Schreiner suchen Sägen

Die gut vorbereiteten Schreiner lassen sich die Sägen genau erklären.

Rundgang.  Die SchreinerZeitung hat vier Schreiner bei ihrem Besuch auf der Holz-Messe in Basel begleitet. Dabei war zu erfahren, auf welche Details Fachleute bei Kreissägen achten und welches Modell am Ende ganz oben auf der Favoritenliste landet.

Die Röthlisberger Schreinerei AG aus Gümligen BE besuchte die Holz-Messe mit der gesamten Belegschaft. Um den Besuch möglichst effizient zu gestalten, wurden verschiedene Gruppen gebildet, welche sich um spezifische Themen kümmern mussten.

Die SchreinerZeitung hat sich einer dieser Gruppen auf dem Messerundgang angeschlossen. Sie bestand aus den Schreinern Marco Lehmann, Andreas Abgottspon, Frank Stucki und dem Lernenden Laurin Schütz. Sie hatten die Aufgabe gefasst, sich über Tischkreissägen zu informieren.

Drei Sägen im Einsatz

Bevor es in die laute Messehalle geht, erklären die Schreiner, dass die Zusammensetzung nicht zufällig gewählt sei. Es sollten Mitarbeiter aus beiden Bereichen – Innenausbau und Manufaktur – dabei sein. «Wir haben alle unterschiedliche Ansprüche an eine Tischkreissäge», sagt Andreas Abgottspon. Die Abteilung Innenausbau müsse teilweise grössere Stücke darauf zuschneiden können. In der Manufaktur werde viel mit Massivholz gearbeitet, und die Lernenden müssten auch mal das Erstellen von Fragmenten üben können.

Insgesamt sind bei Röthlisberger drei Tischkreissägen im Einsatz: Je eine von Martin, Felder und Altendorf. Letztere ist die älteste im Maschinenpark und soll demnächst ersetzt werden. «Deshalb kennen wir die verschiedenen Hersteller schon ein wenig», sagt Frank Stucki. Zudem soll der Maschinenpark wo möglich vereinheitlicht werden. «Aus diesen Gründen war von vornherein klar, dass die neue Säge wieder von einem dieser Hersteller sein soll», erklärt Marco Lehmann.

Also begibt sich die Gruppe als Erstes zum Stand von HM-Spoerri, der Schweizer Vertretung von Felder. Die Schreiner halten direkt auf die «Kappa 590» zu, das Topmodell des Herstellers. Sofort entsteht eine Diskussion um die Länge des Schiebetisches der ausgestellten Variante. Für sie sei dieser eher zu lang, man müsste wohl auf die kürzere Version setzen. Zudem stört die Schreiner, dass die Führung relativ weit nach hinten hinausragt und so dem Bediener im Weg ist. «Aber klar, bei so einem langen Tisch ist das für die Stabilität nötig», relativiert Marco Lehmann.

Am Ende entscheidet der Chef

Ein grosses Thema ist ausserdem die Steuerung. Die Schreiner würden ganz klar einen Touchscreen begrüssen, der das Berechnen und Einstellen von Massen erlaubt. «Wir müssen oft Schrägen und Gehrungen schneiden, da wäre dies eine grosse Hilfe», sagt Frank Stucki.

Sie klicken sich durch das Menü und testen die Funktionen und sind sich einig: Die Darstellung ist übersichtlich, einfach und selbsterklärend. Dies sei wichtig für sie, denn sonst würden die Funktionen nicht genutzt. Ihnen ist aber klar, dass sie einige davon wahrscheinlich nie benötigen und es am Ende auch immer eine Preisfrage ist.

An dieser Stelle zeigt sich, dass sich alle sehr gut auf diese Aufgabe vorbereitet haben und sie ernst nehmen. Es sei klar, dass man als Anwender immer das Beste wolle. Aber bezahlen müsse die Maschine der Chef. «Wenn wir schon die Gelegenheit erhalten, uns bei der Evaluation einzubringen, ist eine ehrliche und realistische Einschätzung Pflicht», sagt Andreas Abgottspon.

Sie lassen sich deshalb vom Verkaufsberater auch die nächst kleinere Säge zeigen. Bei ihr fällt auf, dass der Bildschirm für die Bedienung wesentlich kleiner ist und über separate Knöpfe für die Eingabe verfügt. Die Schreiner empfinden dies als weniger übersichtlich und sie fragen sich, ob dies denn überhaupt genutzt wird.

