Ein Händchen fürs Werkzeug


Moderne Werkzeuge richtig eingesetzt, reizen die Produktionsmöglichkeiten voll aus. Bild: Noah J. Gautschi
Moderne Werkzeuge richtig eingesetzt, reizen die Produktionsmöglichkeiten voll aus. Bild: Noah J. Gautschi
Werkzeuge. Damit der Schreiner die volle Leistung seiner Werkzeuge abrufen kann, benötigt es eine individuelle Abstimmung auf die eigene Produktion. Zudem lohnt sich eine handfeste Beratung von den Werkzeugprofis oder eine Schulung, die zur eigenen Wartung befähigt.
Präzis, schnell und perfekt bearbeiten moderne Fräs- und Kehlwerkzeuge Holz und Holzwerkstoffe. Mit zum Teil kleinsten Optimierungen der Schneidengeometrien, einer Veränderung der Schneidenpositionierung oder neuen Legierungen passen die Werkzeughersteller ihr Angebot laufend an die wechselnden Anforderungen an.
An der Holz-Handwerk in Nürnberg wurde ersichtlich, dass in der Werkzeugentwicklung die grossen Entwicklungssprünge der letzten Jahre nicht fortgesetzt werden. Viel mehr setzen die einzelnen Werkzeughersteller auf die Feinanpassung der vergangenen Entwicklungsschritte und bauen den Dienstleistungssektor rund um die Werkzeuge weiter aus.
Die Produktionsprozesse sind im Wandel und die darauf spezialisierten Produktionsmaschinen stellen neue Anforderungen an die eingesetzten Werkzeuge. Hier wird es im Schreinerumfeld in Zukunft wahrscheinlich zwei Produktionstypen geben. Zum einen die Standardproduktion, die auf die Fertigung eines breiten Sortiments abgestimmt ist und hochwertige und multipel einsetzbare Werkzeuge benötigt. Zum anderen wird vermehrt die hoch spezialisierte Produktion auftauchen, die eine Produktlinie optimiert fertigen kann.
«In der hoch spezialisierten Produktion ist es sinnvoll, individuell auf die benötigte Bearbeitung abgestimmte Hochleistungswerkzeuge einzusetzen», sagt Urs Moser, Geschäftsführer von Leitz in Lenzburg AG. Denn sobald grössere Mengen produziert werden können, rechnen sich optimierte Attribute wie beispielsweise höhere Vorschubgeschwindigkeiten und Standzeiten-optimierungen um ein Vielfaches. Um diese unterschiedlichen Kundenbedürfnisse zu erkennen und abzudecken, benötigt es erfahrenes Aussendienstpersonal seitens der Werkzeughersteller.
In der aktuellen Zeit der Digitalisierungen und Automation suchen viele Handwerker nach handfesten Praxisinformationen. «Wir spüren das Bedürfnis in der Schreinerbranche nach praxistauglichen Lösungen», sagt Urs Moser. Normalerweise wird eine Maschine gekauft, mit Werkzeug ausgestattet, eingefahren und gleich mit der Produktion gestartet.
Oft fehlen aber das Wissen und die Erfahrung, um mögliche Fehlerquellen zu bemerken und zu vermeiden. «Wir bieten spezielle Werkzeugschulungen an, in welchen wir den richtigen Werkzeugeinsatz, den Unterhalt und auch das Gehör schulen», sagt Moser und fügt an: «Viele Fehler- quellen hört man mit dem nötigen Grundwissen während der laufenden Bearbeitung heraus.» Die Begleitung der Kundschaft minimiert die Gefahr von Schäden durch Fehlmanipulationen und die individuelle Optimierung bringt einen sofort messbaren Mehrwert.
Wo früher nur die Maschine im Mittelpunkt der Fertigungsplanung stand, findet bei den zukünftigen Produktionsverantwortlichen langsam aber sicher ein Umdenken statt. Die beste Maschine und das beste Werkzeug können ihr Potenzial nur dann voll ausnutzen, wenn sie richtig eingesetzt werden. «Das Fachwissen und die Kompetenz der verantwortlichen Mitarbeiter werden in Zukunft entscheidend sein für eine erfolgreiche Produktion», sagt Moser. Denn falsch eingesetzte Werkzeuge verursachen hohe Unterhaltskosten, bringen eine schlechtere Bearbeitungsqualität und schöpfen die vorhandenen Möglichkeiten der Produk- tion nicht aus. Die meisten Werkzeughersteller bieten aktive Unterstützung, wenn es um die individuelle Optimierung des Werkzeugeinsatzes geht.
