Wer die Zukunft formt, dem gehört sie


Bild: Monika Hurni Was macht einen Arbeitgeber attraktiv? Darüber diskutierten die Teilnehmenden der Talkrunde.
Bild: Monika Hurni Was macht einen Arbeitgeber attraktiv? Darüber diskutierten die Teilnehmenden der Talkrunde.
Unternehmertag. Die Themen Begeisterung, Social Media, Sinnhaftigkeit und Arbeitsattraktivität standen beim Schreinerforum 2023 im Rampenlicht. Im Kongresszentrum Trafo in Baden AG traf sich die Schreinerbranche und warf einen Blick auf Entwicklungen von morgen.
Wie man seine Kundschaft begeistert, richtig auf Social Media kommuniziert, das eigene Warum findet und als Arbeitgeber attraktiv bleibt, waren die Kernthemen des fünften Schreinerforums im Trafo Baden. Neben den Referaten und der Talkrunde gab es am Dienstag vergangener Woche genügend Zeit, um sich in den bereichernden Pausengesprächen auszutauschen. Seit der letzten Durchführung des Anlasses vor drei Jahren haben sich der Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche Lage verändert, und der Fachkräftemangel hat zugenommen.
«Die Zukunft gehört denen, die wissen, wie man sie gestaltet», sagte Thomas Iten, Zentralpräsident des VSSM, in seiner Begrüs-sungsansprache. Es sei eine Kunst, Traditionen zu wahren und trotzdem offen zu sein für Innovationen. So habe der deutsche Kaiser Wilhelm II. zeitlebens auf das Pferd gesetzt und das Automobil als vorübergehende Erscheinung abgetan. Für Unternehmer sei es zentral, herauszufiltern, welche Entwicklungen relevant sind und einen ehrlichen Austausch zwischen den Generationen ermöglichen.
Mit der Frage ans Publikum, wann es das letzte Mal begeistert war, eröffnete Mareike Ahlers, CEO bei der Prof. Bruhn & Partner AG in Basel und Expertin für nachhaltige Wachstumsstrategien, ihr Referat. Kunden wollen begeistert werden und erwarten individuelle Lösungen. In den meisten Fällen reicht eine Standardleistung nicht mehr aus. Begeisterung kann durch Übererfüllung oder mittels einer Überraschung ausgelöst werden. Bei der Übererfüllung schafft man Zufriedenheit, indem Erwartungen übertroffen werden. Bei der Überraschung werden unerwartete Bedürfnisse erfüllt. Sie steigert nicht nur die Zufriedenheit, sondern sorgt für einen angenehmen Schock. «Die Kundenbegeisterung ist ein wichtiges Instrument, um als Unternehmen aus der Masse herauszustechen», sagte Ahlers. Allerdings sorge die exzessive Verwendung des Begriffes Begeisterung im Marketing für Abstumpfung.
In Zeiten, in denen Märkte gesättigt, Kunden anspruchsvoller und Menschen wieder sparsamer sind, sorgt eine begeisterte Kundschaft für Loyalität, Weiterempfehlungen und höhere Zahlungsbereitschaft.
Kunden könnten laut Ahlers mit Emotionen, Individualität, Exklusivität, Schnelligkeit, Beteiligung und einem Zusatznutzen begeistert werden. Es gehe nicht mehr darum, einen Akkubohrer zu besitzen, sondern ein Loch in der Wand zu haben. Deshalb muss sich die Schreinerbranche fragen, welche bezahlten Dienstleistungen man Kunden bieten könne, um einen echten Mehrwert zu den eigenen Produkten zu schaffen.
86 % finden es wichtig, dass der Arbeitgeber auf Social Media aktiv ist. Dies zeigte Metin Senler, Founder und CEO der Senler Media GmbH in Zürich, anhand einer eigenen Umfrage zu Beginn seines Referates über Social Media auf. Weiter suchen laut der Umfrage 77 % der Befragten einen potenziellen Arbeitgeber über Instagram, 36 % über LinkedIn und bereits 42 % über TikTok. Senler zeigte auf, wie Social Media ein authentisches Fenster zum eigenen Betrieb schafft und dabei helfen kann, bei Kunden und Partnern im Kopf zu bleiben. Je mehr die Beiträge geteilt und gespeichert werden, desto häufiger werden diese von den Plattformen ausgespielt. Anhand der Eigenschaften der Plattformen zeigte er auf, wie Inhalte weiterverbreitet und ausgespielt werden, beispielsweise als auf den Freundeskreis beschränkte «Closed Feed» oder als weiter gestreute «Open Feed». Der Open Feed lernt beispielsweise die Vorlieben der Nutzer und bietet anschliessend eine angepasste Auswahl für den jeweiligen Nutzer an. Wichtig sei, dass Unternehmen authentisch bleiben und sich ehrlich präsentieren. Betreffend die Suche nach neuen Fachkräften gab Senler den Tipp, nicht nur zu sagen, was man ist, sondern sich als Unternehmen in kurzen Videos zu zeigen, dies mit authentischen Menschen und echten Projekten. «Zukunftspläne und Alltagssituationen sorgen für die gewollte Interaktion und interessieren die Gemeinschaft mehr als einstudierte Kampagnen», sagte Senler.
