Weltmeister erinnert sich gerne an die World Skills


Sven Bürki hat in Abu Dhabi 2017 Gold gewonnen. Bild: Swiss Skills
Sven Bürki hat in Abu Dhabi 2017 Gold gewonnen. Bild: Swiss Skills
World Skills. Sven Bürki hat an den World Skills in Abu Dhabi 2017 die Goldmedaille bei den Möbelschreinern gewonnen. Gerne schaut der Thurgauer auf die spannende Zeit rund um die Berufsweltmeisterschaften zurück und gibt den zwei aktuellen Schweizer Teilnehmern Tipps.
Sven Bürki: Ich verfolge das Geschehen. Zwar eher passiv über die sozialen Medien und Infomails von den Verbänden, bin aber natürlich bei meiner Nachfolgerin Samanta Kämpf auf dem neusten Stand. Da ich immer mal wieder Kontakt mit Experte Tobias Hugentobler habe, erfahre ich aus erster Hand, wie es Samanta läuft. Eine Reise nach Kazan war zwar ursprünlich mal geplant. Ich musste dann jedoch aus mehreren Gründen darauf verzichten.
Ich habe ausnahmslos positive Erinnerungen. Das liegt natürlich auch an meiner guten Platzierung. Doch auch ohne Medaille hätte ich wohl sehr gerne an den World-Skills-Zyklus zurückgedacht. Schon die Zeit in der Schreinernationalmannschaft war toll. Wir hatten eine super Gruppe und ein sehr gutes Niveau. Gegenseitig haben wir uns gepusht und so waren die Wettkämpfe auch immer spannend und intensiv. In der Vorbereitung auf die WM konnte ich bei Experte Tobias Hugentobler in der Firma trainieren. Diese Zeit habe ich besonders genossen. Ich konnte mich voll und ganz aufs Training und meine Ziele konzentrieren und habe in den drei Monaten wahnsinnig viel gelernt.
Mit dem Swiss-Skills-Team hatten wir verschiedene Zusammenzüge, bei denen alle Kandidaten der Schweiz auf die World Skills vorbereitet wurden. Zusammen mit unseren Teamleadern trainierten wir das Mentale, optimierten den Tagesablauf und entwickelten einen starken Zusammenhalt. So haben wir eine fantastische Teamleistung geschafft. Wir haben uns in Abu Dhabi gegenseitig unterstützt und wieder aufgebaut, wenn mal was nicht so gut lief. Unsere Gruppendynamik ist mir besonders in Erinnerung geblieben.
Unmittelbar nach den World Skills war die Resonanz natürlich sehr gross. Deswegen war die Zeit danach sehr stressig. Da fand ich es auch ganz gut, dass dies nach ein paar Monaten wieder nachliess. Ich habe mir dann noch eine Auszeit gegönnt und bin für einige Wochen ins Ausland. Heute werde ich jedoch immer noch ab und zu darauf angesprochen, auch von Leuten, die ich nicht kenne.
Ich hatte nach der Weltmeisterschaft noch eine Woche frei, um mich zu erholen. In dieser Zeit habe ich mich bewusst zurückgezogen, um nach dem ganzen Zyklus mal durchzuatmen. Danach sind einige Medien und Verbände auf mich zugekommen. Das war mir dann schon ab und zu zu viel. Auch wenn ich sehr stolz auf das Erreichte bin, fühle ich mich im Mittelpunkt nicht so wohl.
Sie sollen die Zeit so gut wie möglich geniessen. Sie ist sehr schnell vorbei und sowas erlebt man nur einmal im Leben. Neben dem Stress und den Entbehrungen, sind das auch wundervolle Momente mit spannenden Personen aus der ganzen Welt. Aus dieser Zeit nimmt jeder Kandidat so viel mit. Aber man darf auch zwischendurch mal stolz auf sich sein.