Auf ein neues Vertriebskonzept, das je nach Produktionsanforderungen für ein Unternehmen interessant sein kann, verweist Thomas Malin, Produktmanager bei der Oertli AG: «In einem Pilotprojekt bieten wir in Österreich zusammen mit Leuco ein Vertriebsmodell an, in welchem das Unternehmen kein Werkzeug mehr bezieht, sondern die Bearbeitung per Laufmeter.» Das bedeutet zum Beispiel, der Möbelbauer kauft beim Werkzeughersteller 200 Meter einer gewünschten Profilbearbeitung zu einem Meterpreis. Der Hersteller stellt anschliessend die benötigten Werkzeuge bereit und den Unterhalt sicher.
Ob und wie sich solche Vertriebskonzepte auf den Schreiner übertragen lassen, wird sich zeigen. Für einen einmaligen Sonderauftrag könnte ein solches Angebot jedoch sehr interessant sein.
Eines bleibt trotz aller Entwicklungen bestehen – zum Produzieren benötigt es das passende Werkzeug. «Trotz unseres Engagements im Bereich der Dienstleistung dürfen wir nicht vergessen, was unser Kerngeschäft ist: die Produktion und Wartung von Werkzeugen», sagt Moser. Die Zusatzleistung soll jedoch sicherstellen, dass für jede Bearbeitung das richtige Werkzeug auf die richtige Weise eingesetzt wird. Nur so können die Produzenten die Optimierungen der Werkzeuge im Hochleistungsbereich richtig ausnutzen und die volle Performance abrufen. Einige Neuheiten und Weiterentwicklungen aus dem Werkzeugbereich folgen auf den nächsten Seiten.
Spezialwerkstoffe wie Struktur-, Hochglanz-, Magnet- und Antifingerprintplatten gehören in der täglichen Fertigung beim Schreiner längst nicht mehr zur Ausnahme. Einige Werkstoffe, wie beispielsweise matte und strukturierte Anti- fingerprintmaterialien, tendieren zu Mikroausbrüchen an den Kanten, was zu einer verminderten Standwegleistung der Werkzeuge führen kann. Mit dem Fügefräser «Diarex airFace» hat Leuco einen Fräser speziell für abrasive Materialien entwickelt. Durch den sehr grossen Achswinkel soll sich die Schnittqualität und somit die Standzeit gegenüber herkömmlichen Fügefräsern erhöhen.
Das neue Wechselmesserkopfsystem «ProfilCut Q Diamond» von Leitz ist speziell für die Bearbeitung abrasiver Materialien, Faser- und Schichtstoffverbundplatten wie auch für Massivhölzer einsetzbar. Der Aluminiumgrundkörper mit nachschärfbaren, durchmesserkonstanten Diamantschneiden aus Polykristallinem Diamant (PKD) kann diese Materialien präzise und ohne Leistungsverlust bearbeiten. Selbst bei wiederholtem Nachschärfen bleiben Durchmesser und Profil der Schneide unverändert. Bis zu fünfmal können die Schneiden geschärft werden, was eine Erhöhung der Standzeit um das 20-Fache und eine deutliche Kostenersparnis gegenüber Hartmetall-Einweg-Systemen bedeutet.
Mit dem «Konstantin Mini» hat Aigner den bisher kleinsten Nutschaftfräser mit wechselbaren Diamant-Schneidlingen aus PKD im Sortiment. Bisher waren Fräser dieser Baugrösse nur als festbestückte Diamantwerkzeuge erhältlich. Die neuen Nutschaftfräser sind so konzipiert, dass für den Durchmesserbereich von 16 bis 30 Millimeter die gleichen PKD-Schneiden eingesetzt werden können. Dadurch benötigt es nur eine Art von Ersatzschneiden im Vorrat. Den Wechsel kann der Kunde bei sich im Betrieb selbst ausführen. Er muss sein Werkzeug nicht mehr ausser Haus geben. Ebenfalls sind die Schneiden untereinander austauschbar und bieten eine gute Spanabführung.
Bei der Entwicklung der eigenen Hochleistungslinien legte Oertli den Fokus auf das Schneidensystem. Das daraus entstandene System CAT ist auf hohe Drehzahlen und eine hohe Schnittqualität ausgelegt. Das CAT-Spannsystem lässt Schnittgeschwindigkeiten von bis zu 120 m/s zu. Dadurch wird eine bis zu 40 Prozent höhere Zerspanleistung erreicht, was unter anderem höhere Vorschübe ermöglicht. Durch den einfachen Zugang in jedem Achswinkel und die formschlüssige Positionierung ist das System sehr sicher und einfach in der Handhabung. Die Profilschneiden sind vollflächig mehrmals bis zu 0,2 Millimeter nachschärfbar.
