Es mangelt an Lehrstellen für Zeichner

Die Arbeit einer Berufsschülerin, die derzeit die Lehre zur Zeichnerin absolviert. Zeichnung: Salome Näf

Zeichner.  Die Zusatzlehre als Zeichner EFZ Fachrichtung Innenarchitektur bringt viel Potenzial für die Schreinerbranche mit sich. Obwohl genügend motivierte Schreinerlernende bereit für eine Zusatzlehre wären, fehlt es an Lehrstellen. Das soll sich nun ändern.

«Wie sehen deine Zukunftspläne aus?» Das ist eine jener Fragen, die gegen Ende der Lehre von Mitschülern, Lehrern oder Freunden häufig gestellt werden. Die Antworten der Schreinerlernenden sind verschieden, denn die Wege gehen nach dem Abschluss auseinander. Während viele mit «Ich kann im Lehrbetrieb weiterarbeiten» oder «Ich gehe mal auf Montage» antworten, gibt es auch den einen oder anderen mit der Antwort: «Ich beginne eine Zusatzlehre als Zeichner mit der Fachrichtung Innenarchitektur.» – «Hä? Was ist das genau?»

Zweijährige Zusatzlehre für Schreiner

Die Ausbildung zum Zeichner kann als zwei-, drei- oder vierjährige Lehre absolviert werden. Während es sich bei der vierjährigen um eine eigenständige Lehre handelt, sind die anderen beiden Varianten Zusatzlehren. Die verkürzte, dreijährige Ausbildung ist für jene, die bereits eine branchenfremde Lehre abgeschlossen haben. Die zweijährige Zusatzlehre steht den Schreinerinnen und Schreinern mit abgeschlossener Ausbildung EFZ offen. Sie können sich innerhalb von zwei Jahren zur Zeichnerin oder zum Zeichner mit Fachrichtung Innenarchitektur ausbilden.

Idealer Weg für vielseitige Schreiner

Während der zweijährigen Ausbildungszeit erhält der Zeichner durch die Begleitung von Innenarchitekturprojekten einen vertieften Einblick in den Innenausbau. Das vermittelte Fachwissen über Oberflächen, Materialien, Farben, Formen und Textilien kann bei der Ausarbeitung von Entwürfen und Konstruktionen angewendet werden. Während in der Schreinerlehre das Zeichnen nach VSSM-Vorschriften erlernt wird, vermittelt die Zeichner-Zusatzlehre nebst dem Skizzieren von Hand und dem Kolorieren von Kundenplänen auch die Anwendung der SIA-Zeichnungsnorm, die im Hoch- und Innenausbau zur Anwendung kommt.

Deshalb ist für jene, die ein Möbel oder einen Raum nicht nur nach einem fertigen Plan nachbauen wollen, sondern das Ganze selbst gestalten, planen, aufzeichnen und anfertigen möchten, die zweijährige Zusatzlehre ein idealer Weg. Die beruflichen Möglichkeiten sind nach Abschluss der Zusatzlehre vielfältig, weil ein Schreiner mit dieser Ausbildung ein sehr breites Arbeitsspektrum abdecken kann.

Acht Lehrstellen in der Deutschschweiz

Das Fachwissen für den Zeichnerberuf wird den Lernenden in der Berufsschule Lenzburg AG vermittelt. Sie ist die einzige Berufsschule in der Deutschschweiz, an der die Zeichner EFZ Fachrichtung Innenarchitektur den Berufsschulunterricht besuchen können. Leider stehen noch zu wenige Lehrstellen für die Zusatzlehre zur Verfügung. In der Deutschschweiz sind es bis jetzt lediglich acht Ausbildungsplätze, auch wenn die Berufsschule Lenzburg doppelt oder sogar dreimal so viele Schüler aufnehmen könnte. Gründe für den Lehrstellenmangel gibt es verschiedene. Offensichtlich ist aber, dass die Zusatzlehre bei den Unternehmern noch zu wenig verankert ist. Diese Annahme bestätigt auch die Schilderung der Lernenden Anna Aeschbacher: «Die Schreinerlehre war die perfekte Basis, um danach die Zeichnerlehre zu beginnen. Leider habe ich aber keine Lehrstelle gefunden, um die zweijährige Zusatzlehre absolvieren zu können, und ich musste auf die dreijährige umsteigen», erzählt sie.

Auch Andreas Fuchs, Lehrer an der Berufsschule in Lenzburg, bedauert das geringe Lehrstellenangebot. «Es ist schade, wenn nur fünf oder sechs Schüler den Lehrgang beginnen.» Derzeit müssten die Lernenden des ersten und des zweiten Schuljahrs zusammen unterrichtet werden, weil sonst die Klassen einfach zu klein wären.

Eine Investition in die Branche

Für die zweijährige Zusatzlehre steht also eine Berufsschule mit Kapazitäten bereit, eine tatkräftig arbeitende Trägerschaft dahinter (siehe Box) und motivierte Schreinerlernende sind auch vorhanden – und trotzdem fehlt es an Lehrstellen.

«Die Zusatzlehre ist eine gute Möglichkeit, motivierte und eingearbeitete Lehrabgänger im Betrieb zu halten, um von deren fachlichen und gestalterischen Fähigkeiten in der Planung zu profitieren», ist Andreas Fuchs überzeugt. Die ausgelernten Schreiner mit zusätzlicher Zeichnerlehre seien für die Branche wertvoll.

«Wie sehen deine Zukunftspläne aus?»

Für die jungen Berufsleute und Absolventen der Zusatzausbildung stellt sich früher oder später natürlich erneut die Frage: «Wie sehen deine Zukunftspläne aus?» Und da haben Schreiner mit der Zusatzlehre Zeichner mit Fachrichtung Innenarchitektur bessere Karten, denn die Berufsmöglichkeiten sind um einiges grösser und vielfältiger. Nun sind Antworten zu erwarten wie: «Ich arbeite mich gerade zum Bauleiter vor», «Ich sehe meine Zukunft in einem Innenarchitekturbüro» oder noch besser: «Mit der Ausbildung als Schreiner und der Zusatzlehre als Zeichner möchte ich mich irgendwann selbstständig machen».

Lehrmeistervereinigung Zeichner EFZ

Die Trägerschaft

Seit 1972 gibt es die Lehrmeistervereinigung Zeichner EFZ Innenarchitektur (LV-IBZ). Sie ist neben dem VSSM und der VSI/ASAI (Vereinigung Schweizer Innenarchitekten/Architekten) eine der drei Trägerschaften, welche die Zeichnerausbildung unterstützt. Der Verein ist ein Zusammenschluss von Lehrbetrieben aus der gesamten Deutschschweiz und führt jedes Jahr einen Lehrlingswettbewerb durch. Die LV-IBZ ist nicht nur während, sondern auch nach der Lehre für die jungen Berufsleute da. Sie zeigt ihnen Weiterbildungswege auf, wie an Fachhochschulen etwa die Fachrichtungen Industrial Design, Innenarchitektur und Szenographie oder an Höheren Fachschulen als Techniker oder Gestalter Innenarchitektur. Den Lernenden steht mit der Zusatzlehre auch die gesamte VSSM-Weiterbildung offen.

www.lvibz.ch

ES

Veröffentlichung: 04. Mai 2017 / Ausgabe 18/2017

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