Nocken statt Klappe

Mit diesen Eindrücken und einem neuen Katalog im Gepäck gehen die vier zum Stand der Eigenmann AG, wo Kreissägen von Martin ausgestellt sind. Hier wird ebenfalls viel über die Steuerung und deren Darstellung diskutiert. Aber auch die Anschläge nehmen die Schreiner genau unter die Lupe. Denn der digitale Längsanschlag ist nicht mit einem Klappmechanismus ausgestattet, sondern mit einem gefederten Anschlagnocken. An diesem finden im ersten Augenblick alle Gefallen, aber der Lernende Laurin Schütz entgegnet: «Kleine oder leichte Teile muss man gut dagegen drücken, ansonsten schiebt der Nocken das Teil vom Anschlag weg.»

Beim Parallelanschlag fällt Marco Lehmann auf, dass der Arretierhebel nach links und rechts geschwenkt werden muss. Er persönlich bevorzugt hier einen Hebel, den man zum Arretieren nach unten drücken kann. «Bei der Seitwärtsbewegung habe ich das Gefühl, dass sich der Anschlag eher noch etwas verschiebt», sagt Lehmann.

Effizient Winkel einstellen

Auf Interesse stösst ausserdem der montierte Doppelgehrungsanschlag. Diesen gibt es mit analoger oder digitaler Winkelanzeige. Weil es bei den Aufträgen der Röthlisberger Schreinerei immer wieder spezielle Gehrungen gibt, würden die Schreiner auch hier am liebsten auf die digitale Anzeige setzen. «So kann man den Winkel viel schneller einstellen, und das Nachjustieren geht effizienter», sagt Frank Stucki.

Einen ähnlichen Anschlag finden sie bei den Kreissägen von Altendorf am Stand der Arthur Bründler AG. Noch mehr interessieren sich die Schreiner hier aber für den Queranschlag mit Parallelogrammquertisch und dessen Befestigung. Denn das Montieren sowie Demontieren soll schnell und mit wenigen Handgriffen möglich sein. Dies ist bei der ausgestellten Version der F45 der Fall.

Weniger zu überzeugen vermag allerdings der Schwenkmechanismus für die Schutzhaube: «Bei anderen Sägen kann man praktisch den ganzen Arm ohne Weiteres wegschwenken», sagt Abgottspon. Dafür erachten die Schreiner die Menüführung des Touchscreens als ganz okay.

Wenn digital, dann richtig

Im Anschluss an die Besichtigung der verschiedenen Sägen ziehen die vier Schreiner ein erstes Fazit: Wenn es das Budget zulässt, soll die Säge über eine möglichst umfassende digitale Steuerung verfügen, welche die Masse auch auf dem Bildschirm anzeigt. «Kombinationen von analogen und digitalen Skalen sind unpraktisch und verwirrend», sagt Marco Lehmann. Laurin Schütz findet ebenfalls, dass die Masse auf dem Bildschirm ersichtlich sein sollten. «Befindet sich zum Beispiel die digitale Anzeige für den Winkel im Quertisch, können sie grössere Werkstücke verdecken.» Ausserdem sollen die elektronischen Anzeigen und Anschläge von den Schreinerinnen und Schreinern selbst geeicht oder nachjustiert werden können.

Ebenfalls noch nicht klar ist, ob die neue Säge eine Winkelverstellung des Blattes von + 45 bis – 45 Grad haben soll. «Hier müssen wir im Betrieb nochmals genau klären, bei welchen Arbeiten wir diese Funktion benötigen», erzählt Andreas Abgottspon. Denn ein beidseitig verstellbares Sägeblatt treibt die Kosten der Säge stark in die Höhe.

Ein kleines, aber wichtiges Detail ist zudem die Gestaltung der Schutzhaube. Die Hebemechanismen sind zwar inzwischen bei allen so konstruiert, dass die Haube auch bei hohen Werkstücken einfach darübergleitet. Dennoch gibt es Unterschiede: «Die eine Haube hat zum Beispiel auf der Unterseite ein Aluprofil. Das verstärkt zwar die Haube, versperrt aber eher die Sicht auf das Werkstück», erklärt Frank Stucki.

Zumindest für die vier Schreiner hat sich ein Favorit abgezeichnet: Von den ausgestellten Sägen würden sie wahrscheinlich jene von Felder nehmen. Aber entschieden ist noch nichts. Man kann die Sägen ja immer individuell nach seinen Ansprüchen zusammenstellen.

www.roethlisberger.chwww.felder-group.comwww.eigenmannag.chwww.bruendler.ch

ph

Veröffentlichung: 24. Oktober 2019 / Ausgabe 43/2019

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