Neu bietet Leuco den «SmartJointer» auch im «airFace»-Design an. Dessen Oberflächenstruktur ergibt im Span-Raum eine dem Eulenflügel nachempfundene Abrisskante. Die Eule benötigt den Leiseflug zur erfolgreichen Jagd, Leuco zur Verbesserung des Arbeitsklimas. Beim «SmartJointer» werden beim Schneidentausch gleichzeitig die Spanräume, die ver-schleissanfälligsten Flächen eines Messerkopfes, ausgetauscht. Dadurch wird der schnelle Verschleiss des Aluminiumgrundkörpers verhindert und dieser kann mehrfach wiederverwendet werden.
Der neue Fügefräser «WisperCut PLUS» von Leitz hat gegenüber der herkömmlichen Ausführung dickere Schneidenkörper. Diese ermöglichen es, die Diamantschneiden bis zu zehnmal nachzu schärfen. Dank der komplett austauschbaren Schneiden ist der Leichtmetalltragkörper mehrmals wiederverwendbar und durch das geringe Gewicht reduziert sich die Spindelbelastung. Die optimierte Tragkörperform ermöglicht eine Lärmreduzierung um bis zu 5 dB, was für das Klima am Arbeitsplatz ein Plus ist.
Mit dem Spannzangenfutter HP schliesst die Ake Knebel GmbH die Lücke zwischen den bisherigen flexiblen Spannzangen und den hochgenauen, aber eher unflexiblen Schrumpf-Spannfuttern. Eine neuartige Spannmutter ohne Kugellager in Verbindung mit einer festen Überwurfmutter ermöglicht das neue Konzept. Das Spannsystem erreicht eine dauerhafte Rundlaufgenauigkeit von 0,008 mm. Dank der formschlüssigen Ausführung der neuen Einzugsmutter kann das Futter auch ohne kugelgelagerte Überwurfmutter für den Rechts- und Linkslauf eingesetzt werden. Gleichzeitig lassen sich weiterhin die Standard-Spannzangen (Typ 462E) einsetzen, was Vorteile hinsichtlich der Kosten und der Variabilität ergibt. Die Reduktion des Durchmessers von 63 mm auf jetzt 53 mm bringt eine geringere Störkontur mit sich, zumal die neue HP-Generation auch für den Einsatz von bis zu 24 000 U/min geeignet ist.
Das richtige Reinigen der Werkzeuge ist ein entscheidender, aber leider oftmals vernachlässigter Wartungsschritt. «Wir haben schon testweise ein Werkzeug nicht nachgeschärft, sondern lediglich gereinigt, und der Kunde konnte weiterproduzieren», sagt Urs Moser von Leitz. Solange es sich um trockenes und harzarmes Holz handelt, ist die Verschmutzung ein kleines Problem, sobald jedoch Verbundplatten oder Spezialwerkstoffe verarbeitet werden, benötigt es einen Reinigungsplan.
Eine Herausforderung bei der Reinigung ist die Bewahrung der Diamantbeschichtungen. Diese können bei einer zu groben oder falschen Reinigungstechnik beschädigt oder stark beeinträchtigt werden. Bei verschmutzten Werkzeugen kann sich je nach Zustand eine fachliche Reinigung positiv auf die Standzeit auswirken.
Veröffentlichung: 19. April 2018 / Ausgabe 16/2018
Christian Härtel macht den Test Das Gerät im Test stellt die erste praktische Begegnung des Autors mit einem Linienlaser dar. Was einer sagt, der das Ausrichten und Nivellieren mittels Wasserwaage und Richtlatte gewohnt ist und der noch die Arbeit mit der Schlauchwasserwaage kennt, steht im Praxistest.
mehrWerkstoffe. Aus wirtschaflichen Gründen will die Firma Samvaz in Châtel-St-Denis FR ihr Werk für Holzelemente schliessen. Wie die Firma mitteilt, läuft aktuell ein Konsulationsverfahren unter den betroffenen Mitarbeitenden, wie die Produktion allenfalls gerettet werden könnte.
mehrPaidPost. Die neue «Stream B MDS 2.0» von Biesse ermöglicht mit ihrer neuen Kantenanleimtechnologie flexible Losgrösse-1 Produktion und maximaler Leistungsfähigkeit mit bis zu 1'200 Platten pro Schicht.
mehr