Der ehemalige Ski-Rennfahrer und ZDF-Ski-Experte Marco «Büxi» Büchel nahm das Publikum mit auf die emotionale Suche nach seinem Warum. Nachdem er mit 38 Jahren sein letztes Rennen fuhr und der ganze Druck wegfiel, kam die Zeit zum Nachdenken. Er war bereits in der Kindheit sehr aktiv, probierte diverse Sportarten aus, vom Schwimmen bis zum Judo, bevor er durch einen Kollegen zum Skifahren kam. Mit der Teilnahme an der WM 1991 im österreichischen Saalbach startete seine Karriere. Bis zur WM 2009 kamen dann, laut Büchel, die schönen Jahre. Im WM-Lauf in Val d’Isère landete er auf dem undankbaren vierten Platz und stellte sich die Frage, weshalb er sich das alles antue. Die Antwort war: «Es geht immer nur um Emotionen und die Frage nach dem Warum.» Emotionen sind für Büchel Transportmittel für noch intensivere Emotionen. Nach seinem Rücktritt fand er als ZDF-Experte eine neue Möglichkeit, diese zu transportieren. Seit der Pandemie leidet Büchel allerdings an Long Covid und musste sich erneut neu erfinden. Es sei wichtig, sich laufend anzupassen. «Es geht darum, neue Situationen anzunehmen, da sich diese nicht einfach zurückändern. Man kann die Erfahrungen mitnehmen, muss aber agil und kreativ bleiben.»
In der abschliessenden Talkrunde suchten Barbara Büttner, Märki AG Innenausbau, Oliver Bantli, Schreinerei Holzbau Bantli AG, Mareike Ahlers, Prof. Bruhn & Partner AG, Elia Wettstein, Schreinerei Fehlmann AG und Mitglied Schreinernationalmannschaft 2022, und Basil Gasser, Gawo Gasser AG und Mitglied des VSSM-Zentralvorstands, unter der Moderation von Tanja Gutmann nach Möglichkeiten, für bestehende und zukünftige Mitarbeitende attraktiv zu sein und zu bleiben. In der Einleitung sagte Tanja Gutmann, dass das Wort Fachkräftemangel zwar nicht mehr gern gehört wurde, jedoch auch in der Schreinerbranche angelangt sei. Elia Wettstein stellte das Team, die gemeinsamen Arbeiten und die Freude an der Arbeit als zentrale Kriterien heraus. Auch moderne Maschinen machen viel aus. Oliver Bantli setzte bereits 2007 auf die Automatisierung und Datendurchgängigkeit. Dies allein reiche heute jedoch nicht mehr aus. Hier spiele das Zwischenmenschliche seine Stärke aus. Auch Barbara Büttner bietet ihrem Team gemeinsame Ski-Weekends und Aufenthaltsräume. Die Infrastruktur muss den Austausch ermöglichen und unterstützen. Mareike Ahlers sieht ebenfalls die Identifikation als ein zentrales Element, um Mitarbeitende zu halten. Mittels Wertschätzung und Freude kann hier viel bewegt werden. Basil Gasser relativierte die Anstrengungen etwas, indem er sagte, dass Teamevents bereits State of the Art in der Branche seien und man sich fragen müsse, wie man den Einbezug der Mitarbeitenden weiter steigern kann. Er beziehe sein Team beispiels- weise in die Weiterentwicklung des eigenen Arbeitsumfeldes mit ein. Laut Ahlers reichen Klassiker zwar nicht mehr aus, jedoch dürfen diese nicht unterschätzt werden. Einerseits kann das Zusammenspiel mit der Führung gesteigert und andererseits die eigene Rolle im Team besser gefunden werden.
Barbara Büttner klärt mittels Gesprächen ab, ob solche Events überhaupt noch geschätzt und gewollt sind: «Es soll Spass machen sowie verbinden und nicht bloss ein arbeitsfreier Tag sein.» Laut Oliver Bantli müsse man als Unternehmen variieren und neue Ansätze bieten. So feiert das Unternehmen alle Fünf-Jahr-Jubiläen der Mitarbeitenden, das gebe neue Anlässe und sorge für Wertschätzung. Elia Wettstein sieht nicht nur den Event im Mittelpunkt, vielmehr gehe es um die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden: «Man merkt, ob man etwas erhält, weil man es verdient hat.» Laut Ahlers darf man zudem die Bedürfnisse der unterschiedlichen Generationen nicht unterschätzen. So suchen jüngere Menschen beispielsweise vermehrt nach einem Sinn hinter einer Veranstaltung. Sie wollen nicht mehr zum Bowling oder Essen, sondern mitwirken und einen Beitrag leisten. Auf die Frage von Tanja Gutmann, ob es möglich sei, dass die Generationen verschmelzen, antwortete Basil Gasser, dass er wenig vom Generationendenken halte, es gehe mehr um die Gesellschaft als Ganzes: «Auch ältere Mitarbeitende haben Freude, wenn ihre Arbeit einfacher wird.» Laut Ahlers geht es jedoch immer ums Individuum. Es gebe Unterschiede, wie sich eine 20-Jährige und eine 50-Jährige mit einem Unternehmen identifiziert. Häufige Wechselgründe sind laut Gasser neben dem Lohn der Wunsch nach einem anderen Beschäftigungsgrad: «Lebensarten und Umstände ändern sich, und wir Unternehmen benötigen die Agilität und Flexibilität, um diese Bedürfnisse zu erfüllen.» Der Verband müsse hierfür die Werkzeuge entwickeln, und die Mitglieder müssten diese wiederum einsetzen. Barbara Büttner wünscht sich attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten auf allen Ebenen, und laut Oliver Bantli müsse zusätzlich die Entlöhnung in der Branche gesteigert werden. Für Elia Wettstein würden zudem die eigene Sicherheit und die Gesundheit bei der Arbeit eine zentrale Rolle spielen.
Für eine erfolgreiche Zukunft gilt es, eine Vielzahl von Bedürfnissen abzuholen und für Begeisterung zu sorgen.
www.vssm.chVeröffentlichung: 07. Dezember 2023 / Ausgabe 49/2023
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