Koste es, was es wolle


Einweihung des Schreinerhauses im Juni 1944 . Archivbild: VSSM
Einweihung des Schreinerhauses im Juni 1944 . Archivbild: VSSM
75 Jahre Bürgenstock. Am Anfang stand die tiefe Überzeugung, dass für die Bildung mehr getan werden muss. Vor 75 Jahren baute der VSSM auf dem Bürgenstock das Schreinerhaus, heute die Höhere Fachschule Bürgenstock. Die erste Folge der Jubiläumsserie widmet sich der Entstehung.
Ausgerechnet während der unsicheren Zeit des Zweiten Weltkriegs erstellte der VSSM als innovativer und vorausschauender Berufsverband ein Weiterbildungszentrum auf dem Bürgenstock. Wie kam es zu dieser Vorwärtsstrategie?
Ein Schlusskurs für angehende Meister von vier Tagen Dauer sollte neu durchgeführt werden. Dies hatte die Präsidentenkonferenz 1933 beschlossen. Der Meisterkurs, wie er fortan genannt wurde, sollte durch weitere fachspezifische Kurse ergänzt werden. Der erste Meisterkurs wurde bereits im Juni 1933 im Hotel Sonnenberg, oberhalb von Kriens LU, durchgeführt. Der zweite Kurs im August 1933 im Parkhotel auf dem Bürgenstock. Alle weiteren Kurse fanden von nun an auf dem Bürgenstock statt.
Die Generalversammlung 1942 des VSSM befasste sich sehr eingehend mit der beruflichen Weiterbildung. Es wurde im Protokoll festgehalten, dass die Kurse der Schreinerfachschule in Bern ausgebaut und die Kursdauer auf zwölf Monate verlängert werden soll. Damit könne sich der Verband aber mittelfristig nicht begnügen, weil im Ausland schon länger Kurse mit einer Dauer von zwei Jahren angeboten würden. Die Anforderungen beispielsweise an Werkmeister, Betriebsleiter oder Fachlehrer seien derart gross, dass jede Vernachlässigung grosse Nachteile zur Folge haben würde, hiess es.
Parallel dazu würden sich zusätzliche, kürzere Kurse aufdrängen, damit sich auch die im Beruf tätigen Meister und Arbeiter ständig weiter ausbilden können.
Es wurde ein Kursprogramm vorgelegt, das 44 Tage umfasste, darunter waren Einheiten wie Kalkulation, Buchhaltung, Geschäftsführung, Werbepraxis und Reklame sowie Lehrlingsausbildung. Initiant dieser Diskussion war der damalige VSSM-Zentralsekretär Felix Huonder.
Ebenfalls im Protokoll wurde festgehalten, es sei selbstverständlich, dass die Durchführung solcher Kurse Lokalitäten, Maschinen und Apparate sowie tüchtige Lehrkräfte erfordere. Um die finanzielle Grundlage für dieses Berufsbildungsprogramm zu haben, müsse der Bund mithelfen. Der Zentralvorstand beantragte deshalb der Generalversammlung im März 1943 die Errichtung der Stiftung «Schreinerhaus» mit einem Gründungskapital von 100 000 Franken. Die Lieferanten stellten einen Betrag von 43 000 Franken an das Gründungskapital zur Verfügung. Von der Überzeugung ausgehend, dass Kursteilnehmer doppelte Arbeit leisten würden, wenn sie von der gewohnten Umgebung losgelöst sind, stellte man fest, dass die bisherigen Meisterkurse mit sehr gutem Erfolg auf dem Bürgenstock abgehalten wurden. Die Generalversammlung stimmte dem Antrag, das Schreiner- haus auf dem Bürgenstock zu errichten, mit 110 Ja- gegen 20 Nein-Stimmen zu.
Bereits im Mai 1943, nur einige Wochen später, lag dem Zentralvorstand eine Offerte für den Bau im Betrag von 220 000 Franken inklusive Landerwerb vor. Mit den Bauarbeiten wurde am 15. Juni 1943 begonnen, am 24. Juni 1944 konnte das Schreinerhaus feierlich eingeweiht werden. Der Anschaffungswert betrug total 410 621.20 Franken, was zeigt, dass schon damals Kostenüberschreitungen vorkamen. Im ersten Betriebsjahr wurden bereits ein Beizkurs, ein Kurs über das Fachzeichnen und ein Meisterkurs durchgeführt. Ab 1945 folgten die ersten Meisterprüfungen und weitere Kurse.
Heute ist im Schreinerhaus aus der Gründungszeit nur noch das von der VSSM-Sektion Zürichsee gespendete Sitzungszimmer aus dem Jahr 1944 erhalten. Eine Pendule von Le Castel und die kunstvoll verzierte Meisterprüfungstruhe aus dieser Zeit sind ebenfalls noch vorhanden. Um die Pioniere der VSSM-Berufsbildung in Ehre zu halten, wurde das Sitzungszimmer in all den Jahren vor baulichen Eingriffen verschont. In den 1990er-Jahren wurde der Raum sorgfältig renoviert. Einzig die Beleuchtung und die Medieninfrastruktur wurden der neuen Zeit angepasst. Die Getränkebar im Schrank hat ihre Bedeutung verloren, sie ist heute leer. Schon seit längerer Zeit enthalten sich die Kommissionen vor und während der Sitzungen des Alkohols. Viele weitere Einrichtungen im Schreinerhaus, die in der Bauphase von 1944 von den Sektionen grosszügig gestiftet worden waren, sind den verschiedenen Umbauten seither zum Opfer gefallen.
Während des diesjährigen Jubiläums der Höheren Fachschule Bürgenstock (HFB) blickt die SchreinerZeitung mit einer losen Serie episodenhaft auf die Geschichte der VSSM-eigenen Bildungsstätte zurück. Die Kurzgeschichten geben einen facettenreichen Einblick in frühere Zeiten – manchmal mehr faktisch, manchmal auf humorvolle Art. Unterhaltung ist garantiert. Verfasser der Beiträge ist Romain Rosset (Bild). Er war von 1982 bis 2000 Kursleiter an der HFB und danach bis zur Pensionierung 2015 Bereichsleiter Berufsbildung beim VSSM.
Veröffentlichung: 17. Januar 2019 / Ausgabe 3/2019
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