Auch an den World Skills die Freude an ihrer Arbeit behalten. Natürlich geht es um jeden Punkt und jeder Fehler ist einer zuviel. Aber zu diesem Zeitpunkt haben sie schon so viel erreicht und haben sich gegen unzählige Teilnehmer durchgesetzt. Deshalb können sie in Russland gegen die Besten aus den anderen Ländern antreten. Auch wenn sie an diesem Wettkampf die Schweiz vertreten, geht es in den vier Tagen nur um sie selbst und die Ziele, die sie sich gesetzt haben. Denn es braucht auch ein wenig Gelassenheit. Und dies ist nicht möglich, wenn man die Erwartungen von jemand anderem erfüllen möchte.
Andere Länder arbeiten anders als wir. Gerade im Arbeitsablauf gibt es sehr grosse Unterschiede. Das sieht von aussen dann schnell mal nach einem riesigen Rückstand aus. Das hat sich bei mir schon bei den nationalen Wettkämpfen gezeigt. Auch an der WM war ich scheinbar sehr weit zurück. Am Ende habe ich mein Möbel trotzdem rechtzeitig fertig gehabt. Wichtig ist, sein eigenes Tempo durchzuziehen, und sich da nicht verückt machen zu lassen.
Ich würde mich sofort wieder anmelden. Da dies nicht möglich ist, hoffe ich, dass es beim nächsten Zyklus klappt, um die World Skills mal als Zuschauer zu erleben. Als Kandidat habe ich von dem ganzen Event nicht so viel mitbekommen. Das würde ich gerne mal nachholen.
Ich habe in der Zwischenzeit die Arbeitsstelle gewechselt. Von einem mittelgrossen Betrieb wechselte ich in einen Kleinstbetrieb. Momentan arbeite ich nur mir meinem Chef zusammen. Ich habe so wieder eine grössere Vielfalt an Schreinerarbeiten und bin auch mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert. Der Titel ist bei der Jobsuche natürlich hilfreich. Mir persönlich ist die ganze Zeit und alles was ich daraus mitnehmen konnte wichtiger als der Titel an sich. Momentan arbeite ich daran, einen Raum einzurichten und mein Werkzeug dort unterzubringen. So kann ich in meiner Freizeit mit meinem Werkzeug schreinern. Dies ist mir sehr wichtig, da ich sehr viel Zeit und Leidenschaft in meine Werkzeugwahl gesteckt habe. Vieles ist auch selbstgemacht oder optimiert.
Neben den handwerklichen Fähigkeiten, die ich in zahllosen Trainingsstunden immer weiter verbessert habe, nehme ich vor allem viel Wissen über mich selbst mit. Die Wettkämpfe waren alle mental sehr anstrengend. Doch an den World Skills war ich auf den Punkt bereit. Das zeigte mir, dass ich einen guten Weg gefunden habe, mich auf sowas vorzubereiten. Ich habe in der Zeit sehr viele interessante Leute kennen gelernt, die ich ohne Teilnahme natürlich nie getroffen hätte. Solche Kontakte sind wohl das Wertvollste, was man mitnehmen kann.
ndo
Momentan verfolgt Fabio Holenstein, der in Abu Dhabi 2017 bei den Massivholzschreinern Rang drei belegt hatte, das aktuelle Geschehen rund um die World Skills nur über die Sozialen Medien der Swiss Skills. «Ich werde mich aber während der WM aktiver informieren, um möglichst auf dem aktuellen Stand des Geschehens zu sein», sagt er. Seine Erinnerungen an die World Skills in Abu Dhabi seien immer mit Freude und Stolz verbunden. «Das Gefühl im Mittelpunkt zu stehen war für mich allerdings eher speziell, daran musste ich mich erst gewöhnen.»
Den jetzigen Teilnehmern rät er, immer sich selbst zu bleiben und alles zu geben. Man habe nur diese eine Chance und diese sollte man nutzen. Einen Podestplatz zu erreichen, sei natürlich schon das Ziel, man sollte aber nicht zu sehr enttäuscht sein, wenn dies nicht klappt. «Allein die Teilnahme ist eine riesige Leistung.» Die Bronzemedaille sei sicher eine grosse Referenz in seinem Lebenslauf. «Ich denke jedoch nicht, dass ich den Job, welchen ich jetzt habe, nur aufgrund der Teilnahme an den World Skills bekommen habe.» Er wünscht den Kandidaten viel Glück und dass sie den Anlass geniessen, er sei einmalig.
Veröffentlichung: 08. August 2019
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