Digitaler Nachholbedarf

Andreas Trisner erklärt die Finessen einer Massaufnahme mit 3D-Scanner. Bild: Stefan Hilzinger

VSSM-Fachanlass.  «Digitale Massaufnahme» war das Thema der diesjährigen Fachanlässe des Bereichs Technik & Betriebswirtschaft des VSSM. Vergangene Woche fand die 15-teilige Reihe mit total knapp tausend Teilnehmenden bei der Borm-Informatik AG in Schwyz ihren Abschluss.

In den vergangenen Jahren haben Schreinereien kräftig in neue Technik und Technologien investiert. Die Prozesse sind stärker digitalisiert und die Daten durchgängiger vom Büro bis auf die Baustelle. Doch wie Tobias Gutzwiller, Projektleiter im Bereich Technik & Betriebswirtschaft (T&B) des VSSM, sagt, haben nicht alle Arbeitsschritte davon profitiert. Einer dieser Schritte ist die Massaufnahme auf der Baustelle. Dies geht laut Gutzwiller aus einer Umfrage aus Deutschland hervor, demnach haben nur sieben Prozent der Schreinereien in diesem Bereich in neue, digitale Technik investiert. Vergleichbares dürfte auch für die Schweiz gelten, obwohl auch hierzulande sich viele Betriebe durch Digitalisierung der Massaufnahme eine Vereinfachung und Verbesserung wünschten. Wie das in der Praxis geschehen kann, erfuhren die rund tausend Teilnehmenden an den diesjährigen VSSM-Fachanlässen, die vor einer Woche bei der Borm-Informatik AG oberhalb Schwyz zu Ende gingen. Die gut 50 Personen erhielten praktische Einblicke in zwei Systeme: den 3D-Raumscanner und die tachymetrische Massaufnahme. Beide Technologien ergeben nur dann einen Sinn, wenn sie mit passender Software in die weiteren Arbeitsschritte des Schreinerbetriebs eingebunden sind.

Digital zum passgenauen Produkt

Das Ergebnis einer dreidimensionalen Aufnahme mit Laserscanner ist eine sogenannte Punktwolke – unzählige, in einem Koordinatensystem verortete Messpunkte, welche die örtliche Situation virtuell abbilden. Andreas Trisner von der Firma Creaform berichtete, wie er mit dem Scanner des Herstellers Faro ganze Gebäude virtuell aufnimmt. Entsprechend interpretiert und für Planung und Produktion aufbereitet, entstünden letztlich passgenaue Teile, die auf der Baustelle problemlos montiert werden. Wie die Arbeitsschritte nach der Massaufnahme softwaremässig idealerweise vonstattengehen, zeigte Stefan Mehr von der Firma CAD+T auf.

Vergleichbare Resultate sind auch mit einem sogenannten Tachymeter erreichbar, wie Marcel May von der Firma Flexijet erklärte. Hierbei misst das Lasergerät Distanzen und Winkel nach einem bestimmten Muster auf der Baustelle, was letztlich ebenfalls eine 3D-Modellierung mit exakten Vermassungen ergibt. Wie die Übernahme der Daten in Planung und Produktion erfolgt, erläuterte Beat Wyss von der Borm-Informatik AG. Auch hier steht am Ende der Geschichte ein passgenaues Produkt.

Laut Trisner hat eine digitale Massaufnahme folgende Vorteile:

  • Prozesssicherheit dank Datenübernahme
  • Zeiteinsparung im gesamten Prozess
  • Minimierung von Fehlerquellen
  • CNC-Anbindung (Durchgängigkeit)
  • Schnellerer Aufbau von Stammdaten

Die Vorteile haben allerdings ihren Preis. Der gezeigte 3D-Scanner kostet um die 60 000 Franken, der Tachymeter liegt bei rund 16 000 Franken. Zudem benötigt der Einsatz der Geräte einiges an Know-how und Erfahrung.

www.vssm.ch

Planungskosten

Nicht umsonst arbeiten

Was bei Architektur, Sanitär und Elektrik selbstversändlich ist, ist für Schreinereien immer noch eine Seltenheit: Planungskosten ausweisen und der Kundschaft in Rechnung stellen. Das soll sich ändern, finden auch viele Schreinerunternehmer. Tobias Gutzwiller vom VSSM rechnete den Teilnehmenden des Fachanlasses am Beispiel einer Küche vor, dass es sich dabei um Beträge zwischen 1000 und 3000 Franken handelt. Der VSSM hat gemeinsam mit Küche Schweiz Musterverträge und allgemeine Geschäfts- bedingungen (AGB) sowie Merkblätter erarbeitet, die Verbandsmitgliedern gratis zur Verfügung stehen.

Stefan Hilzinger, hil

Veröffentlichung: 14. November 2024 / Ausgabe 46/2024

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