Stillstand kostet


Eine automatisierte Beschickung steigert die Kapazität bei einem hohen Durchlaufvolumen. Bild: Noah Gautschi
Eine automatisierte Beschickung steigert die Kapazität bei einem hohen Durchlaufvolumen. Bild: Noah Gautschi
Auslastung. Wie lange eine Maschine produktiv arbeitet und wie lange sie stillsteht, hat entscheidenden Einfluss auf die Rentabilität der Fertigung. Die genaue Betrachtung der Auslastung bietet dem Schreiner viel Optimierungspotenzial.
Die Auslastung der Maschinen ist in der Fertigungsplanung ein entscheidender Faktor. Sie gibt Auskunft darüber, wie viel Zeit eine Maschine pro Tag tatsächlich produktiv läuft. In industriellen Fertigungen gilt eine Maschinenauslastung von über 80 Prozent als guter Wert und kann mittels Monitorings und einer angepassten Fertigungs- sowie Auslastungsplanung relativ gut realisiert und skaliert werden. In einer typischen Schreinerei mit ihrer grossen Bandbreite bei den Werkstücken und den vielen unabhängigen Bearbeitungsmaschinen stellt sich die Auslastungsplanung etwas komplizierter dar. «Einzelne Bereiche wie beispielsweise der Zuschnitt sind oftmals unter 50 Prozent ausgelastet und bieten entsprechend Optimierungspotenzial», sagt Urs Scherer von der Beratungsfirma Tre Innova AG aus Hünenberg ZG. Aber auch das schwankende Arbeitsvolumen beeinflusst die Auslastung. «Auf das ganze Jahr gesehen, sind die CNC und die Striebig bei uns zirka 35 bis 40 Prozent ausgelastet», sagt Christof Dürr, Projektleiter bei der Schreinerei Zwicky aus Aesch BL mit acht Mitarbeitern. Die anderen Maschinen variieren stark je nach Auftrag und Jahreszeit. «In einem Jahr verarbeiten wir viel Massivholz und im anderen Jahr wieder mehr Plattenmaterial», sagt Dürr.
Schreinereien mit genügend Durchlauf können durch eine automatische Beschickung an der CNC-Maschine oder ein automatisiertes Lager vor der Zuschnittanlage die Personenstunden reduzieren, was mehr Kapazitäten schafft. Automatische Werkzeugwechselsysteme oder Zuführautomatiken reduzieren ebenfalls die unproduktive Zeit an der Maschine.
Bei Standardmaschinen oder bei weniger Durchlauf gilt es, die Auslastung maschinenspezifischer zu betrachten. «Eine Neuanschaffung muss rentabel betrieben werden können. Deshalb ist es entscheidend, wo die Kompetenzen der jeweiligen Schreinerei liegen und in welche Richtung sie sich entwickeln will», sagt Marcel Urech, Verkaufsleitung bei der Ineichen AG im luzernischen Ermensee.
Wenn eine Maschine bereits im Betrieb steht und die benötigte Auslastung nicht erreicht wird, halten sich die Optimierungsmöglichkeiten leider in Grenzen. «Hier kann man höchstens versuchen, die Maschine mittels Fremdarbeiten auszulasten. Oder man muss die Maschine als Fehlinvestition verbuchen», sagt Scherer. Um solch einem unfreudigen Szenario vorzubeugen, sollte das Thema Maschinenauslastung bereits bei der Evaluation eine tragende Rolle spielen. «Die Maschine sollte so konfiguriert werden, dass sie für die geplanten Arbeiten ausreicht», rät Scherer. In der Praxis wird jedoch ähnlich wie beim Autokauf oftmals nach dem Prinzip «nice to have» konfiguriert. Das Thema Auslastung kommt in Bezug auf die Amortisation einer Anschaffung bei solchen Überkonfigurationen natürlich doppelt zum Tragen. So sind im Moment beispielsweise Bürstenaggregate bei Breitbandschleifmaschinen beliebt, auch wenn noch nicht bekannt ist, wie lange dieser Trend halten wird. Hier würden sich Alternativen lohnen wie eine Handbürstenmaschine oder die Suche nach einem Schreinerkollegen, der bereits ein solches Aggregat betreibt.
Da jede Schreinerei sehr individuelle Anforderungen an ihren Maschinenpark stellt, gilt es, dem Maschinenhändler möglichst genaue Angaben über die beabsichtigte Nutzung und den Bedarf anzugeben. «Wir führen normalerweise pro Maschinentyp einen Anforderungskatalog, der individuell mit dem Kunden besprochen wird», sagt Urech. So kann anschliessend evaluiert werden, welches Modell Sinn ergibt. «Wichtig ist eine saubere und detaillierte Offerte mit allen Leistungsangaben. So können Missverständnisse verhindert werden». Auch Faktoren wie die Platzverhältnisse, die verwendeten Holzwerkstoffe, das Werkzeug und die Verbrauchsmaterialien sollten mit der Maschinenauswahl harmonieren.
Eine Zusammenarbeit mit einem Partnerbetrieb, bei der man sich bei Unter- oder Überbelastung gegenseitig aushilft, ist ein spannender Ansatz, um die Auslastungsplanung zu optimieren. «Besonders wenn sich Betriebe produkttechnisch ergänzen, ist eine Kooperation interessant», sagt Urs Scherer.
Auch für spezielle Arbeiten, die sporadisch anfallen oder besonderes Equipment benötigen, lohnt sich eine Zusammenarbeit. «Wir arbeiten mit anderen Schreinereien zusammen und unterstützen uns gegenseitig. Das Lackieren haben wir beispielsweise ganz ausgelagert, weil wir einen Lackierraum nicht auslasten würden», sagt Dürr. Bei der Zusammenarbeit mit Partnerbetrieben gilt es, immer ein Augenmerk auf die möglicherweise unterschiedlichen Produktionsstandards und die Normierungen im Bereich der Detailkonstruktion zu werfen.
Mit der heutigen Software kann die Fertigungsplanung exakt gesteuert und ausgewertet werden. So erhält der Schreiner genaue Daten, wie es in seiner Produk- tion um die Auslastung der einzelnen Maschinen steht. Je nach Betriebsgrösse können auch einfach die zentralen Maschinen genauer geplant werden. «Wir erstellen Auslastungsplanungen für die CNC. Die anderen Stationärmaschinen werden dann direkt in der Werkstatt abgesprochen», sagt Dürr.
Aber auch die Art und Weise, wie die Mitarbeiter die Maschinen bedienen, beeinflusst die Auslastung. «Werden die Mitarbeiter an den einzelnen Maschinen geschult, hat dies einen Einfluss auf die Leistung und minimiert Rüstzeiten», sagt Urech.
Das Thema Auslastung gilt es beim Schreiner, durch die unterschiedlichen Anforderungen sehr individuell zu betrachten. Wichtig ist, dass sich der Schreiner bewusst ist, was er wirklich benötigt und wohin er sich entwickeln will.
www.ineichen.chwww.treinnova.chwww.zwicky-schreinerei.chVeröffentlichung: 26. August 2021 / Ausgabe 34/2021
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