutes Licht möchte», sagt Noletta. Das sei auch der Unterschied zu günstigen LED-Bändern. «Der Unterschied ist mess- und auch sichtbar.» Je tiefer der Wert liege, umso mehr Farbverfälschungen wie zum Beispiel Graustich können auftreten. «Hält man zwei Bänder mit unterschiedlichen CRI-Werten nebeneinander auf eine weisse Fläche, sieht man den Unterschied deutlich.»
Bei LEDs kommen häufig folgende drei Typen zum Einsatz: SMD-LEDs (Surface Mounted Device), COB-LEDs (Chip on Board) sowie CSP-LEDs (Chip Scale Package). SMD-LEDs werden direkt auf der Oberfläche einer Leiterplatte montiert. Sie können mehrere Dioden auf einem einzigen Chip haben und rote, grüne und blaue (RGB) Dioden in einem Gehäuse enthalten, was eine Farbmischung und eine breite Farbpalette ermöglicht. «COB-Chips sind in erster Linie Flip-Chips, die linear auf der Leiterplatte befestigt werden, anschliessend wird eine Schicht aus mit Phosphor vermischtem Verkapselungskleber direkt auf die Oberfläche des Chips getropft. Das vom Chip emittierte Licht wird gebrochen, reflektiert und interagiert mit dem Leuchtstoff», erklärt Mike Kroll. Der Klebstoff emittiere gleichmässig Licht in verschiedenen Farbtemperaturen. CSP-LEDs verfügen über integrierte Komponenten, die keine Lötdrahtverbindungen erfordern, was zu einem geringeren Wärmewiderstand, weniger Wärmeübertragungspfaden und weniger möglichen Fehlerquellen führt. Die durchscheinende Silikonbeschichtung gibt eine bessere Lichtdurchlässigkeit, was zu gleichmässig leuchtendem Licht führt.
www.haefele.chwww.lightguide.chwww.km-decor.chwww.stoeri-licht.ch
Die Beleuchtung in Wohnräumen lässt sich auf unterschiedliche Arten steuern, klassischerweise mit dem herkömmlichen Ein-Aus-Schalter. Praktischer und unabhängiger gehts mit Funk-Fernbedienungen, die mit Bluetooth oder Wifi funktionieren. Während Bluetooth in der Regel eine Datenübertragung bis zu zehn Meter schafft, lassen sich bei einer Wifi-Steuerung Daten je nach Gegebenheiten bis zu 100 Metern senden. Überdies gibt es eine Reihe an weiteren Systemen, mit denen sich die Beleuchtungen bedienen, in das Smarthome einbinden und dadurch auch mit weiteren Geräten vernetzen lässt:
DALI: Steht für «Digital Addressable Lighting Interface». Das herstellerunabhängige Bus-System ermöglicht die digitale Kommunikation zwischen elektronischen Betriebsgeräten in der Lichttechnik. Einzelne Leuchten oder Leuchtengruppen lassen sich damit präzise und flexibel per Schalter, aber auch Tablet oder PC bedienen. So sind komplexe Lichtszenen programmier- und jederzeit änderbar. Auch externe Geräte wie Jalousien oder Lüftungssysteme lassen sich mit DALI steuern.
ZigBee: Ist ein Funkstandard bzw. ein Kommunikationsprotokoll, das die Kommunikation von vernetzten Geräten gestattet. Namhafte Hersteller wie Philips Hue, Ikea Osram oder Amazon Alexa funktionieren damit. Es wird jedoch ein Hub bzw. eine Bridge (Netzwerkgerät) benötigt, die für die ZigBee-Geräte die Verteilung der Befehle übernimmt.
KNX: Beim Bus-System handelt es sich um einen weltweit anerkannten Standard für die intelligente Gebäudesteuerung. Die Abkürzung steht für Konnex-Bus. Der entscheidende Vorteil hierbei: Die Kommunikation erfolgt hersteller- und produktunabhängig über das KNX-Protokoll. Ein Signalkabel, welches parallel mit der Stromleitung verlegt wird, reicht aus, um die KNX-fähigen Geräte miteinander zu vernetzen.
Veröffentlichung: 27. Februar 2025 / Ausgabe 9/2025
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