Ein Prüfungsexperte blickt zurück

Hanspeter Leuthold war von 1992 bis 2010 als Prüfungsexperte für den VSSM tätig. Bild: VSSM

75 Jahre Bürgenstock.  Hanspeter Leuthold, Schreinerunternehmer und ehemaliger Gemeinderat von Horgen, war viele Jahre Experte an den eidgenössischen Schreinerprüfungen. Er erzählt, wie er den Umbruch in der Weiterbildung um 2000 erlebt hat.

SchreinerZeitung: Während Ihrer Zeit als Experte waren Sie 14 Jahre Mitglied der Qualitätssicherungskommission und von 2000 bis 2010 deren Präsident. Wie haben Sie den Wandel der eidgenössischen Prüfungen erlebt?

Hanspeter Leuthold: Ich muss vorausschicken, dass ich meine Meisterausbildung in der Lehrwerkstätte Bern absolvierte und 1975 auf dem Bürgenstock mit der Meisterprüfung abschloss. Damals hatten die «Lädere»-Abgänger (siehe Seite 52) ein zwiespältiges Verhältnis zum Bürgenstock. Die damalige Rivalität zwischen den beiden Schulen war vorwiegend personenbezogen. Um den Ball möglichst flach zu halten, war es ein Brauch, dass die Berner Klassen im Schreinerhaus einen Höflichkeitsbesuch abstatteten. Dies unter dem Vorwand, die Prüfungsräume und den Maschinensaal kennenzulernen. Während der Prüfung waren die Experten mit Krawatte und einer weissen Schürze bekleidet. Das Ganze ging damals sehr formell zu und her.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Einsatz?

Ja, das war eine ganz spezielle Prüfung. Das Schreinerhaus befand sich 1992 komplett im Umbau, nur die praktische Arbeit konnte dort durchgeführt werden. Die restlichen Fächer wurden im Waldhotel geprüft. Meine erste Aufgabe als Experte war, eine Telefonleitung vom Ausbildungszentrum ins Waldhotel zu verlegen. Weil ich im Militär bei den Übermittlungstruppen war, durfte ich diese Leitung verlegen.

Gibt es noch eine weitere spezielle Erinnerung an diese erste Prüfung?

Ja, mein erster Einsatz bei einer mündlichen Prüfung war geprägt von sprachlichen Problemen. Nicht, weil ich die Antworten der Kandidaten nicht verstand, sondern die Fragen des Experten! Dieser war Walliser, Josi Rotzer, den ich als Züri- hegel mit seinem extremen Walliserdialekt kaum verstand.

Welche Veränderungen im Bildungssystem beschäftigten Sie in diesen Jahren am meisten?

Das war die Einführung der Modularisierung mit dem Wechsel von der Gesamtprüfung, die sechs Tage dauerte, auf eine Prüfung mit angewandter Aufgabe von zwei Tagen und einer Diplomarbeit auf der Meisterstufe. Bei der Werkmeisterprüfung wurde ebenfalls eine angewandte Aufgabe von zwei Tagen verlangt. Die praktische Arbeit wurde auf die Stufe der Module verlegt. Einige Jahre gab es noch die Projektleiterprüfung Innenausbau, die mit dem heutigen Projektleiter jedoch nicht identisch ist.

Welche Aufgaben hatte die Qualitätssicherungskommission im Rahmen der Module?

Das war das Spannende an diesem Wechsel. Bisher hatte die Prüfungskommission kaum etwas mit der Ausbildung zu tun. Die Schulen mussten das vermitteln, was geprüft wurde. Neu musste die Qualitätssicherungskommission, die QSK, wie sie von da an hiess, auch die Lehrpläne, die Modulprüfungen und die zehn Ausbildungsstätten kontrollieren. Das war eine ganz neue Dimension. Der Aufwand der QSK stieg stark an, machte aber Sinn. Dies funktionierte, indem ein Fachauditteam unter der Leitung der QSK die Modulprüfungen und die Ausbildungsstätten kontrollierte. Letzteres durch Schulbesuche, zusammen mit der Berufsbildung des VSSM. Die Modullehrpläne selber mussten von der QSK genehmigt werden. An den Sitzungen der QSK waren auch der Zentralvorstand und die Berufsbildung des VSSM vertreten. Durch diese Konstellation konnte sehr effizient gearbeitet werden, und die Entscheide waren tragfähig.

Haben sich die Bildungsinhalte ebenfalls verändert?

Ja, die betriebswirtschaftlichen Elemente der Ausbildung haben stark zugenommen, und der schreinerfachliche Teil hat etwas an Bedeutung verloren. Ab dem Jahr 2002 wurden dann nach und nach auch CAD und CNC in die Module und in die Prüfungen integriert.

RR

Veröffentlichung: 14. November 2019 / Ausgabe 46/2019

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